Rettungsschirm beflügelt Börse
An den Finanzmärkten herrscht deutliche Erleichterung über die vereinbarten europäischen Finanzhilfen für die spanischen Banken. In Asien legten am Montag die Aktienmärkte und der Euro kräftig zu.

Foto © ReutersErleichterung am Finanzmarkt: Nikkei zwei Prozent im Plus, Ölpreise legen zu, Anleger erleichtert
"Vergangene Woche wartete jeder darauf, dass die politisch Verantwortlichen handeln", sagte Marktanalyst Masayuki Doshida von Rakuten Securities. "Daher sind die Investoren jetzt wieder etwas beruhigt, nachdem die Rettungsaktion für Spanien beschlossen ist."
Spanien will nach langem Widerstand nun doch Gelder aus den Euro-Rettungsfonds zur Rekapitalisierung seiner maroden Geldhäuser beantragen. Die Euro-Finanzminister erklärten sich bereit, dem Land bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Ich bin zuversichtlich, dass dies ein starkes Signal an die Märkte senden wird, dass die Euro-Zone bereit ist, Spanien in seinen Anstrengungen zu unterstützen, seinen Bankensektor zu restrukturieren und rekapitalisieren."
Investoren rechneten mit kleinerem Paket
Der Umfang des Rettungspakets ist größer als von vielen Investoren erwartet. Die Märkte wurden in den vergangenen Wochen von der Angst beherrscht, die Krise in der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone könne sich noch stärker ausweiten und der Weltkonjunktur zusätzlich schaden.
Nach den Worten von Börsenexperte Doshida richtet sich nun der Blick der Anleger wieder verstärkt auf die nächsten Weichenstellungen in der europäischen Schuldenkrise. Sein Kollege Takao Hattori von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities warnte: "Die Unsicherheiten bleiben. Offen ist, auf welchem Weg die Gelder an die spanischen Banken gezahlt werden, wie das Ergebnis der Wahlen in Griechenland ist und wie sich die Situation in Peripherieländern wie Italien entwickelt", sagte Hattori. Am Sonntag wählen die Griechen ein neues Parlament. Das Votum gilt für viele als Entscheidung über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone. Kurz darauf folgt das Gipfeltreffen der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G-20), von dem sich Investoren Antworten auf die Probleme der Weltwirtschaft erhoffen.
In Tokio zog der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um zwei Prozent an auf 8629 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index legte 1,8 Prozent zu auf 731 Zähler. Auftrieb hatten vor allem Exportwerte, beflügelt von den Kursverlusten des Yen zum Euro. Die Aktie des Elektronikkonzerns TDK gewann fünf Prozent, die des Autobauers Mazda vier Prozent. Sharp schossen 7,7 Prozent hoch, nachdem das Unternehmen am Freitag neue Pläne zur Geschäftsstrategie vorgestellt hatte, die unter anderem eine Reduzierung der Schulden vorsehen. Auch an anderen Börsen in Fernost ging es bergauf. Der MSCI-Index für Aktien der Asien-Pazifik-Region mit Ausnahme Japans lag 1,6 Prozent im Plus.
An den Devisenmärkten in Fernost zog der Euro um fast ein Prozent an auf 1,2635 Dollar. An den Rohstoffmärkten stieg der Terminkontrakt auf Rohöl der Marke Brent um 1,99 auf 101,46 Dollar je Barrel und der auf US-Leichtöl um 1,86 auf 85,96 Dollar.
An den Rentenmärkten gaben am Montag die Futures auf die 30-jährigen und die zehnjährigen US-Staatsanleihen deutlich nach.
China begrüßt Milliardenhilfe
China begrüßte unterdessen die geplante europäische Milliardenhilfe für Spanien. Trotz erkennbarer Sorgen über die anhaltende Schuldenkrise in Europa gab sich Vizefinanzminister Zhu Guangyao am Montag vor der Presse in Peking demonstrativ zuversichtlich, dass die Europäer ihre Probleme in den Griff bekommen werden: "Wir glauben fest daran, dass Europa die Weisheit und die Fähigkeit besitzt, mit den Problemen umzugehen." China hoffe auf einen guten Ausgang, sei aber auch auf eine Verschlechterung der Situation vorbereitet.
Die Krise in Europa entwickele sich weiter. Die 20 großen Industrie- und Schwellenländer müssten auf ihrem Gipfel im mexikanischen Los Cabos am nächsten Montag und Dienstag energische Schritte vereinbaren. "Die G-20 sollten so schnell wie möglich einen politischen Konsens erreichen, um eine weitere Ausbreitung der Krise zu verhindern und die Ursachen an der Wurzel packen." Zu dem Gipfel in Mexiko reist Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao an.
Das G-20-Treffen sollte "ein Signal der Zuversicht" geben, sagte auch Chinas Vizeaußenminister Cui Tiankai. Die Mitglieder müssten ihre Zusammenarbeit ausbauen und die drängenden Probleme der Weltwirtschaft anpacken. Neben der Schuldenkrise sei auch die Sprunghaftigkeit der Finanz- und Rohstoffmärkte ein Thema. Die G-20 sollten sich gegen Protektionismus und für fairen und freien Handel einsetzen. Die Kooperation mit den Entwicklungsländern müsse verbessert werden, forderte der Vizeaußenminister.













