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Zuletzt aktualisiert: 09.04.2010 um 20:34 UhrKommentare

AUA-Chef: "Wir sind wieder da"

AUA-Vorstand Andreas Bierwirth zur Strategie, mit billigen Tickets auf Dauer mehr zu verdienen sowie zu den Flugverbindungen nach Graz und Klagenfurt.

AUA-Vorstand Andreas Bierwirth

Foto © APAAUA-Vorstand Andreas Bierwirth

>Herr Bierwirth, die AUA verkauft Tickets wie ein Billiganbieter, beklagt aber andererseits einen extremen Margenverfall. Passt das zusammen?

ANDREAS BIERWIRTH: Die 59-Euro-Tickets sind nur eine Antwort auf viele Anforderungen. Das ist ein Puzzlestein von vielen. Auf den Strecken, auf denen wir diese Tickets bieten, sollen sie höchstens zehn Prozent ausmachen.

Es heißt: Wer kopiert, verliert.

BIERWIRTH: Wer nicht kapiert, verliert erst recht. Wir erkennen die Realität des Marktes an und melden uns zurück in einem Segment, das wächst und das wir bisher der Konkurrenz überlassen haben. Wir sind wieder da. Dass wir zuletzt mit den kleinsten Flugzeugen die größten Märkte bedient haben, nur um hohe Preise zu rechtfertigen, konnte es wohl nicht sein. Das drehen wir jetzt um.

Wie wird dieser Paradigmenwechsel im Markt registriert?

BIERWIRTH: Wir werden kein Billig-Carrier, falls Sie das meinen. Wir werden ein Vollsortimenter, der auch das Basisprodukt bietet. Es muss niemand mehr an uns vorbei buchen. Die Krise hat wie ein Turbo das Reiseverhalten verändert, vor allem das der Geschäftsreisenden auf Flügen unter zwei Stunden.

Wie laufen die Verkäufe der Billig-Tickets an?

BIERWIRTH: Hervorragend, aber Zahlen möchte ich der Konkurrenz nicht liefern. Das Ziel, eine Million mehr Gäste zu fliegen, erreichen wir sicher.

Mit kleinem operativen Gewinn?

BIERWIRTH: Das werden wir erst 2011 schaffen.

Die Situation in Osteuropa gilt als besonders schwierig. Gibt es dort erste Zeichen einer Belebung?

BIERWIRTH: Nur sehr zögerlich. Bis zu einer echten Belebung werden noch ein bis zwei Jahre vergehen. Das heißt aber nicht, dass wir dort unsere ideale Ausgangsposition aufgeben. Wir wollen ja ein Netzwerk-Carrier bleiben, bei dem der Kunde mit guten Verbindungen auch dorthin kommt, wohin ein Billig-Carrier niemals fliegen wird. Das ist ja die Gretchenfrage: Dass wir die Vielfalt in den Erlösstrukturen erhalten können. Zwei Dinge werden uns auch in Zukunft immer von einer Billig-Airline unterscheiden. Über unsere Kollektivverträge haben wir etwas höhere Personalkosten, wir haben aber auch aufgrund der zahlreichen Umsteigeverbindungen etwas höhere Stehzeiten als eine Airline, die reinen Punkt-zu-Punkt-Verkehr bietet. Unser Vorteil ist, dass wir einen hohen Anteil Umsteigepassagiere haben.

Wenn das Konzept nicht aufgeht?

BIERWIRTH: Es gibt dazu keine Alternative. Schlicht und einfach.

Wie viele Flüge werden Sie auf den Zubringerstrecken Graz und Klagenfurt streichen?

BIERWIRTH: Auf die Frage habe ich ja gewartet. Wir sind jetzt gerade dabei, uns zu optimieren. Graz ist sicher einer der hochwertigsten Märkte mit einem sehr hohen Transferanteil. Graz ist für uns strategisch ganz wichtig. Aber mittags oder am Wochenende mit lediglich sechs Gästen zu fliegen ist mehr öffentliches Ärgernis als allgemeiner Nutzen. Klagenfurt ist ein sehr touristischer und von der Wertschöpfung her schwacher Markt. Wir werden da nicht herausgehen, haben aber sicher einen anderen Handlungsbedarf.

CLAUDIA HAASE

Fakten

Andreas Bierwirth wurde am 8. Mai 1971 in Lünen (Deutschland) geboren.

Karriere: Bankkaufmann, BWL-Studium, 2002 kam er in die Geschäftsleitung der Lufthansa-Tochter Eurowings. Seit 1. Februar 2009 führt er gemeinsam mit Peter Malanik die AUA.

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