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Zuletzt aktualisiert: 08.06.2012 um 21:05 UhrKommentare

Banges Warten auf Spaniens Hilferuf

Die Spekulationen verdichten sich. Spanien könnte schon am Samstag Hilfe für seine maroden Banken beim europäischen Rettungsfonds beantragen.

Foto © APA

Auch der Stolz hat seine Grenzen. Im Fall von Spanien ist es ein Finanzierungsloch von bis zu 100 Milliarden Euro, das das krisengebeutelte Land noch an diesem Wochenende Zuflucht unter dem Euro-Rettungsschirm suchen lassen könnte. Das ist die Summe, die die Regierung in Madrid nach Schätzungen der US-amerikanischen Ratingagentur Fitch aufbringen müsste, um die angeschlagenen spanischen Banken zu retten.

Geld, das der Staat offenbar nicht hat und sich auf den internationalen Kapitalmärkten immer schwieriger besorgen kann. So erklärte Finanzminister Christóbal Montoro dieser Tage, dass das Land keine Kredite zu erschwinglichen Konditionen mehr erhalte. In der Tat steigen seit Wochen die Zinsen für spanische Anleihen. Zuletzt hatte die Rating-Agentur Fitch die Bonität des überschuldeten Landes um gleich drei Noten auf knapp über Ramsch-Niveau gesenkt.

Zwar hatte der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy in den vergangenen Wochen wiederholt beteuert, dass das Land seine Probleme aus eigener Kraft lösen wolle. Aber der Druck der Märkte dürfte die Regierung in Madrid nun doch zur Flucht nach vorne bewogen haben. Glaubt man der Nachrichten-Agentur Reuters dann soll Madrid schon heute den Antrag auf Finanzhilfen aus dem Rettungsfonds EFSF für seine durch geplatzte Immobilienkredite in bedrohliche Schieflage geratenen Bankinstitute stellen.

"Ernst der Lage erkannt"

Im Laufe des Tages soll zudem ein Bericht des Internationalen Währungsfonds darüber Aufschluss geben, wie viel Geld die spanischen Geldinstitute tatsächlich benötigen. Die Madrider Regierung hatte erklärt, ihr weiteres Vorgehen von diesen Zahlen abhängig zu machen.

Wie bis jetzt durchsickerte, braucht allein die Großbank Bankia vom Staat insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro für ihre Sanierung. "Die spanische Regierung hat den Ernst der Lage erkannt", sagte ein hochrangiger EU-Vertreter. Er betonte, bis zur Wahl in Griechenland am 17. Juni müsse eine Lösung für Spanien gefunden werden. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone könnte für große Unruhe im Markt sorgen. In Brüssel ist man ganz auf ein Hilfsansuchen aus Madrid eingestellt. "Falls ein Antrag kommt, stehen die passenden Instrumente bereit", so der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Spanien wäre nach Griechenland, Irland und Portugal das vierte Euro-Land, das unter den Rettungsschirm schlüpfen würde. Anders als die Regierungen in Athen, Dublin und Lissabon müsste Madrid sich aber keinem so harten Spardiktat beugen. Und auch seine Souveränität würde nicht so stark angetastet, hieß es. Stattdessen könnte Geld aus dem Euro-Schutzschirm direkt an den spanischen Bankenrettungsfonds fließen. Im Gegenzug müsste Madrid den Finanzsektor reformieren.

Eine andere, angeblich von Madrid favorisierte Option wäre die Umwidmung von Geldern aus EU-Strukturtöpfen, die eigentlich für die Förderung wachstumsschwacher Regionen gedacht sind.

STEFAN WINKLER, BRÜSSEL; MANFRED NEUPER

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