GM heißt jetzt "Government Motors"
Nur halb im Scherz wird in Washington ein neuer Name für den angeschlagenen US-Autokonzern GM kolportiert.

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"Government Motors" soll die Abkürzung jetzt bedeuten. Der Spott
veranschaulicht, wer inzwischen wirklich das Sagen bei General Motors
hat: das Government, die US-Regierung.
Eingriff der Regierung. In den traditionell eher wirtschaftsliberal eingestellten
Vereinigten Staaten erfüllt der massivste Eingriff der Regierung in
die Industrie seit einem halben Jahrhundert so manchen Bürger mit
Schrecken. Die Regierung von Präsident Barack Obama übernimmt das
Steuer bei GM - mit allen Risiken für den Steuerzahler.
Industriedrama. Regierungsvertreter versuchen zwar, sich als widerwillige Spieler
in dem Industriedrama darzustellen, zum Handeln gezwungen durch die
Schwere der Krise und die noch weitreichenderen Folgen der
Untätigkeit. Sie betonen, dass sie nicht die Absicht hätten, das
tägliche Geschäft bei GM zu steuern.
Kosten. Aber angesichts der Riesensummen, um die es geht, ist die
Regierung wohl kaum nur passiver Beobachter. Fast 20 Mrd. Dollar
(14,4 Mrd. Euro) haben die Vorgängerregierung von George W. Bush und
ihre Nachfolger schon in den unter der Wirtschaftskrise und früheren
Versäumnissen taumelnden Autoriesen gesteckt. Weitere
Milliardenbeträge dürften folgen.
Konkurs. Sollte GM Anfang nächste Woche Konkurs anmelden, könnten die
Regierungen der USA und Kanadas mit 70 Prozent der Anteile an dem
Konzern dastehen, wenn sich der Staub des gerichtlichen
Restrukturierungsverfahrens gelegt hat. Der überwiegende Teil der
Aktien wäre im Besitz des US-Finanzministeriums.
Regierung. Doch schon jetzt ist der Regierungseinfluss bei dem
Opel-Mutterkonzern deutlich: Am 31. März, am Tag, nachdem er GM-Chef
Rick Wagoner geschasst hatte, setzte Obama dem Konzern eine Frist bis
1. Juni, massive Einschnitte vorzunehmen. Es war das
Finanzministerium, das GM anwies, den Anleihebesitzern nicht mehr als
10 Prozent der Aktien als Abfindung für Ansprüche im Volumen von 27
Mrd. Dollar anzubieten - was die Gläubiger empört ablehnten.
Management. Obamas Auto-Task-Force bemüht sich seit Februar beim Management,
der Gewerkschaft, den Anleihegebern und der Händlerschaft um
Konzessionen. Die Kommission wird geleitet von Steven Rattner, einem
ehemaligen Wall-Street-Mann und Spitzen-Spendensammler für Obamas
Demokraten, sowie von Ron Bloom, einem Sanierungsspezialisten, der
auch schon als Berater für die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
tätig war. Es war Rattner, der Wagoner von seinen Rausschmiss durch
Obama in Kenntnis setzen musste.
Empfehlungen. "Wir versuchen, uns an das Prinzip des Präsidenten zu halten, dass
wir nicht zur Führung des Konzerns da sind", sagte Bloom. "Wir sind
diejenigen, die Empfehlungen geben müssen für Entscheidungen über
große Beträge von Steuergeldern. Deshalb haben wir ungeheuer große
Verantwortung. Aber wir sind nicht das Management der Firma."
Antrag. Ein Konkursantrag von GM noch in dieser Woche gilt nach
Einschätzung von Beobachtern in Washington als unwahrscheinlich. GM
und die Regierung dürften bis zur Deadline am 1. Juni warten, bevor
sie ihren nächsten Schritt bekanntgeben.
Eine Sanierung unter Aufsicht des Insolvenzgerichts könnte für GM
die beste Lösung sein, auch wenn sie den Firmenstolz verletzt. Der
Konzern könnte daraus mit einem Bruchteil seiner Schulden und aus
bisherigen Gepflogenheiten stammenden Kosten für die Pensionisten
hervorgehen, ferner mit einem weitaus beherrschbareren Händlernetz.
Die Befürchtung, dass die Insolvenz Autokäufer abschreckt, hat sich
zumindest bei Chrysler nicht bestätigt.
Reorganisation. Allerdings dürfte die Reorganisation bei GM länger dauern und hält
- nicht zuletzt wegen der Verstrickung der Politik - möglicherweise
größere Risiken. "Politiker und Interessengruppen sind keine guten
Geschäftsleute. Ihr Einfluss kann eine Firma sehr wohl in eine
unvorhergesehene, vielleicht sogar tödliche Richtung führen", meint
der frühere Chef der American Motors Corporation und heutige
Wirtschaftsprofessor Gerald Meyers.













