AvW: Bei den Anlegern spielen sich Tragödien ab
Hans Linz war Vermittler des AvW-Papiers. Nach dem Absturz ist der DSV-Leoben-Boss einer der größten Geschädigten und hat bei seinen Anlegern Erklärungsbedarf.
"Bisher hat immer alles gepasst, es gab nie ein Problem, die Gewinne waren gut, jeder ist zu seinem Geld gekommen", beteuert Hans Linz. Seit einigen Tagen steht diese Welt auf dem Kopf: Das AvW-Papier hat massiv an Wert verloren, die Genussscheine werden derzeit nicht mehr vom Unternehmen zurückgekauft und die Anleger hängen in der Luft. 3500 Kunden haben allein bei der Hans Linz-Finanzberatung (HLF) mit Sitz in St. Martin am Grimming 120 Millionen Euro investiert.
Verunsicherung. "Ich bin selbst einer der größten Geschädigten. Alle meine Mitarbeiter und deren Familien haben voll auf das Papier gesetzt." Die Anleger rennen der HLF-Gruppe im Ennstal derzeit die Tür ein. In den letzten Tagen kamen so viele Verunsicherte, dass die Parkplätze nicht mehr ausreichten - die Autos sind bis in die angrenzende Wiese gestanden. Auch die Telefone glühen. "Ich habe am Sonntag selbst mehr als 50 Telefonate am Handy geführt, wenn ich spreche, rufen gleichzeitig drei andere an."
Tragödien. Dabei spielen sich regelrechte Tragödien ab: "Menschen erklären, dass sie krankheitsbedingt dringend das Geld brauchen, ein 83-jähriger Anleger wollte der nächsten Generation das Ersparte noch mit warmem Händedruck übergeben." Manche verlieren auch die Nerven "Du brauchst dich nicht aufhängen, ich erschieß dich eh", soll ein erboster Anleger gesagt haben. Andere drohen mit Sitz- und Hungerstreik vor dem Gourmet-Restaurant von Hans Linz im Ennstal, wenn sie ihr Geld nicht wieder zurückbekommen. Nachdem jahrelang satte Gewinne nicht nur versprochen, sondern auch ausbezahlt wurden, haben viele ihre Ersparnisse in die Anlageform gesteckt.
Krisenstimmung. "Für uns ist das sehr schlimm, weil uns die Leute vertraut haben. Bisher hat auch immer alles funktioniert", kann Linz den Einbruch offenbar selbst nicht ganz fassen und kämpft offensichtlich mit den Tränen. Derzeit herrscht jedenfalls Krisenstimmung. "Jede halbe Stunde weint jemand im Büro, wir trösten uns gegenseitig und auch die Anleger." Viel mehr könne man nicht tun, weil man im Grunde keinen Einblick in die Vorgänge bei der Auer-von-Welsbach-Gruppe im kärntnerischen Krumpendorf habe. Auf die Frage, wie es zu dem finanziellen Engpass gekommen sei und welche Zukunftsszenarien es gibt, meint Linz. "Wir wissen auch nicht mehr, als auf der AvW-Homepage veröffentlicht wurde und in den Medien steht. Wir hoffen nur, dass man in Kärnten diese Krise meistert und es mit dem Papier dann wieder aufwärts geht."
Schaden nicht abschätzbar. Dabei war Linz im Vorstand der AvW Invest AG. "Dort bin ich jedoch seit Jahresbeginn ausgeschieden. 24 Jahre lang habe ich den Vertrieb aufgebaut, ab 2000 haben wir ausschließlich AvW vermittelt. Ich wollte mich auch in unserer Firma mehr und mehr zurückziehen, habe die Geschäfte eigentlich schon übergeben." Wie hoch der Schaden für das Unternehmen derzeit ist, könne man noch gar nicht abschätzen. "Für die Firma hat es vor kurzem sogar noch ein Angebot gegeben, eine Fondsgruppe wollte uns kaufen." Derzeit hält sich das Interesse wohl in engen Grenzen.
DSV Leoben. Die finanziellen Verluste haben auch Auswirkungen auf die Funktion von Hans Linz als Präsident des Fußballvereins DSV Leoben. Linz, ein Onkel des Nationalspielers Roland Linz, hat dort in den letzten zehn Jahren viel investiert, gab auch jährlich für die Bundesliga-Lizenz eine Bonitäts- und Liquiditätsgarantie in Höhe von 1,2 Millionen Euro ab. "Nachdem die AvW-Genussscheine vorerst bis 2009 nicht zurückgekauft werden, sind natürlich auch meine Gelder eingefroren."














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