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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2009 um 16:56 UhrKommentare

Jeder fünfte Arbeitslose nimmt Medikamente

17 Prozent der Bevölkerung erleben die finanziellen und beruflichen Folgen der Krise unmittelbar. Immer mehr von ihnen greifen in dieser Lage zu Tabletten.

20 Prozent der Arbeitslosen greifen zu Medikamenten, um die Krise auszuhalten

Foto © Reuters20 Prozent der Arbeitslosen greifen zu Medikamenten, um die Krise auszuhalten

20 Prozent der Arbeitslosen bzw. Kurzarbeiter versorgen sich anlässlich der Wirtschaftskrise mit Medikamenten aus der Apotheke, 17 Prozent lassen sich von Ärzten welche verschreiben und 15 Prozent greifen zu homöophatischen Mitteln (Mehrfachnennungen waren hier möglich, Anm.). Das ergab eine Umfrage der Karmasin Motivforschung unter rund 500 Personen im Auftrag des Berufsverbands Österreichischer Psychologen (BÖP), die am Montag präsentiert wurde.

Hohe seelische Belastung

Arbeitslose bzw. Kurzarbeiter sind nach Angaben der Experten einer erhöhten psychischen Belastung ausgesetzt. Laut Studie weisen sie eine schlechtere Lebensqualität auf: Die Betroffenen leiden u. a. häufiger als andere unter körperlichen Beschwerden und verfügen über weniger Energie, um den Alltag zu meistern. Auch können sie das Leben nicht so genießen wie andere. Trotzdem nahmen nur neun Prozent der befragten Arbeitslosen bzw. Kurzarbeitern psychologische Beratung und vier Prozent Psychotherapie in Anspruch. Dabei halten 25 Prozent der Betroffenen psychologische Hilfe generell als hilfreich ebenso wie 18 Prozent der Befragten die Psychotherapie.

17 Prozent sind angesichts ihrer Situation ängstlich, 24 Prozent der Österreicher sind von der Krise "leicht betroffen", 41 Prozent gar nicht. 18 Prozent fühlen sich "machtlos". Die "Ängstlichen" (17 Prozent) haben häufiger als andere Gruppen mit Schlafstörungen, Gereiztheit und Ruhelosigkeit zu kämpfen, erläuterte Meinungsforscherin Sophie Karmasin. Die "leicht Betroffenen" (24 Prozent) sorgen sich vor allem um Familie und Lebensstandard. Bei den "Machtlosen" (18 Prozent) handelt es sich tendenziell mehr um Personen mit geringerer Schulbildung und Menschen über 50 Jahren. Die "Nicht-Betroffenen" (41 Prozent) spüren u. a. keine Veränderung des Arbeitsklimas wegen der Krise.

Selbstvertrauen angeschlagen

Weiters wurden rund hundert Personen befragt, die aufgrund der Wirtschaftskrise arbeitslos bzw. auf Kurzarbeit umgestellt wurden sowie zusätzlich zehn Tiefeninterviews mit Betroffenen durchgeführt. Das Selbstvertrauen bei den Arbeitslosen bzw. Kurzarbeitern hat laut dieser Umfrage seit Beginn der Krise um 66 Prozent abgenommen. Frustration und Unzufriedenheit sowie Stress sind bei den Betroffenen um 53 sowie um 42 Prozent gestiegen; Rauchen nahm anlässlich der Wirtschaftskrise um 29 Prozent zu und Streitigkeiten mit dem Partner um 25 Prozent.


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