"Die Griechen müssen die Ärmel aufkrempeln"
Ist Griechenland noch zu retten? Athen brennt, die Politik sieht zu. Der Euro würde Athens Austritt aus der Euro-Zone jedenfalls überleben, sagt Othmar Karas (ÖVP). Europa will helfen, doch den Griechen fehlt die Einsicht.

Foto © APOthmar Karas (ÖVP)
Ist Griechenland noch retten?
OTHMAR KARAS: Ja, Griechenland ist Mitglied der EU und der Euro-Zone. Gelingt es uns als Gemeinschaft nicht, die Probleme des Landes zu lösen, haben wir unsere Aufgabe verfehlt.
Die Gemeinschaft will ja gerne helfen, aber wollen die Politiker in Athen sich auch helfen lassen?
KARAS: Ohne den Willen, die Reformbereitschaft und die Einsicht der Griechen, dass sie die Ärmel aufkrempeln müssen, wird es nicht gehen. Sonst bröckelt die Solidargemeinschaft. Andererseits hat jedes österreichische Bundesland gegenüber einer in Schieflage geratenen Gemeinde mehr Möglichkeiten, einzugreifen, als die EU gegenüber Griechenland.
Was schlagen Sie vor?
KARAS: Die EU-Kommission sollte nicht nur überprüfen dürfen, ob ein Land sich an die Euroregeln einhält. Sie sollte sie auch einklagen dürfen.
Warum schafft Athen es nicht, seine Zusagen einzuhalten?
KARAS: Die Probleme des Landes sind 30, 40 Jahre alt. Griechenland hat seit Jahren keine positive Außenhandelsbilanz, aber eines der höchsten Verteidigungsbudgets in der EU. Die Verwaltung ist aufgebläht, das Justizwesen funktioniert nicht, detto der Fiskus, es gibt Milliarden an Steuerschulden, Steuerflucht ins Ausland ist gang und gäbe. Und natürlich gehören das politische System und die politische Kultur verändert.
Kurzum, es handelt sich um ein Entwicklungsland?
KARAS: Es gibt viele Baustellen. Doch es wäre gelacht, wenn wir als Gemeinschaft ein Land, dessen Defizit zwei Prozent des Wohlstands der Eurozone ausmacht, nicht halten könnten. Die USA haben ein Vielfaches unserer Schulden aufgetürmt. Nur dort spricht niemand davon, dass das hoch verschuldete Kalifornien den Dollar aufgeben soll.
Würde der Euro einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion überleben?
KARAS: Selbstverständlich. Nur: cui bono? Ein Austritt hilft weder den Griechen noch der EU. Sondern er schwächt die Glaubwürdigkeit Europas. Dasselbe gilt für einen Staatsbankrott: Das Land fallen zu lassen käme der EU viel teurer, als es zu sanieren.
INTERVIEW: STEFAN WINKLER














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