Immer mehr Banken vor Verstaatlichung
Auch die USA erwägen im Kampf gegen die ausufernde Finanzkrise eine systematische Teilverstaatlichung privater Banken.

Foto © APAZiel einer Teilverstaatlichung wäre vor allem die Stärkung des
Neben Großbritannien haben auch andere Staaten zuletzt zur
Verstaatlichung als letzte Waffe im Kampf gegen die Finanzkrise
gegriffen. Am Donnerstag nahm etwa das krisengeschüttelte Island auch
noch die landesgrößte Bank Kaupthing unter ihre Fittiche. In
Österreich und Deutschland musste die Kaupthing-Niederlassungen auf
Geheiß der nationalen Bankaufsichten die Tätigkeit einstellen. Die
deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte ebenfalls nicht
ausschließen, dass die Regierung notfalls zu Verstaatlichungen
greifen müsse.
Plan wird geprüft. Die US-Regierung erklärte am Donnerstag, einen Verstaatlichungs-Plan ernsthaft zu prüfen. Finanzminister Henry Paulson arbeitet mit
Hochdruck an einem für Banken freiwilligen Programm, um bereits bis
Monatsende erste Geldspritzen verabreichen zu können. Die Regierung
wolle dabei stimmrechtslose Aktien der Institute erwerben, erklärte
eine Person, die mit den Plänen Paulsons vertraut ist.
Politiker für solche Lösung. Viele US-Politiker sprechen sich für eine solche Lösung aus, da
die Regierung im Falle einer Erholung an den Aktienmärkten später aus
Beteiligungen einen Profit schlagen könnte. Mit Hilfe der
Kapitalspritzen könnten die Banken wieder freizügiger Kredite
vergeben und damit den Wirtschaftskreislauf ankurbeln. Zusätzlich
plant die Regierung mit dem Ende vergangener Woche beschlossenen
Rettungspaket über 700 Milliarden Dollar (512 Mrd. Euro), den Banken
faule Kredite abzukaufen. Eine direkte Beteiligung könnte jedoch
voraussichtlich deutlich schneller wirken.
Freiwilligkeit. Die Frage ist, ob die Banken freiwillig den Staat ins Boot holen
würden, wenn die Beteiligungen öffentlich bekanntgegeben werden. Denn
dies könnte den Eindruck erwecken, die betroffene Banken stecke in
ernsten Schwierigkeiten. Es war zunächst unklar, ob die Geldhäuser im
Gegenzug auch Obergrenzen bei der Vergütung von Managern akzeptieren
müssten - auch dies könnte Banken davon abhalten, die Regierung um
Geld zu bitten.
Stärkung des Vertrauens. Ziel einer Teilverstaatlichung wäre vor allem die Stärkung des
Vertrauens in das Bankensystem. Die USA würden damit dem Beispiel
Großbritanniens folgen. Die dortige Regierung kündigte am Mittwoch
an, den Banken umgerechnet 65 Milliarden Euro als Kapitalspritze zur
Verfügung zu stellen. Sie würde mit dem Geld Anteile an den Banken
erwerben und so deren Kapitalbasis stärken - faktisch eine
Teilverstaatlichung der Geldhäuser.
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Großbritannien und Island haben zuletzt zur Verstaatlichung als letzte Waffe im Kampf gegen die Finanzkrise gegriffen. Deutschland und die USA überlegen bereits.













