Umbruch im US-Finanzsektor schlägt hohe Wellen
Diese Woche hat im US-Finanzsektor Umbrüche gebracht, die vor wenigen Tagen noch undenkbar schienen. Die Auswirkungen sind weltweit zu spüren.

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Diese Woche hat im US-Finanzsektor Umbrüche gebracht,
die vor wenigen Tagen noch undenkbar schienen. Die Auswirkungen
schlagen weltweit Wellen. Die Börsen sind auf Talfahrt, der ATX
verlor seit Freitag in Wien 11,6 Prozent (bis Donnerstag, 13:00), der
Dow Jones verlor bis Mittwoch 7,7 Prozent. Und die Analysten sind
sich ausnahmsweise einig: Das Ende und das gesamte Ausmaß sind nicht
absehbar. Die Größe der Krise hat zu einer Renaissance staatlicher
Interventionen auch in liberalen Marktwirtschaften wie den USA und
Großbritannien geführt.
Beginn der Talfahrt. Begonnen hat alles vor Handelsbeginn in der Nacht auf Montag, als
die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete
und die Talfahrt der Börsen einleitete. Schon am Montag wackelte der
ehemals weltgrößte Versicherer AIG, der dann am Mittwoch von der
US-Notenbank und dem Staat mit 85 Mrd. Dollar (59,8 Mrd. Euro)
gerettet wurde. Die drittgrößte US-Investmentbank Merill Lynch
flüchtete sich gegen eine Kapitalspritze von 50 Mrd. Dollar unter die
Fittiche der Bank of America.
Die anderen beiden "Großen" US-Investmentbanken, Goldman Sachs und
Morgan Stanley verloren diese Woche trotz relativ guter Zahlen das
Vertrauen der Anleger, ihre Aktien rasselten in den Keller. Morgan
Stanley prüft inzwischen die Fusion mit einer anderen Bank, etwa
Wachovia. Und die größte US-Sparkasse, Washington Mutual, sucht nun
aktiv nach einem Käufer. Wenn sich der Staub gelegt hat, wird also
der US-Finanzsektor radikal umgebaut sein. In Großbritannien ging der
Hypothekenfinanzierer Halifax Bank of Scotland (HBOS) für 12,2 Mrd.
Pfund Sterling (15,3 Mrd. Euro) an die Bank Lloyds TSB.
Seit einem Jahr spürbar. Diese Woche ist vor allem die Verdichtung einer Entwicklung, die
seit Ausbruch der Finanzkrise vor gut einem Jahr in Gang ist. In
Deutschland gingen in August 2007 die SachsenLB an die LBBW und im
August 2008 die IKB an Lone Star, jeweils mit staatlichen Garantien
in Milliardenhöhe. In Großbritannien übernahm im Februar 2008 der
Staat die Hypothekenbank Northern Rock um 31,5 Mrd. Euro, in den USA
rettete der Staat im Juli 2008 die Wohnbaufinanzierer Fannie Mae und
Freddie Mac. Die Kosten liegen jeweils bei bis zu 70 Mrd. Euro. Die
traditionsreiche Investmentbank Bear Stearns ging im März um 850 Mio.
Euro an J.P. Morgan, der Staat garantierte für 20 Mrd. Euro an
riskanten Wertpapieren. Nur Lehman Brothers ließ man diese Woche in
die Insolvenz gehen, nun kaufen sich ehemalige Konkurrenten
Filetstücke heraus.
Österreichische Banken und Versicherungen beteuern vorerst, "kaum
bis gar nicht" betroffen zu sein, wie es Finanzminister Wilhelm
Molterer am Mittwoch nach einer Krisensitzung formulierte. Aber
Wertpapierexperten empfehlen unisono das gute alte Sparbuch als
sichere Anlageform. Auswirkungen dieser Grundhaltung bekamen heute
die Immoeast/Immofinanz zu spüren: Nach Verlusten im Quartal gaben
ihre Aktien zeitweise um 15 bis 18 Prozent nach.













