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Zuletzt aktualisiert: 11.09.2009 um 21:34 UhrKommentare

Als die Welt am Abgrund stand

Vor einem Jahr schlitterte die Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite. Der Tag, an dem aus der US-Finanzkrise eine Weltwirtschaftskrise wurde. Die Nachbeben erschüttern uns bis heute.

Aus der US-Finanzkrise wurde eine globale Wirtschaftskrise

Foto © © Herbie - Fotolia.comAus der US-Finanzkrise wurde eine globale Wirtschaftskrise

Wir haben schon einige Widrigkeiten erlebt und sind dadurch jedes Mal stärker geworden." - "Es sieht wie Sau aus da draußen auf dem Markt. Ich habe so etwas noch nie gesehen." Zwischen diesen beiden Zitaten liegen gerade einmal fünf Tage. Ausgesprochen wurden sie im September 2008. Wenige Tage bevor seine Bank in die Pleite gerutscht ist, mimte Lehman-Chef Richard Fuld noch Zuversicht. Kurz darauf sah es eben aus "wie Sau auf dem Markt", wie es ein Aktienstratege ausgedrückt hat.

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers vor einem Jahr markierte so etwas wie den "offiziellen Beginn" der weltweiten Wirtschaftskrise. An den Börsen hatte die US-Immobilienkrise schon zuvor zu Sturzflügen geführt. Die Schockstarre und das tiefe gegenseitige Misstrauen im Finanzsystem ist aber eng mit dem 15. September 2008 verbunden. Dem Tag der Pleite von Lehman Brothers. Zuvor galt das ungeschriebene Gesetz von "too big to fail", also "zu groß um zu fallen". In der Finanzbranche war man stets davon ausgegangen, dass Finanzinstitute ab einer gewissen Größe immer von irgendeiner Seite aufgefangen werden. Sei es durch eine Übernahme eines Mitbewerbers oder durch den Staat. Doch an Lehman wollte sich keine andere Bank die Finger verbrennen. Und die US-Regierung hatte bereits in den Tagen zuvor viele Milliarden zur Bankenrettung ausgegeben. Bei Lehman war Schluss. Man wollte ein Exempel statuieren.

Millionen-Verlust

Rund 615 Millionen Euro hat die Lehman-Pleite den österreichischen Banken und Versicherungen gekostet. Die Verluste sind mittlerweile fast zur Gänze abgeschrieben. Die Raiffeisen Zentralbank war mit 227 Millionen Euro am stärksten von der Pleite betroffen.

Die Schockwellen der Pleite führten im November 2008 auch zur Notverstaatlichung der Kommunalkredit.

Hätte man die Folgen nur im Ansatz erahnt, da ist man sich heute einig, wäre auch Lehman aufgefangen worden. Die Pleite löste Panikattacken aus. Welche Großbank bricht als nächste ein? Ein Domino-Effekt wurde befürchtet. Die Geldinstitute borgten sich untereinander kein Geld mehr.

Der Geldkreislauf kam zum Erliegen. Die Notenbanken intervenierten mit milliardenschweren kurzfristigen Liquiditätsspritzen. Parallel dazu kam es in der Realwirtschaft - die noch kurz zuvor über eine Hochkonjunktur jubelte - zu einem "Fadenriss", wie es die Industriellenvereinigung damals nannte. Neue Aufträge gab es plötzlich kaum mehr, vielfach wurden bestehende Aufträge sogar storniert. Hochkonjunktur hatten jetzt die Untergangspropheten.

Das Vertrauen ins Finanzsystem war erloschen. Allein in den ersten zwei Monaten nach Lehman brauchte staatliche Einlagensicherungen und Bankenhilfspakete in der Höhe von weltweit 3577 Milliarden Dollar, um die Sorgen der Anleger zu lindern. So etwas wie Lehman dürfe niemals wieder passieren, wurde dann gebetsmühlenartig postuliert. Es wurden neue Regeln für das Finanzsystem entworfen. Bis heute wurde aber äußerst wenig umgesetzt. Und Investmentbanken verbuchen mittlerweile wieder Milliardengewinne, während das klassische Bankgeschäft unter Kreditausfällen der Unternehmen zu leiden hat. Die scharf kritisierten Bonuszahlungen für Banker sprudeln wieder.

Gipfel der Hoffnung

Die Hoffnung ruht nun auf dem Treffen der 20 wichtigsten Industrieländer der Welt. Die G20 tagen am 24. September in Pittsburgh ein. Dort müssen laut US-Präsident Barack Obama neue Regeln vereinbart werden, um künftig schwere Krisen zu vermeiden. Noch "vor einem Jahr befand sich die Wirtschaft im freien Fall", ruft er in Erinnerung. Ansonsten hieße es: Nach der Krise ist vor der Krise.

ULRICH DUNST MANFRED NEUPER

Der Tag X

15.9.2008: Die Investmentbank Lehman verliert in 6 Monaten 7 Milliarden Dollar und ist handlungsunfähig. Andere Banken wollen sie kaufen, aber nur wenn der Staat mitzahlt. In dramatischen Sitzungen entscheidet die US-Regierung, kein Geld beizusteuern. Die Bank geht Pleite und löst ein Beben aus.

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Vor einem Jahr schlitterte die Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite.Foto © Reuters

Ist mein Geld sicher?

Das Drama rund um Lehman löste auch unter Österreichs Anlegern Besorgnis aus. "Ist mein Geld noch sicher?" - das war eine der häufigsten Fragen dieser Tage. Die Regierung entschied sich für eine unbegrenzte Einlagensicherung und schnürte ein milliardenschweres Bankenhilfspaket.

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Foto © Reuters

Sein Name steht für Gier und Absturz: Ex-Lehman-Chef Richard Fuld. Bis heute sieht er sich als "Sündenbock". Sein 13-Millionen-Dollar-Haus verkaufte Fuld um 100 Dollar an seine Frau, um es vor fremdem Zugriff zu schützen.Foto © Reuters

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