Der Handel wehrt sich gegen Preisvergleiche
Im Anbetracht der Inflation setzen Kunden beim Einkauf immer stärker auf Preisvergleiche und greifen zur billigeren Ware. Wirtschaftsforscher regen an, mit Preisvergleichen im Internet den Wettbewerb im Lebensmittelhandel anzukurbeln: doch dieser wehrt sich.

Foto © APAWeniger Konsum ist angesagt
Von vielen wurden die Dutzenden Flugblätter, die wöchentlich mit Aktionsangeboten der Lebensmittelketten in die Postkästen flattern, ja stets als lästig empfunden. Doch seit die starke Teuerung im Alltag die Geldbörsel plagt, kommen offenbar auch die Flugblätter zu Ehren: Laut Makam-Umfrage (siehe Grafik) haben nämlich drei Viertel der Österreicher jetzt begonnen, beim Einkaufen die Preise stärker zu vergleichen, mehr als jeder Zweite greift bewusst zu den günstigeren Lebensmitteln.
Idee.
Nun ließ Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister im ORF mit einer Idee aufhorchen, wie man erstens den Leuten diese Preisvergleiche erleichtern und zweitens damit den Wettbewerb im Handel ankurbeln könne. Demnach soll auf einer Plattform im Internet (wie man es vom Banken- oder Spritpreis-Rechner kennt) das gesamte Warensortiment aller Handelsketten erfasst werden. Vor dem Einkaufen könne der Kunde seine Einkaufsliste eingeben und schnell herausfinden, bei welcher Kette die Rechnung am günstigsten ausfällt.
Handel wehrt sich.
Soweit die Theorie, die übrigens auch der Chef der Wettbewerbsbehörde, Theodor Thanner, für eine "sehr kreative Idee" zur Transparenz hält. Doch bei Spar und Rewe (Billa, Merkur, Penny) stößt dieser Vorstoß naturgemäß auf wenig Gegenliebe. Solche Plattformen ließen sich ihrer Meinung nach verwirklichen, weil das Sortiment viel zu groß und die Preisänderungen viel zu häufig seien. "Stimmt nicht", meinen jedoch Thanner und Schulmeister, bei gutem Willen wäre es machbar. Erstens würden ohnehin schon alle Waren elektronisch erfasst sein, zweitens zeige ein Beispiel aus Italien, dass so etwas auch funktionieren könne. Im Notfall, so die Vorstellung Schulmeisters, könne man die Handelsketten gesetzlich zum Offenlegen der Preise verpflichten.
Verzicht als Mittel.
Der Bedarf unter der Bevölkerung wäre jedenfalls da, wie die Makam-Studie zeigt. Darin geben drei Viertel der Befragten - quer durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten - an, dass sie sich von der Teuerungswelle stark betroffen fühlen. Die Inflation war zuletzt mit 3,9 Prozent so hoch wie seit 15 Jahren nicht, das veranlasst die Menschen nicht nur zu akribischen Preisvergleichen, sondern immer häufiger auch zum Verzicht.
Man spart.
Fast jeder zweite Österreicher spart derzeit, indem er seltener auswärts essen geht, mehr als jeder dritte kauft quer durch alle Branchen weniger ein. Besonders stark schränken sich Personen über 50 Jahren mit einem Haushaltseinkommen unter 2000 Euro ein - in diese Kategorie fallen viele Pensionisten.
Spritpreise.
Fast zwei Drittel der Befragten fahren in Zeiten hoher Spritpreise weniger mit dem Auto oder Motorrad, bzw. wollen dies tun. 42 Prozent geben an, häufiger mit dem Fahrrad zu fahren. Ein Drittel will Öffis häufiger nutzen.
Auch die Urlaubskassa wird offenbar stark von der Teuerung angeknabbert. Jeder dritte Befragte macht jetzt kürzere Urlaubsreisen, jeder vierte will oder muss sogar auf den Urlaub verzichten.
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Zum Thema
Telefon-Befragung
Die Ergebnisse resultieren aus einer telefonischen Befra-
gung von
500 Österreichern ab 15 Jahren.














