Morgan Stanley hält Ausschau nach Rettungsring
Der dramatische Vertrauensverlust an der Börse hat die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley zu Verhandlungen über einen Verkauf gezwungen.

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Der dramatische Vertrauensverlust an der
Börse hat die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley zu
Verhandlungen über einen Verkauf gezwungen. Wie die
Nachrichtenagentur Reuters erfuhr, führt das Institut Vorgespräche
über eine Übernahme durch die US-Regionalbank Wachovia. Als mögliche
Käufer kommen Medienberichten vom Donnerstag zufolge auch die
mittlerweile weltgrößte britische Bank HSBC sowie die von China
kontrollierte CITIC in Frage. Auch ein Staatsfonds aus Singapur
brachte sich ins Gespräch.
Krise fortgesetzt. Ein Verkauf des Traditionshauses würde den radikalsten Umbruch der
US-Finanzbranche seit der Weltwirtschaftskrise fortsetzen. Von den
ehemals fünf großen US-Investmentbanken sind mittlerweile nur noch
zwei übriggeblieben: Morgan Stanley und Branchenprimus Goldman Sachs.
Die Morgan-Stanley-Aktie war am Mittwoch trotz allseits gelobter
Geschäftszahlen an der Wall Street zeitweise um mehr als 40 Prozent
eingebrochen und beendete den Tag mit einem Minus von fast 25
Prozent, bei Goldman Sachs belief sich das Minus letztendlich auf 14
Prozent. Morgan-Stanley-Chef John Mack machte kurzfristig orientierte
Spekulanten für den "irrationalen" Kursverfall verantwortlich. Am
Donnerstag zeichnete sich zumindest ein Verschnaufpause ab:
Morgan-Stanley-Titel legten vorbörslich leicht zu.
Richtung noch unklar. Die Kontakte zwischen Morgan Stanley und Wachovia seien noch in
einem sehr frühen Stadium, und Morgan Stanley sehe sich auch nach
anderen Möglichkeiten um, berichteten mit der Situation vertraute
Personen. Einige Branchenexperten meldeten bereits Zweifel an, ob
eine Verbindung der Geldhäuser überhaupt sinnvoll wäre, da beide von
der Finanzkrise mitgenommen sind. "Zweimal minus macht nicht plus",
sagte ein Fondsmanager.
Mögliche Käufer. Der Fernsehsender CNBC brachte auch HSBC als möglichen Käufer ins
Gespräch. Reuters erfuhr jedoch, das die Briten zunächst nicht an
einer Übernahme interessiert seien. Die Banken wollten sich offiziell
nicht äußern. Der Staatsfonds Government of Singapore Investment Corp
(GIC) erklärte jedoch, er werde einen Einstieg prüfen, falls Morgan
Stanley dies anbiete.
Aktien. Viele Branchenexperten konnten sich noch immer keinen Reim machen,
warum die Aktien der einstmals stolzen Investmenthäuser so stark
unter Druck standen. "Derzeit scheint alles möglich. Es ist fast so,
als ob der Markt das Geschäftsmodell Investmentbank auslöschen will",
erklärte eine Expertin von BNP Paribas in New York. Eine Studie der
Schweizer Großbank UBS flehte gar die Spekulanten an: "Stoppt den
Wahnsinn".
Weitere Kandidaten. Die Welle der Notverkäufe machte jedoch nicht bei den
Investmentbanken halt. Auch die taumelnde größte US-Sparkasse
Washington Mutual sucht aktiv nach Käufern, wie Reuters erfuhr.
Potenzielle Interessenten seien Wells Fargo , JP Morgan, HSBC und
Citigroup, hieß es am Mittwoch nach US-Börsenschluss.
Wells-Fargo-Chairman Richard Kovacevich sagte, er fühle sich
angesichts der vielen günstigen Übernahmekandidaten "wie ein Kind im
Süßwarenladen".













