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Zuletzt aktualisiert: 18.04.2010 um 14:00 UhrKommentare

Bittere Tränen auf Island, aber nicht wegen des Vulkans

Angesichts der nach wie vor angespannten Finanzlage vergießt die isländische Ex-Außenministerin Tränen vor der Kamera. Trotz des Vulkanausbruchs bleibt die Finanzkrise immer noch Hauptthema.

Foto © AP

Am Eyjafjalla-Gletscher macht Vulkanasche den Tag zur Nacht und das Leben für die einigen Hundert Isländer dort immer schwerer. Ohne Gesichtsmaske geht niemand mehr ins Freie, manche müssen auch schon in ihren Häusern Masken tragen. "Wenn es nicht bald besser wird, bekommen wir eine Missernte", berichtete am Sonntag Olafur Stefansson telefonisch von einem Bauernhof.

Die Isländer selbst betrachten das allerdings weiter als örtlich begrenztes Problem. Aus der 125 Kilometer entfernten Hauptstadt Reykjavik präsentierte der TV-Sender RUV seinen Zuschauern am Wochenende eine bitterlich weinende Spitzenpolitikerin als Hauptnachricht. Nicht wegen des Vulkanausbruchs mit bösen Folgen für den europäischen Flugverkehr vergoss Ex-Außenministerin Ingibjörg Solrun Gisladottir viele, viele Tränen vor der Kamera - sondern weil sie sich für ihre Mitverantwortung an der für Island so katastrophalen Finanzkrise entschuldigen wollte.

Die Reihenfolge in den Abendnachrichten - erst die Finanzkrise, dann die Vulkankrise - trifft die Stimmung: Noch gilt der Ausbruch im südlichen Landesteil als begrenztes Problem mit geringen Folgen für das Land. Wohingegen der Bankenkollaps vor eineinhalb Jahren den Alltag so gut wie aller 320.000 Bürger auf der wilden Atlantikinsel ziemlich aus den Fugen gebracht hat.

Die 800 am Eyjafjalla-Gletscher lebenden Menschen sind bis auf wenige Ausnahmen in ihren Häusern geblieben. Auch wenn dort immer mehr der Vulkanasche eindringt, die draußen grüne Wiesen grau färbt. Die mehrfach befürchteten Überschwemmungen mit geschmolzenem Gletschereis haben sich bisher in Grenzen gehalten.

Sorgen bereitet den Behörden die Gefahr, dass giftige Vulkanasche in das Trinkwasserreservoir für die Westmänner-Inseln einsickert. Wenn dieser Name fällt, weiß jeder auf Island, wie zerstörerisch Vulkanausbrüche werden können: 1973 mussten rund 5.000 Bewohner Hals über Kopf vor einem überraschenden Vulkanausbruch flüchten. Die glühende Lava ergoss sich über den Hauptort Heimaey und zerstörte ihn teilweise.

Solche Schreckensszenarien befürchten die Isländer beim derzeitigen Ausbruch vorerst nicht. Im Hinterkopf haben allerdings alle die Möglichkeit, dass der große Vulkan Katla im Gefolge des derzeitigen Ausbruchs am Eyjafjalla zum ersten Mal seit 1918 wieder aktiv werden könnte. Passiert ist das schon mehrfach.

"Das Leben bei uns verläuft total normal", sagt Erna Hauksdottir vom Fremdenverkehrs-Verband. Beim ersten Ausbruch am Eyjafjalla-Gletscher im März lockten Veranstalter Besucher noch mit dem spektakulären Vulkan-Erlebnis. Der zweite jetzt sei natürlich wegen der gigantischen Aschemenge in der Luft nicht mehr das, was man in der Branche "Tourismus-Ausbruch" nenne. Wann und wie die Eruption endet, weiß Hauksdottir genauso wenig wie die rund um die Uhr in Reykjavik arbeitenden Vulkanologen, Seismologen und Meteorologen.


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