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Zuletzt aktualisiert: 18.09.2008 um 14:38 UhrKommentare

Morgan Stanley hält Ausschau nach Rettungsring

Der dramatische Vertrauensverlust an der Börse hat die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley zu Verhandlungen über einen Verkauf gezwungen.

Foto © APA

Der dramatische Vertrauensverlust an der Börse hat die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley zu Verhandlungen über einen Verkauf gezwungen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr, führt das Institut Vorgespräche über eine Übernahme durch die US-Regionalbank Wachovia. Als mögliche Käufer kommen Medienberichten vom Donnerstag zufolge auch die mittlerweile weltgrößte britische Bank HSBC sowie die von China kontrollierte CITIC in Frage. Auch ein Staatsfonds aus Singapur brachte sich ins Gespräch.

Krise fortgesetzt. Ein Verkauf des Traditionshauses würde den radikalsten Umbruch der US-Finanzbranche seit der Weltwirtschaftskrise fortsetzen. Von den ehemals fünf großen US-Investmentbanken sind mittlerweile nur noch zwei übriggeblieben: Morgan Stanley und Branchenprimus Goldman Sachs. Die Morgan-Stanley-Aktie war am Mittwoch trotz allseits gelobter Geschäftszahlen an der Wall Street zeitweise um mehr als 40 Prozent eingebrochen und beendete den Tag mit einem Minus von fast 25 Prozent, bei Goldman Sachs belief sich das Minus letztendlich auf 14 Prozent. Morgan-Stanley-Chef John Mack machte kurzfristig orientierte Spekulanten für den "irrationalen" Kursverfall verantwortlich. Am Donnerstag zeichnete sich zumindest ein Verschnaufpause ab: Morgan-Stanley-Titel legten vorbörslich leicht zu.

Richtung noch unklar. Die Kontakte zwischen Morgan Stanley und Wachovia seien noch in einem sehr frühen Stadium, und Morgan Stanley sehe sich auch nach anderen Möglichkeiten um, berichteten mit der Situation vertraute Personen. Einige Branchenexperten meldeten bereits Zweifel an, ob eine Verbindung der Geldhäuser überhaupt sinnvoll wäre, da beide von der Finanzkrise mitgenommen sind. "Zweimal minus macht nicht plus", sagte ein Fondsmanager.

Mögliche Käufer. Der Fernsehsender CNBC brachte auch HSBC als möglichen Käufer ins Gespräch. Reuters erfuhr jedoch, das die Briten zunächst nicht an einer Übernahme interessiert seien. Die Banken wollten sich offiziell nicht äußern. Der Staatsfonds Government of Singapore Investment Corp (GIC) erklärte jedoch, er werde einen Einstieg prüfen, falls Morgan Stanley dies anbiete.

Aktien. Viele Branchenexperten konnten sich noch immer keinen Reim machen, warum die Aktien der einstmals stolzen Investmenthäuser so stark unter Druck standen. "Derzeit scheint alles möglich. Es ist fast so, als ob der Markt das Geschäftsmodell Investmentbank auslöschen will", erklärte eine Expertin von BNP Paribas in New York. Eine Studie der Schweizer Großbank UBS flehte gar die Spekulanten an: "Stoppt den Wahnsinn".

Weitere Kandidaten. Die Welle der Notverkäufe machte jedoch nicht bei den Investmentbanken halt. Auch die taumelnde größte US-Sparkasse Washington Mutual sucht aktiv nach Käufern, wie Reuters erfuhr. Potenzielle Interessenten seien Wells Fargo , JP Morgan, HSBC und Citigroup, hieß es am Mittwoch nach US-Börsenschluss. Wells-Fargo-Chairman Richard Kovacevich sagte, er fühle sich angesichts der vielen günstigen Übernahmekandidaten "wie ein Kind im Süßwarenladen".


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