Privatpension: Notbremse bei Zukunftsvorsorge
"Private Altersvorsorge, staatlich gefördert" so wurden Garantiefonds vor Jahren angepriesen. Angesichts der Krise ist von der staatlichen Förderung nichts mehr über und an Zinsen ist erst gar nicht zu denken.

Foto © APAuch wenn das Foto aus Deutschland stammt, zeigt es ein Problem: Junge Menschen verlieren wegen der Krise einen Teil ihrer Pensionsvorsorge
Dass Börsekursverluste Anbieter bei etlichen Zukunftsvorsorge-Produkten zur "Notbremsung" veranlassten, haben viele Anleger offenbar erst jetzt mitbekommen. Vorige Woche hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) wegen verärgerter Kundenanfragen von den Finanzinstituten verstärkte Information über Vertragsdetails eingemahnt. Etliche Institute, vor allem auch Versicherungen, beeilen sich mittlerweile, ihre eigenen Kunden unter Hinweis auf andere Fondsmodelle zu beruhigen. Bei Erste-Sparinvest oder Raiffeisen sind hingegen einzelne KAG-verwaltete Fonds betroffen.
22 der insgesamt 120 Garantiefonds von Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) sind so genannte prämienbegünstigte Zukunftsvorsorgeprodukte (Volumen: 456 Mio. Euro) - 14 davon sind laut FMA "ausgestoppt" (Volumen: 186 Mio. Euro). Bei denen wurde wegen Börsekursverlusten ab einer bestimmten Untergrenze die Aktienquote auf Null gestellt, es wird nur noch in risikolose Papiere veranlagt. Somit gilt nur mehr die reine Kapitalgarantie für alles Geld, was bisher einbezahlt wurde. Verluste sind "eingesperrt", so die FMA, aber auch was es bis dahin an Renditen gab, sei weg. Die Kunden bekommen für die eingezahlten Prämien und die erhaltenen Förderungen nicht mehr als die Kapitalgarantie heraus.
Große Banken betroffen
Von der Risikobremsung betroffen ist laut der Tageszeitung "Die Presse" etwa der Fonds "Vorsorge Classic 03" der Erste Sparinvest. Er wurde wie viele andere nach den Kursstürzen ausgestoppt. "Das wird für die nächsten Jahre wahrscheinlich so bleiben. Unsere Ertragserwartung liegt nur bei zwei Prozent pro Jahr, was man mit risikolosen Wertpapieren vergleichen kann", wird Sparinvest-Sprecher Dieter Kerschbaum zitiert.
Beim "Raiffeisen Pensionsfonds Österreich 03" bietet sich der Zeitung zufolge das gleiche Bild: Der Fondskurs entwickelte sich in den vergangenen Monaten seitwärts. Die bisherigen Einzahlungen wurden ausgestoppt, für sie gibt es die Kapitalgarantie. "Die künftigen Einzahlungen bis Anfang 2014 werden aber wieder eine Aktienquote haben", so RCM-Geschäftsführer Gerhard Aigner.
Für den Anlegerschützer Wilhelm Rasinger vom Interessensverband für Anleger (IVA) ist die Enttäuschung vieler Anleger von Zukunftsvorsorge-Garantiefonds von KAGs ein besonderes Ärgernis: Dieses Produkt sei fast ausschließlich über die staatliche Förderung verkauft worden, sagte Rasinger. "Auch die es verkauft haben, haben das oft nicht wirklich im Detail verstanden". In dieses Produkt sei einfach zu viel hineingepackt worden: Förderung des Kapitalmarkts, Vorsorge für die Alterspension, Kapitalgarantie und Staatsprämie.
Ein Hit dank staatlicher Förderung
Mit der staatlichen Förderung sei das Produkt "ein Hit" geworden, mit dem alle, namentlich die Verkäufer, in den ersten paar Jahren sehr gut verdient hätten, sagte der Anlegerschützer. Jetzt nehme er aber auch die Anleger in die Pflicht: Die Zukunftsvorsorge sei zwar in einigen Modellen eine relativ komplizierte Sache gewesen, der Konsument habe sich über technische Details aber auch "nicht intensiv interessiert", meint Rasinger.
Von Garantiefonds "ausgestoppte" Kunden kämen, selbst wenn am Ende der Laufzeit der (inflationsgeminderte) Kapitaleinsatz übrig bliebe, laut Rasinger aber sicher mit einem blauen Auge davon. Garantien gebe es nirgends kostenlos. Während Garantien für kürzere Geschäfte bzw. Laufzeiten (z.B. Stornos etc) leichter darzustellen seien, wären sie in einem volatilen Kapitalmarktumfeld und bei Laufzeiten zwischen 20 und 30 Jahren schon komplexe Risikomodelle einzuziehen.
Krisen-Airbag
Wegen der Börsekursstürze sind einige frühe KAG-verwaltete Zukunftsvorsorge-Garantiefonds "ausgestoppt" worden, für die Anleger bleibt somit für das bis dahin einbezahlte Kapital nur die Kapitalgarantie samt staatlicher Prämie. "Die Garantie hat gegriffen", macht Mathias Bauer, Geschäftsführer von Raiffeisen Capital Management (RCM) deutlich, auch namens der heimischen Fondsbranche. "Ohne diesen Airbag wären die Kunden nach dem Finanz-Tsunami 2008 heute bei 50 Prozent."
Dass die Börsen so abstürzen würden, habe 2003, als die Zukunftsvorsorge startete, niemand vorhersagen können. Ein einmaliges Ereignis in 30 bis 40 Jahren. Den Vorwurf, die Kunden nicht genug informiert zu haben bei Vertragsabschluss, wollen die Anbieter nicht auf sich sitzen lassen. Bis vor 2008 sei die Möglichkeit wegen kurzfristiger Kursverluste in der Aktienquote ausgestoppt zu werden in etwa vergleichbar mit der Wahrscheinlichkeit, auf dem Weg von Wien nach Salzburg mit dem Auto automatisch zu verunfallen, erinnert sich Bauer.













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