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Zuletzt aktualisiert: 18.09.2008 um 13:57 UhrKommentare

Umbruch im US-Finanzsektor schlägt hohe Wellen

Diese Woche hat im US-Finanzsektor Umbrüche gebracht, die vor wenigen Tagen noch undenkbar schienen. Die Auswirkungen sind weltweit zu spüren.

Foto © Reuters

Diese Woche hat im US-Finanzsektor Umbrüche gebracht, die vor wenigen Tagen noch undenkbar schienen. Die Auswirkungen schlagen weltweit Wellen. Die Börsen sind auf Talfahrt, der ATX verlor seit Freitag in Wien 11,6 Prozent (bis Donnerstag, 13:00), der Dow Jones verlor bis Mittwoch 7,7 Prozent. Und die Analysten sind sich ausnahmsweise einig: Das Ende und das gesamte Ausmaß sind nicht absehbar. Die Größe der Krise hat zu einer Renaissance staatlicher Interventionen auch in liberalen Marktwirtschaften wie den USA und Großbritannien geführt.

Beginn der Talfahrt. Begonnen hat alles vor Handelsbeginn in der Nacht auf Montag, als die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete und die Talfahrt der Börsen einleitete. Schon am Montag wackelte der ehemals weltgrößte Versicherer AIG, der dann am Mittwoch von der US-Notenbank und dem Staat mit 85 Mrd. Dollar (59,8 Mrd. Euro) gerettet wurde. Die drittgrößte US-Investmentbank Merill Lynch flüchtete sich gegen eine Kapitalspritze von 50 Mrd. Dollar unter die Fittiche der Bank of America.

Die anderen beiden "Großen" US-Investmentbanken, Goldman Sachs und Morgan Stanley verloren diese Woche trotz relativ guter Zahlen das Vertrauen der Anleger, ihre Aktien rasselten in den Keller. Morgan Stanley prüft inzwischen die Fusion mit einer anderen Bank, etwa Wachovia. Und die größte US-Sparkasse, Washington Mutual, sucht nun aktiv nach einem Käufer. Wenn sich der Staub gelegt hat, wird also der US-Finanzsektor radikal umgebaut sein. In Großbritannien ging der Hypothekenfinanzierer Halifax Bank of Scotland (HBOS) für 12,2 Mrd. Pfund Sterling (15,3 Mrd. Euro) an die Bank Lloyds TSB.

Seit einem Jahr spürbar. Diese Woche ist vor allem die Verdichtung einer Entwicklung, die seit Ausbruch der Finanzkrise vor gut einem Jahr in Gang ist. In Deutschland gingen in August 2007 die SachsenLB an die LBBW und im August 2008 die IKB an Lone Star, jeweils mit staatlichen Garantien in Milliardenhöhe. In Großbritannien übernahm im Februar 2008 der Staat die Hypothekenbank Northern Rock um 31,5 Mrd. Euro, in den USA rettete der Staat im Juli 2008 die Wohnbaufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Die Kosten liegen jeweils bei bis zu 70 Mrd. Euro. Die traditionsreiche Investmentbank Bear Stearns ging im März um 850 Mio. Euro an J.P. Morgan, der Staat garantierte für 20 Mrd. Euro an riskanten Wertpapieren. Nur Lehman Brothers ließ man diese Woche in die Insolvenz gehen, nun kaufen sich ehemalige Konkurrenten Filetstücke heraus.

Österreichische Banken und Versicherungen beteuern vorerst, "kaum bis gar nicht" betroffen zu sein, wie es Finanzminister Wilhelm Molterer am Mittwoch nach einer Krisensitzung formulierte. Aber Wertpapierexperten empfehlen unisono das gute alte Sparbuch als sichere Anlageform. Auswirkungen dieser Grundhaltung bekamen heute die Immoeast/Immofinanz zu spüren: Nach Verlusten im Quartal gaben ihre Aktien zeitweise um 15 bis 18 Prozent nach.


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