Bush will internationalen Finanzgipfel veranstalten
Der scheidende US-Präsident wirbt um das Vertrauen in die US-Wirtschaft. Ein Weltfinanzgipfel könnte laut Sarkozy schon im November in New York stattfinden.

Foto © APAEins in Sachen Finanzkrise: Bush und Sarkozy
US-Präsident George W. Bush will wegen
der Finanzmarktkrise in "naher Zukunft" ein internationales
Gipfeltreffen ausrichten. Die nötigen Reformen zur Regulierung der
Finanzmärkte dürften aber das Festhalten an der freien
Marktwirtschaft und die Ablehnung von Protektionismus nicht infrage
stellen, sagte Bush am Samstagabend (Ortszeit) nach einem Treffen mit
dem französischen Staatschef und amtieren EU-Ratspräsidenten Nicolas
Sarkozy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.
Weltweite Lösung.
Sarkozy sagte, dies sei eine weltweite Krise, und deshalb sei auch
eine weltweite Lösung erforderlich. "Wir dürfen dem Fatalismus keinen
Platz einräumen." Das Gipfeltreffen könne schon im November in New
York stattfinden, deutete er an. Bush nannte keinen Termin. Unklar
war auch, ob neben Bush auch sein zu dem Zeitpunkt wohl bereits
gewählter Nachfolger teilnehmen würde.
New York.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bot am Samstag an, den geplanten
Finanzgipfel am Sitz der Vereinten Nationen in New York zu
veranstalten. Dies würde der globalen Initiative Legitimation
verleihen und die Entschlossenheit der Staatengemeinschaft zu
gemeinsamem Handeln zeigen, sagte Ban.
Globale Finanzordnung.
Bush betonte die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit, um
die Finanzsysteme der Länder zu stärken und zu modernisieren. Auch
Barroso forderte eine neue globale Finanzordnung. Barroso und Sarkozy
waren auf dem Rückweg von einem Gipfeltreffen in Kanada zu Bush auf
den Präsidentenlandsitz Camp David gekommen.
Sondergipfel.
Bereits vor wenigen Tagen hatten die sieben führenden
Industriestaaten und Russland (G-8) einen Sondergipfel zur
Finanzmarktkrise für die nahe Zukunft angekündigt. Daran sollen auch
die wichtigsten Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien, Mexiko
und Südafrika teilnehmen.
Entwicklung der G-8.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach sich
angesichts der Finanzkrise für eine Erweiterung der G-8 aus. "Wir
müssen neue Mächte und neue Ansprüche friedlich in eine veränderte
Welt gemeinsam integrieren, das ist die große Aufgabe unserer Zeit",
sagte er am Samstag auf dem SPD-Parteitag in Berlin. "Wir brauchen
eine Erweiterung der G-8, wir brauchen eine Weltfinanzgruppe, in der
die neue Architektur einer Weltfinanzordnung entsteht."
Appell.
Vor dem Treffen in Camp David warb Bush in seiner wöchentlichen
Radioansprache um Vertrauen in die US-Wirtschaft. Seine Regierung
habe mit gezielten und zupackenden Maßnahmen auf die Krise reagiert,
um die finanzielle Sicherheit der Bürger zu schützen, sagte Bush. Es
werde einige Zeit dauern, bis das Paket seine Wirkung entfalte. Aber
die Maßnahmen seien umfassend und wirkungsvoll. "Unsere Wirtschaft
wird wieder auf die Beine kommen."
"Keine gewöhnliche Rahmenbedingungen".
Bush verteidigte erneut den 700 Milliarden Dollar schweren
Rettungsplan für die Finanzbranche. "Als Anhänger freier Märkte würde
ich solche Maßnahmen normalerweise ablehnen. Aber das sind keine
gewöhnlichen Rahmenbedingungen", sagte Bush. Ohne das Einschreiten
der Regierung wären die Folgen für die Finanzmärkte noch schlimmer
gewesen. Die Pensionskassen und Sparpläne der Amerikaner haben seit
dem Höchststand des Dow-Jones-Index am 9. Oktober vergangenen Jahres
bei 14.000 Punkten rund 8,3 Billionen Dollar (6,2 Billionen Euro) an
Wert verloren.













