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Zuletzt aktualisiert: 17.10.2008 um 19:36 UhrKommentare

Laut Experten bringt die Finanzkrise neue "Rockefellers"

Die Experten warnen auch vor zuviel Einfluss der Politik auf die Banken.

Foto © AP

Nicht nur negativ sehen die Experten der Unternehmensberatung Deloitte die weltweite Krise auf den Finanzmärkten: Selten zuvor sei es so rasch und billig möglich gewesen, Marktanteile zu gewinnen oder unterbewertete Assets und Unternehmen zu kaufen. "Auch neue Rockefellers werden kommen", ist sich Kurt Blecha von Deloitte sicher. Ausgestanden ist die Krise seiner Meinung nach aber noch nicht.

Chancen. "Die aktuelle Krise bietet Chancen für jene Banken, die noch über genügend Kapital und Liquidität verfügen bzw. gegenüber Investoren einen Business Case darstellen können", sagte der Finanzmarkt-Experte am Freitag bei einer Veranstaltung zum Thema "Financial Markets Meltdown - Was nun?". Zudem gebe es keine bessere Chance als eine Krise, um etwas zu ändern.

Risikomanagement. Damit sich eine derartige Finanzmarktkrise nicht wiederholt, raten die Experten von Deloitte den Banken, ihr Risikomanagement zu überdenken und ihren Stresstest zu ändern. Einen Fall wie Lehman Brothers, mit einer extremen Leverage Ratio (Verhältnis zwischen Fremdkapital zum Eigenkapital) sowie 50 Prozent der Bilanz Market-to-Market bewertet, dürfe es eigentlich bei einem funktionierenden Risikomanagement nicht geben. Weiters empfiehlt der Experte, keine Personen in den Aufsichtsrat zu nehmen, die politisch vom Management abhängig sind.

Basel II hat versagt. Völlig versagt habe in der aktuellen Krise nicht nur das Risikomanagement, sondern auch Basel II. Man habe "zuviel Last auf Ratingagenturen gelegt", so Blecha. Es sei daher nicht ratsam, externen Ratings blind zu vertrauen. Die Gründe für die weltweite Krise sieht Blecha auch darin, dass Banken sich nicht nur auf ihr Kerngeschäft konzentriert haben und auf dem "Kapitalmarkt-Casino" mit "Bubbles" gespielt haben. Ein Geschäftsmodell müsse im Kern valide und profitabel sein, betonte der Experte.

Österreich nicht so stark betroffen. Österreich dürfte die Finanzkrise aber nicht so stark treffen wie etwa die USA, zumal österreichische Banken nicht so stark geleveraged waren wie US-Banken. Auch das Regierungspaket sei zu begrüßen, zumal damit richtigerweise versucht werde, "den Motor wieder anzuwerfen" und vor allem das Interbankengeschäft anzukurbeln. Dennoch bestehe seiner Meinung nach noch immer die Gefahr, dass auf der Asset-Seite der Banken "Müll" zu finden sei, der nun "ausgeräumt" werden müsse, um wieder Vertrauen zu schaffen.

Folgen der Krise. Als mögliche Folgen der Krise - nicht nur in Österreich - erwartet Blecha einen Konsolidierungsprozess und weitere Insolvenzen bei Banken und eine Rückkehr zum traditionellen Bankgeschäft. Durch die Beteiligung vieler Regierungen an Banken bestehe aber die Gefahr, dass die Politik künftig zu viel Einfluss auf das Bankgeschäft nimmt.


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