Milliardenspritze für US-Versicherungsriesen
Die Regierung übernimmt 79 Prozent des Kapitals der in Turbulenzen geratenen Versicherung.

Foto © APA
Die US-Regierung kommt dem
angeschlagenen Versicherungsriesen AIG mit einem Kredit von bis zu 85
Milliarden Dollar (60 Milliarden Euro) zu Hilfe. Die Notenbank Fed
teilte in der Nacht zum Mittwoch mit, der Rettungsplan solle ein
"unkontrolliertes Versagen" des Instituts verhindern. Im Gegenzug
werde Washington einen Anteil von 79,9 Prozent am Kapital von AIG
übernehmen und ein Veto-Recht bei der Ausschüttung der Dividende
erhalten.
Insolvenz möglich. In Medien war kurz zuvor eine Insolvenz von AIG noch am Mittwoch
nicht mehr ausgeschlossen worden. Experten befürchteten für diesen
Fall massive Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte. AIG hat
fast 20 Milliarden Dollar Verluste angehäuft. Das hat die
Kapitaldecke massiv angegriffen.
Kredit. Der Kredit soll eine Laufzeit von zwei Jahren haben. Als
Sicherheit dient das gesamte Vermögen von AIG. "Die Interessen der
Steuerzahler sind durch die Kernbedingungen dieses Kredits
geschützt", betonte die Fed. Das Paket sei in enger Abstimmung mit
dem Finanzministerium erarbeitet worden.
Märkte in Gefahr. Ein Konkurs des Versicherers könne die wegen der Finanzmarktkrise
bereits anfälligen Märkte untergraben, erklärte die Fed. Ein Sprecher
des Weißen Hauses sagte, Präsident George W. Bush unterstütze den
Rettungsplan. Die angekündigten Schritte würden unternommen, um die
Finanzmärkte zu stabilisieren und den Schaden für die Wirtschaft zu
begrenzen, sagte Fratto. Auch Finanzminister Henry Paulson erklärte,
er stehe hinter dem Megakredit.
Rettungsaktion. An den Märkten wurde die Rettungsaktion mit Erleichterung
aufgenommen. "Gott sei Dank", rief Dan Fuss von Loomis Sayles. "AIG
ist mit so vielen Menschen verbunden und berührt so viele Firmen in
der ganzen Welt." In Japan stieg der Nikkei-Index im Verlauf um 2,2
Prozent. Auch hier hatten Händler vor den katastrophalen Folgen eines
Kollapses gewarnt. Am Dienstag war der AIG-Aktienkurs um 45 Prozent
auf 2,70 Dollar eingebrochen. Vor Jahresfrist kosteten die Papiere
noch rund 70 Dollar.
Suche nach Ausweg. Gewährsleute hatten zuvor gesagt, Banker und Regierungsvertreter
seien zu dem Schluss gekommen, dass AIG am besten mit einer
Geldspritze aus Washington vor der Pleite bewahrt werden könne.
Investoren befürchteten, dass ein Konkurs des Versicherers
weitreichendere Folgen für das US-Finanzsystem bedeutet hätte als der
Zusammenbruch der Investmentfirma Lehman Brothers Anfang der Woche.













