Deutschland beschließt 500-Mrd.-Euro-Rettungspaket für Banken
Mit einem beispiellosen Rettungspaket für Banken will die deutsche Regierung die Folgen der Finanzkrise bekämpfen.

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Das Kabinett beschloss am Montag einen Gesetzentwurf, der
Kapitalspritzen und Kredit-Bürgschaften in Höhe von knapp 500 Mrd.
Euro vorsieht. Widerstand kam aus den Ländern, die sich mit 35
Prozent an dem Paket beteiligen sollen. Das Ziel, bis 2011 einen
ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, ist nun gefährdet. Die Anleger
reagierten euphorisch.
Fonds.
Für den Rettungsplan der Bundesregierung soll ein Fonds geschaffen
werden. Er soll einerseits 80 Mrd. Euro umfassen, mit denen der Staat
frisches Kapital für Banken bereitstellt, etwa durch den Kauf von
Aktien. Der Staat fordert im Gegenzug eine Mitsprache bei
Entscheidungen der Bank, etwa bei Strategie, Manager-Vergütung oder
Dividenden-Ausschüttung. Des weiteren will die Regierung mit 400 Mrd.
Euro für Kredite zwischen Banken bürgen. Mit der staatlichen
Versicherung gegen Ausfälle soll die zuletzt weitgehend zum Erliegen
gekommene Kreditvergabe zwischen Banken wieder in Gang kommen.
Maximale Belastung.
Die Bundesregierung rechnet mit maximalen Belastungen von 20 Mrd.
Euro durch die Kredit-Garantie. Zusammen mit den Kapitalspritzen
erwartet sie damit Belastungen von höchstens 100 Mrd. Euro. 35
Prozent der gesamten Risiken des Plans sollen demnach von den Ländern
getragen werden.
Ausgeglichener Haushalt.
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss nicht aus, dass
das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts 2011 nun nicht mehr zu
schaffen ist. "Das kann zur Folge haben, dass sich das Ziel des
ausgeglichenen Haushalts zeitlich verschiebt", sagte sie.
Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, die Frage der
Haushaltskonsolidierung hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung
ab. Das Ziel bleibe aber bestehen.
Schutz der Bürger.
Die 400 Mrd. Euro für Kreditbürgschaften dienten "dem Schutz der
Bürgerinnen und Bürger und nicht dem Schutz von Bankinteressen",
sagte Merkel. Das Finanzsystem leiste einen "unverzichtbaren" Beitrag
"für das Funktionieren der gesamten Volkswirtschaft und damit auch
für Wachstum und Beschäftigung" hob die Kanzlerin hervor. Dies
ermögliche dem Bürger, "sicher und mit Gewinn zu sparen". Auch
Steinbrück rechtfertigte das Rettungspaket: Es habe sich gezeigt,
dass "Fall-zu-Fall-Lösungen" nicht mehr ausreichten, sondern eine
strukturierte Antwort für das gesamte System benötigt werde.
Sache des Bundes.
Der scheidende CSU-Chef Erwin Huber und sein designierter
Nachfolger Horst Seehofer lehnten eine weitgehende Beteiligung der
Länder ab. Das Rettungspaket sei eine "originäre Aufgabe des Bundes",
sagte Seehofer. Huber sagte, die Länder seien "nicht in der Lage und
auch nicht zuständig, einen Teil der Gesamtlast zu übernehmen". Der
Freistaat stehe aber zu dem, was er als Anteilseigner der Bayerischen
Landesbank beitragen müsse. Einen Schirm über den ganzen Finanzmarkt
oder Teile davon könnten Länder und Kommunen aber nicht übernehmen.
Drastischer Rückgang.
"Wir machen da nicht mit", sagte auch der Vorsitzende des
CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Mike Mohring, der in Erfurt
erscheinenden "Thüringer Allgemeinen" (Dienstagsausgabe). Thüringen
müsse wie alle Ost-Länder ab dem nächsten Jahr einen drastischen
Rückgang der Solidarpakt-Gelder verkraften. "Mit der zusätzlichen
Belastung durch eine Milliardenbürgschaft würde unser Haushalt
implodieren", erklärte der CDU-Politiker.
Verabschiedung.
Das Paket soll nach dem Willen der Bundesregierung bis Freitag von
Bundestag und Bundesrat verabschiedet und dann von Bundespräsident
Horst Köhler unterzeichnet werden. Die Börse in Frankfurt am Main
reagierte mit deutlichen Kurssprüngen auf den Rettungsplan: Der
Deutsche Aktienindex (Dax) übersprang wieder die psychologisch
wichtige 5.000-Punkte-Marke und notierte zum Handelsschluss bei 5.062
Punkten - ein Plus von 11,4 Prozent.













