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Zuletzt aktualisiert: 10.12.2009 um 19:26 UhrKommentare

Kann Kärnten pleite gehen?

Acht Fragen zu Skandalen, Debakel und Rettung der Hypo Group.

Foto © APA

1. Woher kommen die Milliardenverluste der Hypo?
ANTWORT: Die Hypo wuchs explosionsartig, Eigenkapital und Risk-Management hielten nie mit. Die Osteuropakrise, die alle Banken trifft, schlägt bei der Hypo besonders stark durch, weil sie viele Projektfinanzierungen nicht auf Kreditbedienung aus Kundenerträgen, sondern aus dem Verkauf der Projekte kalkulierte. Das darf nur Ausnahme sein, bei der Hypo war es am Balkan fast die Regel.

2. Warum hat die BayernLB 2007 die Hypo gekauft?
ANTWORT: Nach Swap-Verlusten war die Hypo ein Verkaufskandidat, die Bayern hatten bei der Bawag gegen Cerberus den Kürzeren gezogen. Mit der Hypo winkte Südosteuropa.

3. Übersahen Bayern Risken oder wurden sie getäuscht?
ANTWORT: Sie durchleuchteten die Hypo per "Due Diligance", zur Bewertung waren angesehene Berater wie Ernst & Young oder Rothschild herangezogen. Die größten Risken wurden erst mit der Finanzkrise akut. Mit der rechneten auch die Bayern nicht, die selbst zehn Milliarden Euro Staatshilfe brauchten.

4. Wieviel setzten die Bayern, was geschah mit dem Geld?
ANTWORT: Bayern hängt tief drin. 1,625 Milliarden zahlten sie als Kaufpreis, der bei Land Kärnten und Berlin & Co landete. 1,3 Milliarden führten sie Eigenkapital zu, das Risikoabschreibungen aufzehrten. Auch deckt sie Hypo-Geschäfte von drei Milliarden ab. In der Bilanz müssen sie die Hypo abwerten.

5. Welchem Krimi muss die Justiz in Bayern nachgehen?
ANTWORT: Ex-BayernLB-Chef Schmidt soll die Hypo zu teuer gekauft haben. Tilo Berlin gab ihm später einen Beratervertrag bei der Hypo. Sie beide und CSU-Granden in der BayernLB sind angezeigt. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt.

6. War es für Kärnten ein Geschäft oder haftet man mit?
ANTWORT: 800 Millionen waren ein Bombenpreis, der im Zukunftsfonds landete. Doch die Haftungen für die Hypo von aktuell 18 Milliarden Euro blieben als tickende Bombe beim Land.

7. Kann Kärnten pleite gehen, muss es nun mitzahlen?
ANTWORT: Beim Bank-Konkurs haften zuerst die anderen Hypos, die zum Teil Raiffeisen gehören, dann Kärnten. In Milliardenhöhe, sodass es pleite wäre. Der Bund müsste Kärnten retten. So wie jetzt die Hypo. Kärnten hat 2,5 Milliarden Schulden. Aus Zukunftsfondsgeld für die Koralmbahn-Tranche 2020 kann es zur Hypo beisteuern.

8. Wie sieht die wahrscheinliche Zukunft der Hypo aus?
ANTWORT: Sie wird ganz oder teilweise verstaatlicht, die Risken in eine "Bad Bank" gesteckt, die abgearbeitet wird. Wenige Länder bleiben in einer "Good Bank" - für den späteren Verkauf an Raiffeisen oder andere Interessenten.

ADOLF WINKLER

KLEINE.tv

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Serie "Die Akte Hypo"

Kleine Zeitung/Helmuth Weichselbraun

Bereicherung und Balkangeschäfte hinter Stiftungsschleiern, Verlust-Exzesse bis zum Beinahe-Ruin. Der Krimi um die Hypo Alpe-Adria. Die Serie zum Mega-Debakel der Kärntner Landesbank.

 

Grafik: 1. Halbjahr 2010 & Entwicklung der HGAA

Quelle: APA
 


Eigentümer

Am 14. Dezember 2009 wurde die Hypo Group Alpe Adria verstaatlicht. Die ehemaligen Eigentümer BayernLB, Grawe und Land Kärnten mussten ihre Anteile für je einen Euro abtreten.

 

Grafik: Konzernstruktur

Quelle: APA
 

Grafik: Kärntens Finanzen

Quelle: APA
 


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