Auch Frächter ziehen die Notbremse
Bei den steirischen Frächtern sind 500 Jobs akut gefährdet. Denn nach den Produktionsbändern bei Magna und Zulieferern stehen zwangsweise auch immer mehr Lkw still. Die Wirtschaftskammer drängt auf rasches Konjunkturpaket.

Foto © APSchlechte zeiten auch für die steirischen Transportunternehmen.
Im Zuge der wirtschaftlichen Krise, die in atemberaubender Geschwindigkeit vor allem die steirische Autoindustrie erfasst hat, müssen nun auch immer mehr Betriebe im Transportgewerbe eine Notbremsung einlegen - speziell jene, die eng mit Leitbetrieben wie Magna verbandelt sind. Doch während speziell Produktionsbetriebe zwischenzeitliche Auftragslücken mit Kurzarbeit - für bis zu 5000 Beschäftige in 45 Betrieben - zu überbrücken versuchen, "ist Kurzarbeit bei Lkw-Fahrern leider nicht möglich", so Karl-Heinz Snobe, Chef des steirischen Arbeitsmarktservice.
400 Lkw weniger. So kommt es, dass aufgrund der zwischenzeitlich stillstehenden Produktionsbänder bei Magna & Co. auch bis zu 400 Lkw weniger oder gar nicht fahren, erklärte am Freitag Albert Moder von der Wirtschaftskammer (WK). Seine Hiobsbotschaft: Allein im Transportgewerbe dürften demnach 250 bis 300 Kündigungen bei den Fahrern sowie weitere 200 bei angestellten Logistikern bevorstehen. Laut Snobe ist daher das AMS dabei, spezielle Schulungen für die betroffenen Beschäftigten aufzustellen.
Leere Logistik-Center.
Zu spüren bekommt diese Flaute naturgemäß auch der Güterterminal in Graz Werndorf, der ohnehin schon im Vorjahr rote Zahlen schrieb. "Das halbe Container-Volumen in Werndorf kommt von Chrysler und Magna", sagte Terminal-Chef Franz Glanz im "Standard". Hier werden die ohnehin schwer verschuldeten ÖBB als Mitbetreiber des Terminals wohl Geld zuschießen müssen.
Versandhandel. Doch nicht nur die Autobranche hat's schmerzhaft erwischt, auch in Logistikzentren des Versandhandels drohen Kündigungen - bei Unito in Kalsdorf (Otto und Universal) ist von 60 wackelnden Jobs die Rede, auch bei Neckermann herrscht höchste Alarmbereitschaft.
Wirtschaftskammern. Gewehr bei Fuß steht man nun auch in der Wirtschaftskammer. Zwar wurde bundesweit ein Konjunkturpaket beschlossen und das Land stellte bereits 50 Millionen in Aussicht, "doch in welcher Form Betriebe genau unterstützt werden, muss jetzt schnellstens ausverhandelt werden", so WK-Direktor Thomas Spann. Anfang November gibt's daher einen Steiermark-Gipfel mit den Sozialpartnern und der Landesregierung.
Fokus. WK-Vizepräsidentin Regina Friedrich hat schon ihre ganz konkreten Vorstellungen präsentiert, die in erster Linie eines im Fokus haben: Den ins Stocken geratenen Geldkreislauf und damit Kredite für Firmenprojekte ebenso wie den Konsum wieder in Schwung zu bringen.
Steirische Banken. "Die steirischen Banken dürfen nicht zu stolz sein, das Banken-Paket in Anspruch zu nehmen", so Friedrich. Daher sollten sie, wenn nötig mit Bundeshilfe, wieder zu ihrem Urgeschäft zurückkommen: "Leistbare Kredite zu vergeben."
Features
Plan zur Ankurbelungen
Innovations-Anleihe. Das Land Steiermark solle eine Anleihe begeben und mit diesem Geld junge Unternehmen mit Liquidität versorgen.
Eigenkapitalgarantie für Beteiligungen an KMU bis zu 35.000 Euro. Damit könnten Betriebe ein besseres Rating und leichter Kredite erhalten.
Sicherung des Kapitals von Unternehmen ähnlich der Einlagensicherung bei Sparbüchern.
Steuerreform vorziehen, um Kaufkraft zu steigern.
Vorziehen von Bauprojekten wie der Landesstraßen-Sanierung, das würde Jobs schaffen.
Zum Thema
Fakten
Wie der Fachgruppenobmann in der Wirtschaftskammer, Albert Moder, sagte, dürften 250 bis 300 Kündigungen bevorstehen. Dazu kämen noch rund 200 Logistiker, die als Angestellte von Transporteuren direkt bei den Autozulieferern arbeiteten.













