Arbeitslosigkeit: Faymann "akzeptiert jedes Budgetdefizit"
Man dürfe die soziale Sprengkraft von Arbeitslosigkeit nicht unterschätzen, so der SP-Kanzler. Er wolle kurzfristig jedes Defizit hinnehmen, um eine höhere Arbeitslosigkeit zu verhindern.

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Bundeskanzler Werner Faymann (S) würde derzeit "jedes
Budgetdefizit" akzeptieren, wenn über den gesamten Zyklus ein
konsolidiertes Budget steht. Aber nicht als Dauerlösung, sondern nur
kurzfristig, um etwa eine höhere Arbeitslosigkeit zu verhindern,
sagte Faymann am Donnerstag am Rande der 37. Volkswirtschaftlichen
Tagung.
Sprengkraft die Hoffnungslosigkeit.
Untersuchungen der Wirtschaftskrise von 1930 und auch heute
würden zeigen, dass man nicht unterschätzen dürfe, welche soziale
Sprengkraft die Hoffnungslosigkeit - ausgelöst etwa durch
Arbeitslosigkeit - für Menschen bedeute, so der Bundeskanzler bei
seinem Vortrag. Daher komme der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in
dieser kritischen Phase eine wichtige Stellung zu, bis die
Rahmenbedingungen wieder normal funktionieren.
Anstieg noch nicht vorbei.
In den 30er Jahren habe die Arbeitslosigkeit 26 Prozent betragen,
derzeit seien es in Österreich 4,5 Prozent. Aber man wisse, dass der
Anstieg noch nicht vorbei sei. In Europa gebe es 80 Mio. Menschen,
die in der Gefahr leben, in die Armutszone zu kommen. Laut Prognosen
werde sich diese Zahl in den nächsten Monaten um 50 Prozent erhöhen.
Ob Privatkonkurse, Arbeitslosigkeit oder die Frage, ob man einen
Ausbildungsplatz bekommt, diese sozialen Fragen hängen eng mit der
Frage der Sicherheit der Finanzmärkte, der Stabilität in Europa
zusammen. Sicherheit und Vertrauen, seien Voraussetzungen um auch den
Arbeitsmarkt wieder positiv gestalten zu können. Notenbanken,
europäische und ínternationale Einrichtungen hätten da schon vieles
geleistet.
Krise kurz halten.
Staaten könnten allerdings Konjunkturpakete nicht endlos
wiederholen. Deshalb sei eines der wichtigsten Ziele in dieser Zeit,
die Krise kurz zu halten. Dies einerseits aus Gründen der Vermeidung
von persönlichem Leid, aber auch den wirtschaftlichen Möglichkeiten
gegenzusteuern, die ja von Defiziten bezahlt werden, die der Staat
mache.
Maßnahmen.
Gegenzusteuern heiße in Österreich, dass die Bundesregierung in
diesem Jahr 5 Mrd. Euro einsetzt. Davon falle die Hälfte auf die
Tarifreform. Andere Maßnahmen, die ebenfalls das Budget belasten
würden, befänden sich in Umsetzung. Gemeinsam mit den Bundesländern
und anderen Institutionen seien es bis zu 8 Mrd. Euro. Damit sollten
zumindest 40.000 bis 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen
werden. Bei 250.000 arbeitslosen Menschen werde damit das Problem
aber nicht weglöscht.
Sicherheitsnetz.
In enger Abstimmung mit Wirtschaftsforschern, Nationalbank, und
mit dem Bankenpaket, sei schon ein Sicherheitsnetz geschaffen worden,
das eine gewisse Stabilität ermögliche. Soziale Standards wie
Pensionsvorsorge, Bildungssystem, dürften in diesen kritischen Zeiten
aber nicht über Bord geworfen werden. Europa braucht den sozialen
Ausgleich.
Um weitere Krisen zu verhindern, müssten von Politik und
Verantwortlichen Konsequenzen gezogen werden. Es werde neben
gemeinsame Maßnahmen in der EU - eigene Ratingagenturen,
Finanzmarktkontrolle und -aufsicht - noch andere
Finanzmarktregulierungssysteme brauchen, um etwa die Spekulation auf
Nahrungsmittel zu verhindern. Faymann sprach sich am Rande der
Konfernz erneut für die Einführung einer Vermögenszuwachs-,
Spekulations- und Finanztransaktionssteuer aus. Ziel sei es, Arbeit
zu entlasten.
Spekulationen könne man nicht mit Resolutionen verhindern, sie
müssten an ihre Wurzel verboten werden. Transparenz sei dabei genau
so wichtig, wie Selbstregulierung und moralische Verantwortung. Auch
die Umwelt dürfte dabei nicht zu kurz kommen.















