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Zuletzt aktualisiert: 14.12.2009 um 11:10 UhrKommentare

Das System Hypo Group Alpe Adria

Der Staat Österreich übernimmt die Hypo Group Alpe Adria und rettet die Bank damit vor der Insolvenz. Die Aktion löst bei vielen Unverständnis aus, doch Finanzminister Pröll hatte gute Gründe. Hier die wichtigsten Fragen zur Rettungsaktion.

Foto © APA

Wie konnte aus einer kleinen Landesbank ein Geldinstitut werden, das für Österreich, Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina "systemrelevant" ist?

Im Jahr 1992 stand die Kärntner Hypo kurz vor dem Bankrott. Damals kam Wolfgang Kulterer in die Bank und sanierte das Geldinstitut. Seitdem legte die Hypo ein rasantes Wachstum hin. Sie investierte im Balkan und profitierte vom Aufschwung in dieser Region. Dabei scheute die Bank kein Risiko. Solange Gewinne erwirtschaftet wurden, fragte keiner der Eigentümer nach, wie die Einnahmen zustande gekommen waren. So wurde die Hypo Group Alpe Adria zur sechstgrößten Bank Österreichs.

Warum haftet das Land Kärnten mit 18 Milliarden Euro für die Bank?

Die Landeshaftung war das Geheimnis des Erfolges der Hypo AA. Diese Garantie des Bundeslandes Kärnten sorgte dafür, dass die Bank über Jahre ein gutes Rating hatte. Nur dank der Übernahme immer höherer Garantien konnte das System Hypo am Leben erhalten werden. Das war für Kärnten nicht nur deshalb wichtig, weil die Bank über Jahre Gewinne ans Land ausgeschüttet hat. Die Hypo AA war auch Geldgeber für Projekte der Landesregierung, wie das Fußballstadion in Klagenfurt und die Wörtherseebühne.

Und wie funktionierte das System Hypo?

Das Rating ist eine Art Garantie für die Bonität der Bank und hat somit dafür gesorgt, dass die Hypo AA günstige Kredite bekommen hat. Bei ihren Geschäften hat die Hypo dann darauf spekuliert, dass der erzielte Gewinn über den Kreditzinsen liegt. Und das geht so: Max Mustermann rechnet damit, dass der Wert eines Seegrundstückes am Wörthersee jedes Jahr stark steigt. Der Preis beträgt eine Million Euro. Wenn er es kauft, könnte er damit einen guten Gewinn erzielen. Da er aber relativ mittellos ist, will ihm die Bank nur einen Kredit mit zwölf Prozent Zinsen geben – so würde sich das Geschäft nicht rechnen. Max Mustermann hat aber eine reiche Großmutter, die als Bürgin einspringt. Die Bank gibt ihm einen Kredit mit einem Zinssatz von zwei Prozent. Max Mustermann einigt sich mit dem Kreditgeber darauf, dass er nur die Zinsen (20.000 Euro im Jahr) bezahlt. Nach drei Jahren kann er das Grundstück um 1,2 Millionen Euro verkaufen. Er zahlt den Kredit zurück und hat nach Abzug der Zinsen 120.000 Euro Gewinn gemacht.

Aber wenn die Hypo so gute Geschäfte gemacht hat, warum ist sie jetzt pleite?

Diese Geschäfte sind nicht wirklich gut, sie sind hoch riskant. Der Gewinn lässt sich nämlich nur erzielen, wenn der Wertzuwachs viel höher ist als die Zinsen. Aufgrund eines höheren Risikos können die Banken aber höhere Zinsen verlangen, und der Deal wird zum Verlust. Die Finanzkrise hat den Balkan ganz besonders getroffen, wo die Hypo AA sehr stark engagiert ist. Das führte dazu, dass nicht nur die Zinsen für die Finanzierung stiegen, sondern auch der Wert der Anlagen – hauptsächlich Immobilen – nicht stieg, sondern fiel. Das Eigenkapital war gefährdet, die Nationalbank schlug Alarm. Erst jetzt prüften die Eigentümer, vor allem die BayernLB, die Geschäftspraktiken und Kredite der Bank und wollte sie daraufhin so schnell wie möglich loswerden.

Und warum muss Österreich die Bank nun retten?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

1. Die Kreditgeber der Hypo AA hätten bei einer Pleite durch die Finger geschaut. Das sind in vielen Fällen österreichische Banken. Der Konkurs der Kärntner Hypo hätte einen Dominoeffekt auslösen und andere Geldinstitute in den Ruin treiben können.

2. Das Land Kärnten haftet mit 18 Milliarden Euro für die Bank. Eine Pleite hätte Kärnten zahlungsunfähig gemacht. Laut Verfassung kann ein Bundesland nicht Konkurs gehen, der Bund und die anderen Bundesländer hätten einspringen und den Betrag übernehmen müssen.

3. In den Balkanländern ist die Hypo AA eine Großbank, in Kroatien und Bosnien-Herzegowina sogar die größte im Land. Eine Insolvenz hätte den Ruin für viele Sparer und Häuselbauer in diesen Ländern gesorgt und die Wirtschaft zusätzlich geschwächt. Kroatien ist EU-Beitrittskandidat und Bosnien quasi von Zahlungen der EU abhängig. Eine Pleite der Hypo hätte daher durch neue Hilfszahlungen der EU an diese Länder abgefedert werden müssen.

4. Neben der Hypo sind auch andere österreichischen Banken und Unternehmen am Balkan tätig. Einen Konkurs der Bank hätte das Vertrauen in österreichische Firmen zerstört und damit für hohe Folgeverluste gesorgt.

EIN KOMMENTAR VON ROMAN HUBER

KLEINE.tv

Analyse zum Styrian-Spirit-Urteil

Mit Schuldsprüchen und Haftstrafen von 2,5 bzw. 2 Jahren endete am Freit...Bewertet mit 4 Sternen

 

Serie "Die Akte Hypo"

Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Bereicherung und Balkangeschäfte hinter Stiftungsschleiern, Verlust-Exzesse bis zum Beinahe-Ruin. Der Krimi um die Hypo Alpe-Adria. Die Serie zum Mega-Debakel der Kärntner Landesbank.

 

Grafik: 1. Halbjahr 2010 & Entwicklung der HGAA

Quelle: APA
 


Eigentümer

Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

 

Grafik: Konzernstruktur

Quelle: APA
 

Grafik: Kärntens Finanzen

Quelle: APA
 


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