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    Zuletzt aktualisiert: 09.01.2008 um 16:33 Uhr

    Kenias Wirtschaft ist im freien Fall

    Die Unternehmer des afrikanischen Staates rufen zu zum Frieden auf, nicht zuletzt aus Sorge um die wirtschaftliche Stabilität des Landes.

    Foto © Reuters

    Seit den blutigen Unruhen nach den umstrittenen Präsidentenwahlen in Kenia befindet sich die Wirtschaft des ostafrikanischen Landes im freien Fall. Die Folgen spüren alle - ob Börsenmakler, Großgrundbesitzer und Marktfrauen in den Slums von Nairobi. Auch in den Nachbarstaaten hat die Krise des wirtschaftlich stärksten Landes Ostafrikas empfindliche Auswirkungen. Handel und Transportwesen sind schwer getroffen, es mangelt an Treibstoff, Lebensmittel werden knapp und vor allem die armen Kenianer leiden unter drastischen Preissteigerungen.

    Wachstum gestoppt? In den vergangenen Jahren konnte Kenia ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von sechs Prozent verzeichnen, nun wachsen die Ängste vor einer regionalen Wirtschaftskrise. Selbst bei einer schnellen Normalisierung könne für 2008 höchstens ein Wachstum von zwei bis 4,5 Prozent erwartet werden, sagte der Wirtschaftsexperte Terry Ryan der Zeitung "Business Daily".

    Flucht vor der Gewalt. Die Ausschreitungen und Plünderungen sind deutlich zurückgegangen, doch rund 250.000 Kenianer sind vor der Gewalt geflohen. Kenianerinnen der Mittelschicht müssen nun selber waschen und putzen, weil ihre Haushaltshilfen angesichts des zusammengebrochenen Busverkehrs keinerlei Möglichkeiten haben, zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen. Andere Arbeitgeber in den friedlichen Wohngegenden wandelten ihr Heim in ein provisorisches Flüchtlingslager um, um ihren Angestellten und deren Familien eine sichere Bleibe zu ermöglichen.

    Zehntausende Arbeiter fehlen. Auf den Teeplantagen und in der verarbeitenden Industrie im Westen und in der Zentralregion Kenias fehlen Zehntausende Arbeiter, die wiederum ohne Arbeit und Geld in Flüchtlingslagern nicht einmal das Notwendigste zum Leben haben. Die Verluste der Teeindustrie, neben dem Tourismus die wichtigste Einkommensquelle Kenias, belaufen sich bereits auf mehr als 100 Millionen Euro. Die Preise für Zucker haben sich der verdoppelt, seit Hunderte Hektar Zuckerrohrfelder im Westen Brandstiftern zum Opfer gefallen sind.

    Millionenverluste für Molkereien. Im zentralkenianischen Rift Valley mussten Zehntausende Liter Milch, die bei den notleidenden Flüchtlingen dringend benötigt würden, weggeschüttet werden - die Molkereien konnten wegen der Unruhen nicht arbeiten. "Wir haben allein in der vergangenen Woche Millionenverluste gemacht", klagt Musa Barno, Leiter des Verbandes der Agrarproduzenten. Bauern machen schwere Verluste, Tomaten, Bohnen und anderes leicht verderbliche Gemüse verfault auf den Feldern, während auf Nairobis Märkten zunehmend Leere herrscht.

    Politik und Wirtschaft nicht zu trennen. "Wir können nicht politische Stabilität und Wirtschaftswachstum trennen", warnte Betty Maina, Direktorin des Kenianischen Industrieverbandes. Unternehmer rufen daher zu Frieden und Stabilisierung auf. Darauf hoffen auch die Nachbarstaaten Uganda, Ruanda, Burundi und Kongo, die einen großen Teil von Importgütern wie auch Öl über den kenianischen Hafen Mombasa erhalten.

    Verkehr zusammengebrochen. Doch der Transitverkehr auf den Fernstraßen ist ebenso zusammengebrochen wie die Busverbindungen zwischen Provinzen und Nairobi. Tankwagen sitzen in den Treibstoffdepots in Nakuru, Kisumu und Eldoret fest. In diesen drei Städten befinden sich nicht nur wichtige Lage der kenianischen Pipelinegesellschaft, sie waren auch besonders von der politischen Gewalt betroffen.

    Schwarzmarkt blüht. In Uganda hat sich in den vergangenen Tagen ein Schwarzmarkt für Benzin gebildet, die Preise explodieren. In Ruanda ordnete die Regierung an, Benzin zu rationieren. In Kenia laufen unterdessen Vermittlungen über ein Ende des Machtkonflikts, doch Wirtschaftsexperte Ryan warnt, dass die Bilder der Gewalt bei Investoren und Geberländern nachwirken: "Die guten Wertungen sind jetzt Geschichte, das Land muss das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft von neuem gewinnen."


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