AUA endgültig unter den Flügeln der Kranich-Airline
Lufthansa ist nun die größte europäische Fluglinie. Eine rasche Sanierung ist geplant, ein weiterer Jobabbau droht.

Foto © ReutersLufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber
Die Austrian Airlines (AUA) ist endgültig Teil des deutschen Lufthansa-Konzerns. Am heutigen Donnerstag haben Lufthansa und ÖIAG in den Mittagsstunden die Übernahme mit der symbolischen Übertragung der Aktien am Wiener Flughafen besiegelt. Die Kranich-Airline überflügelt damit die Air France-KLM und wird zur größten Luftfahrtgesellschaft in Europa. Die AUA soll weiterhin als eigenständiges Unternehmen und Marke erhalten bleiben, allerdings in einigen Jahren bereits wieder positiv wirtschaften, betonte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber: "Wir wollen rote Uniformen, aber keine roten Zahlen."
Weitere Sparmaßnahmen schloss das AUA-Management ebensowenig aus wie Lufthansa-Boss Mayrhuber. "Wir verbrennen derzeit Geld, wir sind cash negativ. Wir werden nächstes Jahr cash positiv sein", kündigte er an. Dann werde die Latte gelegt, so schnell wie möglich wieder operativ positiv zu sein. Danach soll die AUA auch operativ wieder Gewinne schreiben. Im ersten Halbjahr 2009 war noch ein Betriebsverlust von 161,6 Mio. Euro eingefahren worden. Der Turnaround werde dem Unternehmen noch einiges abfordern, sagte Mayrhuber, ohne Details zu nennen. Die AUA habe "kein Produktproblem, die AUA hat ein Kostenproblem".
Breite des Streckennetzes soll erhalten bleiben
Sparen sei speziell in der aktuellen Situation "eine permanente Aufgabe", bekräftigten auch die AUA-Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth, die beide auch nach dem Closing an Bord bleiben. Wie die Integration der AUA unter die Flügel der Kranich-Airline genau vonstattengehen soll, will der AUA-Vorstand im Oktober bekanntgeben. Ziel sei es, rasch wieder operative Gewinne zu schreiben, "idealerweise in zwei bis drei Jahren", weil dies auch eine der Bedingungen der EU sei, dass die AUA wieder wachsen darf, so Bierwirth. Im Streckennetz werde es ein selektives Herausnehmen von Verbindungen geben, die "Breite" soll aber erhalten bleiben. Auch am Bordcatering durch Do&Co soll sich nichts ändern.
Dem Vernehmen nach könnte der Sparkurs vor allem bei den Mitarbeitern noch einmal verschärft und der Personalstand auf 6.000 abgesenkt werden. Nach dem bisher vereinbarten Paket soll die Zahl der Mitarbeiter von derzeit rund 7.300 auf 6.500 sinken. Unter anderem soll es um Jobs im "Groundhandling" und in der Technik gehen.
Die "wichtigste Steuerungsphilosophie" der Lufthansa laute wie schon bei Swiss und British Midland: "Integrierte Eigenständigkeit", sagte Stefan Lauer, der im Lufthansa-Vorstand für die Integration zugekaufter Airlines zuständig ist und auch neuer Aufsichtsratsvorsitzender der AUA wird. Die neue Stärke müsse aber "aus sich selbst heraus erarbeitet werden", wenn auch in enger Zusammenarbeit mit der Lufthansa.
166 Millionen Kaufpreis
Der Kaufpreis, den die Lufthansa für die AUA auf den Tisch legt, beträgt rund 166 Mio. Euro. Der deutsche Konzern hat den freien Aktionären - sie halten knapp 40 Mio. Aktien - 4,49 Euro je Aktie geboten, in Summe also rund 166 Mio. Euro. Der Großteil hat das Angebot auch angenommen und soll noch heute bzw. bis spätestens bis 23. September das Geld am Konto haben. Bis 9. September gilt noch eine Nachfrist - wer dann noch immer nicht akzeptiert hat, muss mit einem Squeeze-out rechnen, kündigte die Lufthansa-Führung an. Nach der heutigen Übertragung ist die Lufthansa über eine Zwischenholding im Besitz von mehr als 90 Prozent der AUA-Aktien. Wegen des nun zu geringen Streubesitzes hat die Wiener Börse am Mittwoch beschlossen, das Unternehmen aus dem ATX zu nehmen.
Die ÖIAG erhält für ihren 41,56-Prozent-Anteil den symbolischen Betrag von 366.268.75 Euro (ein Cent pro Aktie) und einen Besserungsschein, für den - eher unwahrscheinlichen - Fall, dass sich die Lage der AUA drastisch bessert. ÖIAG-Vorstandsvorsitzender Peter Michaelis betonte am Donnerstag vor Journalisten zwar, man solle "die Hoffnung nie aufgeben", auf die Frage, wie realistisch dies sei, schwieg er aber. Und Mayrhuber meinte nur lachend, die Lufthansa wäre "nicht beleidigt, wenn wir zahlen müssen".
Michaelis wies neuerlich den Vorwurf zurück, die AUA sei verschenkt worden und dass der Verkaufsprozess auf die Lufthansa zugeschnitten worden sei. Er betonte, dass man für die AUA keinen besseren Partner hätte finden können. "Die Lufthansa übernimmt den Großteil der AUA-Lasten von insgesamt 1,5 Mrd. Euro", sagte er. Der Zuschuss von 500 Mio. Euro, den die ÖIAG leistet, sei eine gute Investitionen im Dienst der Eigenkapitalstärkung der AUA. Die Fakten ließen auch "keinen Raum für nachträgliche Verschwörungstheorien", nachdem mittlerweile auch die EU bestätigt habe, dass der Kaufpreis angesichts der Situation und der hohen Schulden dem Marktwert entspricht.
Lufthansa-Boss Mayrhuber hält die AUA trotz der Turbulenzen, in die die Luftfahrtbranche seit Jahresbeginn geschlittert ist, nicht für überbezahlt. Aber: Wenn wir vor neun Monaten gewusst hätten, wie sich der Markt entwickelt, wären die Verhandlungen anders abgelaufen", sagte er.
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"Wir wollen rote Uniformen und keine roten Zahlen." Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber macht klar, dass er die Marke AUA erhalten, aber wieder schwarze Zahlen sehen will.
"Die Fakten lassen keinen Raum für nachträgliche Verschwörungstheorien." ÖIAG-Chef Peter Michaelis zur Meinung, der Verkaufsprozess sei von Anfang an auf die Lufthansa zugeschnitten gewesen.













