Der nächste AAAlarm
Regierung beschwichtigt, Ökonomen und Anlageexperten mahnen: Auch Moody's könnte Österreichs Spitzenbonität bald herabstufen. Wieder werden die Banken als Hauptrisiko gesehen - die Folgen für Österreich wären aber groß.

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Wieder schlägt eine der großen US-Ratingagenturen in Europa kräftig um sich. Wieder ist die Aufregung groß. Wieder quittiert die Politik die Herabstufungen mit "Unverständnis". Im Jänner hatte Standard&Poor's Österreich die Bestnote AAA entzogen. Gestern Nacht war Moody's an der Reihe. Österreich bleibt das AAA-Rating zwar erhalten, der Ausblick wurde indes auf negativ gesenkt. Das heißt: Binnen drei Monaten könnte Österreich tatsächlich abgestuft werden. Neben Österreich wurde auch der Ausblick für Frankreich und Großbritannien gesenkt. Zudem senkte Moody's die Bewertungen für die Kreditwürdigkeit Italiens und Portugals erneut um jeweils eine Stufe sowie jene von Spanien um zwei Stufen.
In Österreich sorgte diese Entscheidung für Verwunderung, hatte doch exakt die gleiche Agentur erst am 23. Dezember Österreich nebst der Spitzenbonität auch einen stabilen Ausblick bescheinigt. "Was hat sich denn seither bitte geändert?" - diese Frage war häufig zu vernehmen. Tatsächlich finden sich in der Begründung von Moody's bekannte Argumentationslinien rund um das massive Osteuropa-Engagement heimischer Banken, die hohe Staatsverschuldung sowie die allgemeinen Gefahren, die von der Euro-Krise ausgehen.
"Nach unten gebombt"
Von politischer Seite wird nun gebetsmühlenartig darauf verwiesen, dass das vor fünf Tagen geschnürte Sparpaket noch nicht zur Gänze von Moody's bewertet wurde. Die Rating-Agentur geht in ihrer Stellungnahme jedoch zumindest darauf ein. Die beschleunigte Budgetkonsolidierung wird zwar begrüßt. Moody's merkt allerdings an, dass die Staatsverschuldungsrate 2016 noch über 70 Prozent liegen werde, auch wenn alle vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden können. Wirtschaftsforscher Bernhard Felderer sprach sich neuerlich für die Einführung einer Schuldenbremse im Verfassungsrang aus. Bisher sind diesbezügliche Gespräche zwischen Regierung und Opposition jeweils gescheitert. "Wenn wir die Schuldenbremse zu diesem Paket hinzufügen könnten, dann glaube ich nicht, dass wir weitere Downgradings befürchten müssen." Sonst sei die Gefahr vorhanden, "dass wir noch mal nach unten gebombt werden".
Was hätte eine Abstufung durch Moody's für Folgen? Aus Anlegersicht wäre Österreich dann endgültig kein AAA-Land mehr. "Investoren ziehen hier in der Regel den Rating-Durchschnitt eines Landes anhand der drei großen US-Agenturen S&P, Moody's und Fitch heran", erklärt Josef Obergantschnig, Fondsmanager bei der Security KAG. Doch auch das verursache in der Regel noch keine großen Probleme, österreichische Staatsanleihen würden nicht gemieden werden. Mittelfristig könnte sich jedoch die Refinanzierung für Österreich verteuern. "2014 werden für Österreich große Refinanzierungen fällig, dann könnte sich ein niedrigeres Rating sehr wohl durch höhere Kosten bemerkbar machen", so Obergantschnig.
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Wo ist Österreich angreifbar?
In vielen Bereichen liest sich die Bewertung von Moody's wie eine Blaupause, die Argumentation ist mit jener von Standard&Poor's (S&P) fast deckungsgleich.
Als Hauptproblem wird abermals das Ost-Engagement von Österreichs Banken gewertet. So sei die Kapitalausstattung der österreichischen Banken geringer als in anderen AAA-gerateten Ländern, und ihr Geschäftsmodell - durch das Engagement in Osteuropa - vergleichsweise höheren Risiken ausgesetzt. Wirtschaftsforscher Felderer verweist darauf, dass die Absicherung der in Osteuropa vergebenen Kredite durch Einlagen sehr gut sei, doch "das verstehen die halt nicht."
Verwiesen wird zudem auf die allgemeinen Risiken der Euro-Krise. Der Eurorettungsschirm - der von S&P bereits abgestuft wurde - behält bei Moody's die Top-Bewertung AAA.













