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Zuletzt aktualisiert: 30.09.2009 um 20:05 UhrKommentare

Frischzellenkur für den Arbeitsmarkt

300.000 Personen sind derzeit in Österreich arbeitslos. Die Hoffnung liegt in der Weiterbildung aber auch in Zukunftsbranchen wie Gesundheit und Umwelttechnik.

Foto © matttilda - Fotolia.com

Die Zahlen bleiben alarmierend: Mit Ende September kratzt die Arbeitslosigkeit in Österreich an der Schwelle von 300.000. Auch wenn das Arbeitsmarktservice die detaillierten Statistiken erst heute veröffentlicht, heißt es aus dem Arbeitsministerium, dass 232.752 Personen als arbeitslos gemeldet sind, hinzu kommen 68.000 Personen in Schulungen. Das ergibt unterm Strich einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 27,7 Prozent. Ein Lichtblick: Im Vergleich zum Vormonat gibt es weniger Arbeitslose, im August waren noch 238.803 Menschen als arbeitslos registriert.

In einer Pressekonferenz mit Bundeskanzler Werner Faymann gab Sozialminister Rudolf Hundstorfer dennoch keine Entwarnung. Das Frühjahr 2010 werde "sehr fordernd". Sorgenkinder seien weiterhin die exportorientierten Branchen wie etwa die Autoindustrie. Intensiviert sollen daher die Weiterbildungsprogramme werden. Vier von zehn der aktuell arbeitslos Gemeldeten haben nur den Abschluss einer Pflichtschule. "Das ist zu wenig", so der Befund von Hundstorfer. Bei allen Herausforderungen, die der Arbeitsmarkt wohl noch über längere Zeit bereit hält, bieten sich auch Perspektiven.

Wachstumsfelder

Zuversichtlich ist Hundstorfer etwa für die Bereiche Tourismus, Handel und Bauwirtschaft. Gerade in der Steiermark ist aber etwa auch die Energie- und Umwelttechnik ein Wachstumsfeld, das sich in den vergangenen schwierigen Monaten nicht nur durch wirtschaftliche Robustheit ausgezeichnet hat. Auch am Stellenmarkt gibt es nach wie vor umtriebige Unternehmen (Infos unter www.eco.at).

Ein anderes Segment mit hohem Personalbedarf ist die Pflege alter Menschen, auch wenn dieser anstrengende Beruf auf der Wunschliste vieler Arbeitsuchender nicht ganz oben steht. Heute tritt eine Verordnung in Kraft, gemäß der Heimbetreiber zehn Prozent mehr Personal anstellen müssen. In der Steiermark waren im August inklusive der Schulungsteilnehmer rund 43.000 Personen als arbeitslos vorgemerkt. Vor allem bei den Schulungen wird eine starke Zunahme verzeichnet, im August waren es in der Steiermark mehr als 48 Prozent.

Millionenpaket

Allein 17 Millionen Euro werden das Land Steiermark und das AMS für die geförderte Lehrlingsausbildung zur Verfügung stellen. Die Weiterbildung hat auch in den Unternehmen einen hohen Stellenwert, berichtet Stephan Sticher, Chef des Grazer Schulungsunternehmens bit management GmbH. Schwerpunkte sind besonders Sprachen "mit Blickrichtung auf die Globalisierung und Internationalisierung", die fachspezifische Ausbildung und die Persönlichkeitsbildung. "Unternehmen setzen sehr stark auf die Schulung ihrer Mitarbeiter", sagt Sticher. Weil auch das AMS die Schulungen forciert, bestehe ein "höherer Bedarf an qualifizierten Trainern" in praktisch allen Sparten. Der Bogen, so Sticher, spanne sich vom IT-Bereich über Sprachen bis zur Berufsorientierung.

Gute Möglichkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden, gibt es laut AMS-Chef Karl Heinz Snobe im Bereich Gesundheit und Wellness. Die Kinderbetreuung wird künftig wegen des verpflichtenden letzten Kindergartenjahres vor dem Schuleintritt ebenso erhöhten Personalbedarf haben. Weil auch das Angebot an Kunst- und Kulturveranstaltungen auf regionaler Ebene zunimmt, würden - möglicherweise im Verbund mehrerer Gemeinden - Jobchancen entstehen.

MANFRED NEUPER, HELLFRIED SEMLER

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