Wetten zum Preis von Nahrung
Angesichts teurer Agrarrohstoffe flammt die Debatte um Nahrungsmittel-Spekulationen wieder auf. Zahlreiche Banken haben zuletzt Finanzprodukte die auf Rohstoffspekulation basieren, aus dem Programm genommen. Ein "psychologisch wichtiges Zeichen".

Foto © Fotolia.com/vomEine folgenschwere Dürre in den wichtigsten Anbauregionen drückt den Preis nach oben
Mehl, Brot, Semmerl, Gebäck, Fleisch - eine ganze Reihe von Lebensmitteln soll demnächst teurer werden. Die Rohstoffpreise haben sich in den vergangenen Monaten enorm nach oben entwickelt. Als Hauptgrund wird die folgenschwere Dürre in wichtigen Anbauregionen der USA genannt. Und die damit verbundenen Ernteausfälle. Mais und Getreide haben sich seit Juni zum Teil um bis zu 50 Prozent verteuert.
Parallel dazu kocht wieder die Debatte rund um Nahrungsmittelspekulationen auf. Zahlreiche Banken, darunter die deutsche Commerzbank aber auch Raiffeisen und die Volksbanken AG haben zuletzt sämtliche Finanzprodukte, die auf Spekulationen mit Agrarrohstoffen basieren, aus dem Programm genommen.
In Zeiten, in denen die Lebensmittelpreise explodieren und der Hunger in der Welt stark zunimmt, schickt sich das nicht. "Vielen Banken ist das Geschäft jetzt wohl zu heiß geworden", sagt auch Thilo Bode, Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins "foodwatch". In der Studie "Die Hungermacher" erläutert foodwatch, dass der "rein spekulative Handel" am Gesamtmarkt für Rohstoff-Transaktionen mittlerweile den größten Teil ausmacht. Den Ausstieg von einigen größeren Banken aus dem Rohstoff-Geschäft sieht Bode als "psychologisch wichtiges Zeichen".
Aber welchen Einfluss haben derartige Spekulationsgeschäfte tatsächlich auf die Entwicklung der internationalen Getreidepreise? Ausgangspunkt der aktuellen Debatte ist etwas sehr Greifbares, nämlich die Rekord-Dürre in den USA. Die Ernten werden miserabel ausfallen, die Lagerstände sinken. Das Angebot sinkt also, die Nachfrage steigt stetig - das hat freilich Auswirkungen auf den Preis. Die Spekulanten verstärken diesen Trend. Kaum wird die Nachricht von schlechten Ernten verbreitet, strömen sie herbei und treiben die Preise in die Höhe - so die oft geäußerte Kritik.
Von Missernten profitieren
Doch was versteht man eigentlich unter Rohstoffspekulation, warum beteiligen sich immer mehr Finanzinvestoren in diesem Handelssegment? Eines vorweg: Spekulation ist nicht gleich Spekulation. Bereits 1848 wurde in Chicago die größte Warenterminbörse der Welt gegründet, sie spielte schnell eine immens wichtige Rolle.
Hintergrund war das Interesse der Produzenten, ihr Preisrisiko zu reduzieren. Die Preise unterlagen und unterliegen großen Schwankungen. Als Agrar-Produzent konnte man sich zum Zeitpunkt des Weizenanbaus nie sicher sein, zu welchem Preis man die Produkte nach der Ernte verkaufen kann. Zur Absicherung wurden daher die Preise - für einen Teil der Ernte - bereits zuvor vertraglich festgelegt. Über diese sogenannte Termingeschäfte konnte man finanzielle Planungssicherheit erlangen. Eine Wette auf die Zukunft - aber aus Gründen der direkten Betroffenheit. Für sie ist die Existenz von Rohstoffbörsen also wichtig, weil man dort Partner findet, die einen Teil des Preisrisikos abnehmen.
Den weitaus größeren Teil der Agrarspekulation machen heute aber branchenfremde Investoren aus - die von traditionellen Spekulanten klar zu unterscheiden sind. Sie setzen auf steigende oder fallende Preise, um daran zu verdienen und nicht aus einer direkten Betroffenheit heraus. So können Finanzinvestoren von einer Dürrekatastrophe profitieren.
Laut Daten von Thilo Bode hat ist die Anzahl derartiger Spekulanten in den letzten Jahren bei Termin-Geschäften von "rund 30, auf etwa 80 Prozent" angestiegen. Und eines habe sich auch gezeigt. Die Preise an den Terminbörsen wirken sich - zeitversetzt - auch auf die Endverbraucherpreise aus, also u.a. auf Mehl, Brot, Gebäck und Fleisch,














