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Zuletzt aktualisiert: 26.02.2010 um 14:33 UhrKommentare

Raiffeisen: Haben kein Geld-Problem

"Das ist keine Not-Fusion", wehren RZB und Raiffeisen International Kritik am geplanten Großumbau ab. Die Fusion würde dem gesamten Konzern die Tür an die Börse öffnen, betont man.

RZB-Chef Walter Rothensteiner und RI-Vorstandschef Herbert Stepic

Foto © APARZB-Chef Walter Rothensteiner und RI-Vorstandschef Herbert Stepic

An der Börse waren die ersten Nachrichten über die Fusionspläne aus dem Raiffeisen-Reich gar nicht gut angekommen. Die Investoren flüchteten regelrecht aus der Raiffeisen International Aktie, deren Kurs mit rund 20 Prozent Minus in drei Tagen massiv an Wert einbüßte. Die dagegen heiß laufende Gerüchteküche über die Hintergründe der geplanten Fusion ließen RZB-Chef Walter Rothensteiner und Raiffeisen-International-Boss Herbert Stepic schließlich die Flucht nach vorn antreten: In einer quasi über Nacht einberufenen Pressekonferenz suchten sie zu zerstreuen, dass es sich bei den Plänen um eine Notoperation handle, zu der es keine Alternative gebe. Die ausschließlich in Osteuropa tätige RZB-Tochter Raiffeisen International (RI) machte zwar vorläufigen Zahlen zufolge auch im Krisenjahr 2009 noch 212 Millionen Gewinn, musste aber ihre Kreditvorsorgen auf 1,74 Milliarden Euro mehr als verdoppeln, was voll auf die RZB durchschlägt, die die Kreditvorsorgen auf 2,25 Milliarden um 95 Prozent erhöhte.

"Akuten Kapitalbedarf" bestritten Rothensteiner und Stepic. "Wir wollen lieber jetzt aus einer Position der relativen Stärke eine Lösung herbeiführen, statt irgendwann einen faulen Kompromiss eingehen zu müssen", so Rothensteiner. Was unter einer Lösung zu verstehen sein könnte? Die Fusion würde dem gesamten Konzern die Tür an die Börse öffnen, wo sich der Bankenriese so wie andere Marktteilnehmer vergleichsweise günstig mit frischem Kapital ausstatten könnte. Das geplante Basel III-Abkommen, das im Detail noch offen ist, dürfte jedenfalls zu noch schärferen Eigenkapitalvorschriften der Banken führen.

Beschlüsse im Sommer

Was wäre dagegen ein fauler Kompromiss? Eine konkrete Antwort darauf gab es nicht. Rothensteiner erklärte später im Verlauf der Pressekonferenz, dass er nicht erleben wolle, einmal die Mehrheit an der Raiffeisen International abgeben zu müssen. Man werde den Raiffeisen-Aktionären erklären, dass die Fusion langfristig das beste sei. Auf Nachfragen, ob es ohne Fusion zu einem Verkauf der RI kommen müsse, versicherte Rothensteiner: "Keine Rede davon, dass es uns nicht mehr gibt oder wir verkaufen müssen, wenn es nicht zur Fusion kommt. Wir hätten nicht wirklich ein Problem, wenn wir eigenständig blieben."

Einen Zeitplan gibt es aber: In den Sommerferien sollen die Hauptversammlungen abstimmen. Bis Ende September soll die Fusion über die Bühne sein und rückwirkend per 1. Jänner gelten. Alles vorbehaltlich der Machbarkeitsstudien, die bis Ende März von externen Beratern gemacht werden. Der Finanzmarktaufsicht wurden die Pläne am Donnerstag unterbreitet.

Rothensteiner berichtete später bei einem Gespräch im kleinen Kreis, dass die Fortführung beider Unternehmen wie bisher in einigen Jahren zu teuren Parallel-Strukturen führen würde. Bereits jetzt gestalte sich die Abwicklung vieler Geschäfte in Osteuropa durch die spezifischen Zuständigkeiten von RI und RZB komplizierter als erwünscht. So hat die Raiffeisen International bisher keine eigene Banklizenz.

Stepic sieht durch die Fusion Wachstumspotenziale. "Ich glaube, dass uns das ein sehr massives Auftreten am Markt ermöglichen wird." Er sei unerschütterlich der Meinung, dass Zentral- und Osteuropa auch in Zukunft eine sehr interessante Wachstumsregion bleibe. Einsparungen zu erzielen oder noch deutlich mehr Mitarbeiter abzubauen, sei jedenfalls nicht das Motiv.

CLAUDIA HAASE

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