Aktuelle Schwäche für Zukäufe nützen
Aktienengagements sind langfristig lohnende
Investitionen. Dass dies mehr als
nur eine Binsenwahrheit ist, beweist ein Blick
auf die langfristige Rendite des österreichischen
Aktienmarktes. In Österreich betrug
die durchschnittliche jährliche Rendite in den
Jahren 1990–2006 8,2 Prozent. Eine sehr
gute Rendite, hinter der sich allerdings auch
eine sehr große Volatilität verbirgt. So war der
Zeitraum 1990–1993 von einem jährlichen
Rückgang von minus 15 Prozent geprägt,
während der Markt seit dem Jahr 2003 um
etwa 40 Prozent jährlich gestiegen ist. Daraus
lässt sich ableiten, wie wichtig Timing, also
richtige Ein- und Ausstiegszeitpunkte, sind.
Letztere lassen sich aber nur schwer, wenn
überhaupt, genau bestimmen. Genau diese
Frage stellen sich mehr und mehr Investoren.
Nach dem starken, jahrelangen Anstieg
der jüngeren Vergangenheit und der starken
Korrektur, ausgelöst durch die Vorkommnisse
der letzten Wochen (Stichwort: USImmobilienkrise),
stehen viele Investoren vor
der Entscheidung, ob sich ein Engagement in
Aktien nach wie vor rentiert, ob man dieses
kürzen soll oder ob sogar ein Komplettausstieg
lohnend wäre. Viele Fragen und zumindest
ebenso viele Antworten. Die US-Immo-Krise
und die damit zusammenhängende Finanzierung,
vor allem minderwertiger Hypotheken,
haben auch in Europa zu Erdstößen geführt
und auch einige prominente Opfer gefordert.
Diesen Sorgen gegenüber steht aber ein nach
wie vor starkes Wirtschaftswachstum in der
EU, in Russland, in China und in Indien.
Wenngleich dieses Wachstum durch die USHypothekenkrise
beeinträchtigt werden könnte,
gibt es (noch) wenig Anzeichen dafür.
Was aber mit Sicherheit bekannt ist, ist
die günstige Bewertung des österreichischen
Aktienmarktes. Dieser notiert auf
Basis der Gewinne für 2007 auf einem Kurs/
Gewinn-Verhältnis von 12,4 und auf Basis der
Gewinne von 2008 auf einem KGV von 12,2.
Das Gewinnwachstum betrug in den letzten
Jahren zwischen 30 und 50 Prozent. Heuer
ist mit rund fünf Prozent Gewinnwachstum
im ATX zu rechnen, das Wachstum sollte sich
im nächsten Jahr aber wieder auf rund 18
Prozent beschleunigen. Tatsache bleibt auch,
dass alle Unternehmen über volle Auslastungen
verfügen, auf einem Rekordauftragsstand
sitzen und immer noch in der Lage sind, die
Preise zu erhöhen. Die Wachstumskurve
wird sich zwar verflachen, das hohe Niveau
wird aber beibehalten. Fazit: Die aktuelle
Schwäche sollte für Zukäufe genutzt werden.
Zu unseren Favoriten zählen: CA Immo Anlagen,
Erste Bank, Immoeast, voestalpine, Schoeller
Bleckmann Oilfield, Post und Flughafen
Wien.
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Alfred Reisenberger, UnicreditFoto © BE
Fakten
Alfred Reisenberger (Unicredit) ist Chefanalyst für den österreichischen Aktienmarkt.

