Kenias Wirtschaft ist im freien Fall
Die Unternehmer des afrikanischen Staates rufen zu zum Frieden auf, nicht zuletzt aus Sorge um die wirtschaftliche Stabilität des Landes.

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Seit den blutigen Unruhen nach den umstrittenen
Präsidentenwahlen in Kenia befindet sich die Wirtschaft des
ostafrikanischen Landes im freien Fall. Die Folgen spüren alle - ob
Börsenmakler, Großgrundbesitzer und Marktfrauen in den Slums von
Nairobi. Auch in den Nachbarstaaten hat die Krise des wirtschaftlich
stärksten Landes Ostafrikas empfindliche Auswirkungen. Handel und
Transportwesen sind schwer getroffen, es mangelt an Treibstoff,
Lebensmittel werden knapp und vor allem die armen Kenianer leiden
unter drastischen Preissteigerungen.
Wachstum gestoppt? In den vergangenen Jahren konnte Kenia ein durchschnittliches
Wirtschaftswachstum von sechs Prozent verzeichnen, nun wachsen die
Ängste vor einer regionalen Wirtschaftskrise. Selbst bei einer
schnellen Normalisierung könne für 2008 höchstens ein Wachstum von
zwei bis 4,5 Prozent erwartet werden, sagte der Wirtschaftsexperte
Terry Ryan der Zeitung "Business Daily".
Flucht vor der Gewalt. Die Ausschreitungen und Plünderungen sind deutlich zurückgegangen,
doch rund 250.000 Kenianer sind vor der Gewalt geflohen.
Kenianerinnen der Mittelschicht müssen nun selber waschen und putzen,
weil ihre Haushaltshilfen angesichts des zusammengebrochenen
Busverkehrs keinerlei Möglichkeiten haben, zu ihren Arbeitsplätzen zu
gelangen. Andere Arbeitgeber in den friedlichen Wohngegenden
wandelten ihr Heim in ein provisorisches Flüchtlingslager um, um
ihren Angestellten und deren Familien eine sichere Bleibe zu
ermöglichen.
Zehntausende Arbeiter fehlen. Auf den Teeplantagen und in der verarbeitenden Industrie im Westen
und in der Zentralregion Kenias fehlen Zehntausende Arbeiter, die
wiederum ohne Arbeit und Geld in Flüchtlingslagern nicht einmal das
Notwendigste zum Leben haben. Die Verluste der Teeindustrie, neben
dem Tourismus die wichtigste Einkommensquelle Kenias, belaufen sich
bereits auf mehr als 100 Millionen Euro. Die Preise für Zucker haben
sich der verdoppelt, seit Hunderte Hektar Zuckerrohrfelder im Westen
Brandstiftern zum Opfer gefallen sind.
Millionenverluste für Molkereien. Im zentralkenianischen Rift Valley mussten Zehntausende Liter
Milch, die bei den notleidenden Flüchtlingen dringend benötigt
würden, weggeschüttet werden - die Molkereien konnten wegen der
Unruhen nicht arbeiten. "Wir haben allein in der vergangenen Woche
Millionenverluste gemacht", klagt Musa Barno, Leiter des Verbandes
der Agrarproduzenten. Bauern machen schwere Verluste, Tomaten, Bohnen
und anderes leicht verderbliche Gemüse verfault auf den Feldern,
während auf Nairobis Märkten zunehmend Leere herrscht.
Politik und Wirtschaft nicht zu trennen. "Wir können nicht politische Stabilität und Wirtschaftswachstum
trennen", warnte Betty Maina, Direktorin des Kenianischen
Industrieverbandes. Unternehmer rufen daher zu Frieden und
Stabilisierung auf. Darauf hoffen auch die Nachbarstaaten Uganda,
Ruanda, Burundi und Kongo, die einen großen Teil von Importgütern wie
auch Öl über den kenianischen Hafen Mombasa erhalten.
Verkehr zusammengebrochen. Doch der Transitverkehr auf den Fernstraßen ist ebenso
zusammengebrochen wie die Busverbindungen zwischen Provinzen und
Nairobi. Tankwagen sitzen in den Treibstoffdepots in Nakuru, Kisumu
und Eldoret fest. In diesen drei Städten befinden sich nicht nur
wichtige Lage der kenianischen Pipelinegesellschaft, sie waren auch
besonders von der politischen Gewalt betroffen.
Schwarzmarkt blüht. In Uganda hat sich in den vergangenen Tagen ein Schwarzmarkt für
Benzin gebildet, die Preise explodieren. In Ruanda ordnete die
Regierung an, Benzin zu rationieren. In Kenia laufen unterdessen
Vermittlungen über ein Ende des Machtkonflikts, doch
Wirtschaftsexperte Ryan warnt, dass die Bilder der Gewalt bei
Investoren und Geberländern nachwirken: "Die guten Wertungen sind
jetzt Geschichte, das Land muss das Vertrauen der internationalen
Gemeinschaft von neuem gewinnen."














