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Zuletzt aktualisiert: 23.07.2012 um 16:27 UhrKommentare

Hellas: Vom Ende der Fahnenstange

Der mögliche griechische Staatsbankrott ist seit Monaten in aller Munde. Warum es jetzt wirklich ernst wird und der Herbst ein heißer werden wird? Die Fakten sprechen für sich.

Foto © APA

Den Gläubigern Griechenlands reißt der Geduldsfaden - ein Staatsbankrott wird immer wahrscheinlicher. Im Sanierungsprogramm der Griechen klafft laut Medienberichten erneut ein Loch in zweistelliger Milliardenhöhe, das Athen nur durch noch mehr Sparen stoppen könne. Allerdings hatten die seit Juni regierenden Parteien zusätzliche Belastungen für die Bevölkerung ausgeschlossen. Die aktuelle Situation der Griechen lässt kaum mehr Hoffnung auf eine Sanierung zu. Hier die wichtigsten Fakten zur Causa Hellas:

Geldgeber verlieren Geduld

Die Geldgeber, allen voran Deutschland, sollen nicht mehr bereit sein, der Regierung in Athen über die bisherigen Zusagen hinaus zu unterstützen. Die "SZ" zitierte aus Berliner Regierungskreisen, es sei "undenkbar, dass Kanzlerin Angela Merkel noch einmal vor den Bundestag tritt und um Zustimmung für ein drittes Griechenland-Paket bittet".

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) signalisiere nach Informationen des "Spiegel", sich an keinen weiteren Hilfen für Griechenland beteiligen zu wollen. Grund für den Rückstand Athens sei, dass während des Dauer-Wahlkampfs im Frühjahr fast alle Reformvorhaben liegen geblieben seien. Außerdem entstehe durch die von der Regierung geforderte längere Frist, die Reformen umzusetzen, ein erhöhter Finanzbedarf. Weder die deutsche Regierung noch die EU-Kommission wollen davon aber gehört haben. Der IWF dementierte diese Meldung und betonte die Unterstützung Griechenlands. "Der IWF unterstützt Griechenland dabei, seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden", sagte ein IWF-Sprecher am Montag als Reaktion auf Medienberichte.

Wirtschaftswachstum stagniert noch immer

Die Rezession in Griechenland verschlimmert sich zusehends. Bereits fünf Jahre in Folge hat das Land kein Wirtschaftswachstum mehr erzielt. Bis Ende 2014 soll das Staatsdefizit unter die EU-Obergrenze von drei Prozent des BIP gesenkt werden. Der Haushalt müsste dafür um 12 Milliarden Euro entlastet werden. Einsparungen kann sich Griechenland derzeit aber gar nicht leisten, denn diese wirken sich negativ auf die Wirtschaft aus - ein Teufelskreis.

Kein Geld mehr von der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) will ab kommenden Mittwoch vorerst keine Staatsanleihen Griechenlands mehr als Sicherheiten bei ihren Refinanzierungsgeschäften akzeptieren. Das heißt, dass Hellas sich bei der EZB vorläufig kein Geld mehr ausleihen kann. Das teilte die Notenbank am Freitag in Frankfurt mit. Über die Wiederzulassung der Papiere werde erst nach dem nächsten Bericht der Troika über das den Stand der Reformen in dem Euro-Land entschieden. Bis dahin könne die griechische Notenbank den Refinanzierungsbedarf der Institute des Landes über die bestehende Notfallkreditlinie bestreiten, hieß es weiter.

Kurse sacken ab

Die Berichte über den drohenden Staatsbankrott Griechenlands verunsichern natürlich auch die Anleger: Die Kurse an der Börse in Athen rutschten am Montag gegen Mittag um mehr als sechs Prozent ab.

Spindelegger: "Heißer Herbst"

Außenminister Michael Spindelegger (V) erwartet angesichts der anhaltenden Probleme in der Eurozone einen "heißen Herbst". Es würden "manche Länder noch mehr brauchen als derzeit bekannt ist", sagte Spindelegger am Rande des EU-Außenministertreffens am Montag in Brüssel. Aber "irgendwann einmal wird man ans Ende der Fahnenstange kommen. Man wird nicht mehr geben können". Gleichzeitig betonte Spindelegger, er habe "von keinem Kollegen gehört, wir sollten über einen Nordeuro oder eine Kleinzone der EU mit einer gemeinsamen Währung nachdenken". Derartige Spekulationen würden woanders stattfinden, aber nicht bei den Repräsentanten.


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