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Zuletzt aktualisiert: 17.09.2007 um 08:45 Uhr

Heimat-Markt jenseits der Ost-Grenze

In Süd-Ost-Europa wachsen Wirtschaft und Chancen – auch für heimische Unternehmen. Top-Branche: die Infrastruktur.

Süd-Ost-Europa: Fünf Silben, bei denen Kommunisten-Mief, Cevapcici und Kfor-Soldaten nachklingen. Doch wie so oft: Der erste Eindruck täuscht. Süd-Ost-Europa ist auch die Region mit sechs Prozent Wirtschaftswachstum, EU-Fördermilliarden, die auf die Auszahlung warten, und Chancen für österreichische Betriebe – wenn sie in den richtigen Brachen investieren. Die drei Top-Branchen: Infrastruktur, Lebensmittelindustrie und Tourismus.

Alleine für Straßenbau und den Ausbau des Eisenbahnnetzes in Rumänien hat die Europäische Union bis zum Jahr 2013 fast 60 Millionen Euro reserviert. Ein ähnlich großer Fördertopf ist für Infrastrukturprojekte in Bulgarien reserviert und die Kroaten bezeichnen sich sowieso als ?Weltmeister im Autobahnbau“. Alleine im letzten Jahr wurden dort 400 Kilometer Autobahn gebaut. In den nächsten Jahren sind die See- und Flughäfen sowie das Eisenbahnnetz dran. Abwasserentsorgung und neue Pipelines stehen in der gesamten Region ebenso auf der ?To-do-Liste“. Doch auch die Privat-Investitionen boomen. Martin Essl, Chef der Baumax-Gruppe, die in Rumänien schon Fuß gefasst hat und demnächst nach Bulgarien expandieren will, erklärt, dass ?der Umsatz in den Baumärkten im Osten den in Österreich schon bei Weitem überholt hat“.

Protz ist geil. Im Privatkonsum verbirgt sich der zweite Wachstumsmarkt, den österreichische Firmen bislang noch zu wenig beachtet haben: die Lebensmittelindustrie. ?Österreich steht für ein sauberes Land, Konsumgüter wie Marmelade oder Kaffee sind entsprechend beliebt“, erklärt Andreas Grof, Handelsdelegierter in Rumänien. Güter, die sich die jungen Rumänen gerne leisten wollen und locker leisten können. Das Einkommen in der Privatwirtschaft stieg dort im letzten Jahr um 40 Prozent, im öffentlichen Dienst um 25 Prozent. Gut ausgebildete Arbeitskräfte sind so gefragt, dass sich die Firmen gegenseitig die Jungakademiker abwerben.

Auch in Bulgarien sind die Leute mittlerweile in der Lage, sich etwas leisten zu können – wenn die Qualität stimmt. Dass der Weg zum kleinen Luxus in der Regel den Stempel Kredit trägt, stört nicht. Nicht der Geiz ist geil, sondern der Protz. Beste Gelegenheit um dieses Prinzip auszuleben: Ein Urlaub am bulgarischen Schwarzen Meer. Sogar Rumänen kommen mittlerweile lieber dorthin als im eigenen Land zu urlauben. Was noch fehlt, um ausländische Touristenzu locken ist touristisches Know-how. ?Das Schwarze Meer hat in Bulgarien weit mehr Potenzial als in Rumänien“, baut Michael Angerer, Handelsdelegierter in Sofia, Touristikern die Brücke.

Korruption und Misswirtschaft. Was man bei all den Jubelmeldungen aus dem neuen Absatzmarkt nicht außer Acht lassen sollte: Korruption und Misswirtschaft wachsen mit der Wirtschaft mit. ?Wir sind zufrieden, dass in Rumänien 80 Prozent der Dinge so laufen wie sie sollten“, erklärt Andreas Treichl, Chef der Erste Bank, die in Rumänien Marktführer ist. Auf die übrigen 20 Prozent verzichte er gerne, denn die auszugleichen könne man sich nicht leisten. Auch in Sachen Rechtssicherheit gibt es – vor allem mit Serbien und Kroatien – einige Probleme. ?Österreichische Gerichtsurteile kann man in Kroatien nicht durchsetzen, es gibt kein Übereinkommen“, erklärt der Grazer Jurist Tomislav Boric. Ein Fehler den viele Österreicher beim Einstieg in den Markt machen: Man geht vom österreichisch-europäischen Rechtsverständnis aus. ?Man übersieht, dass es bei der Rechtsauslegung enorme Probleme gibt“, so Boric.

3,6 Milliarden Euro. Was trotzdem bleibt, ist eine Zahl: 3,6 Milliarden Euro. So viel exportierten österreichische Firmen im vergangenen Jahr nach Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien. Dreimal mehr als nach China – und das in einen Wachstumsmarkt vor der Haustür.

THOMAS CIK

Hoffnungsmarkt Süd-Ost-Europa

Grafik © Kleine Zeitung

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