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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2010 um 22:37 UhrKommentare

Donnerstag ist Zahltag bei der EZB

Mehr als tausend Banken müssen am Donnerstag 442 Milliarden an die Europäische Zentralbank zurückgeben. Die Nachfrage nach "frischem" Geld der EZB ist trotzdem überraschend gering.

Banken müssen Milliardenbeträge zurückgeben

Foto © APABanken müssen Milliardenbeträge zurückgeben

Das unter immer neuen Krisen ächzende Finanzsystem der Euro-Zone hat eine wichtige Bewährungsprobe überraschend klar bestanden. 171 Banken aus den Euro-Ländern sicherten sich gestern bei einem drei Monate laufenden Refinanzierungsgeschäft mit der Europäischen Zentralbank (EZB) die unerwartet niedrige Summe von 132 Milliarden Euro. Die Banken bekommen das Geld zum Leitzins von einem Prozent. Experten hatten mit einer deutlich höheren Nachfrage gerechnet, weil heute der erste von drei vergangenes Jahr aufgelegten Tendern fällig wird und die Geldhäuser der Notenbank 442 Milliarden zurückzahlen müssen.

Dieser Aderlass von beinahe der Hälfte der aktuell von der EZB an das Bankensystem ausgeliehenen Liquidität hatte am Finanzmarkt schon seit Wochen für heftiges Nervenflattern gesorgt. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses des Dreimonatstenders zogen Dax und Euro an.

Erste Hürde

Ökonomen zeigten sich zufrieden, dass das Finanzsystem trotz der Schuldenkrise in Südeuropa eine erste Hürde genommen hat. Weitere Prüfungen stehen aber noch aus. So hat die EZB als Sicherheitsleine einen sechs Tage laufenden Extratender aufgelegt. Dessen Ergebnisse werden heute veröffentlicht. Gille Moec, Volkswirt der Deutschen Bank, warnte gestern denn auch vor übereilter Euphorie: "Wir müssen noch bis Donnerstag warten, bis wir das Gesamtbild haben."

Alles in allem werten die Experten die überraschend moderate Nachfrage nach EZB-Geld angesichts der großen Spannungen an den Geldmärkten in jüngster Zeit als Erfolg. Rentenmarktstratege Kornelius Purps von der italienischen UniCredit sprach von einem "positiven Signal für das Bankensystem".

171 "Problembanken"

Ein anderer Händler gab jedoch zu bedenken, der Tender habe auch gezeigt, wie viele Banken nach wie vor nicht ausreichend Zugang zur Refinanzierung über den Markt hätten: "Wir wissen nun, dass es 171 Banken gibt, die Probleme haben und Geld von der EZB brauchen."

Dass die Not in einigen Teilen Europas mit Händen zu greifen ist, zeigten Zahlen der griechischen Notenbank. Demnach standen die Kreditinstitute des Landes Ende Mai mit 90 Milliarden Euro bei der EZB in der Kreide. Zu Jahresanfang waren es noch 50 Milliarden Euro. Wegen des enormen Misstrauens der Banken untereinander kommen Banken aus Griechenland, aber auch aus Portugal, Irland und Spanien am Interbankenmarkt kaum an Geld und sind bei ihrer Refinanzierung von der EZB abhängig. Deutschen Banken geht es deutlich besser, heimische Banken wie die Steiermärkische brauchen praktisch überhaupt kein "Fremdgeld" und refinanzieren sich zu mehr als 80 Prozent selbst.


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