Anklage: Elsner hat "Bank vorsätzlich verspielt"
Scharfe Worte zum Prozess-Auftakt: Bawag-Vorstand hat laut Staatsanwalt Krakow insgesamt über 1,4 Milliarden Euro in "verbotene Spekulationen" investiert.

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Rund eine Stunde benötigte Staatsanwalt Georg Krakow, um in seinem Eröffnungsplädoyer die umfangreiche Anklageschrift
zusammenzufassen: Elsner habe "die Bank vorsätzlich verspielt", stellte Krakow fest - "zu Beginn vielleicht aus Ehrgeiz, später aus Angst", vermutete der Ankläger. Dabei habe er den Aufsichtsrat und die sonstigen Kontrollbehörden "hinters Licht geführt". Er machte deutlich, dass in der Bawag bedenkliche Spekulationen gewissermaßen schon "Tradition" hatten: Bereits 1987 habe man unter dem Auftrag des damaligen Bawag-Generaldirektors Walter Flöttl mit ganz ähnlich gelagerten Geschäften "systematisch Sicherungsmechanismen umgangen", führte Krakow aus.
"Und alles ist weg". Flöttls Nachfolger Helmut Elsner habe die 1994 eingestellten "Sondergeschäfte" wieder aufgenommen und dabei auf Flöttls Sohn, den Investmentbanker Wolfgang Flöttl, zurückgegriffen. Der Bawag-Vorstand
habe von 1995 bis 2000 insgesamt über 1,4 Milliarden Euro in "verbotene Spekulationen" investiert. "Und alles ist weg", brachte es der Staatsanwalt auf den Punkt. Ein Geständnis
würde laut Richterin Claudia Bandion-Ortner das Strafausmaß wesentlich mildern.
Erste Pause. Elsner bat während des Plädoyers von Staatsanwalt Georg Krakow um eine Pause, die ihm von Richterin Claudia Bandion-Ortner sofort gewährt wurde. Der 72-jährige Elsner wurde in einem Nebenraum des Gerichts von Harald Schopper, Leiter der Krankenabteilung der Justizanstalt Josefstadt, untersucht. Nach rund 15 Minuten Pause wurde der Prozess dann mit Elsner wieder fortgesetzt. Trotz der hochsommerlichen Temperaturen von rund 30 Grad hat sich im Gerichtssaal die Kleiderordnung nicht gelockert: In Anzügen und mit Krawatte sind die Angeklagten, ihre Verteidiger und die übrigen Angehörigen des Gerichts erschienen.
Neun Angeklagte. Neun Personen, davon sieben ehemalige Bawag-Spitzenmanager, sitzen
seit heute auf der Anklagebank: Der ehemalige Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner, sein Nachfolger an der Bank-Spitze Johann Zwettler, der frühere Bawag-Aufsichtsratspräsident und Ex-ÖGB-Finanzchef Günter Weninger, der Investmentbanker und frühere Bawag-Geschäftspartner
Wolfgang Flöttl, die früheren Bawag-Vorstände Peter Nakowitz,
Christian Büttner, Hubert Kreuch, Josef Schwarzecker und der
ehemalige Bawag-Bankprüfer von der Wirtschafts-
prüfungsgesellschaft KPMG, Robert Reiter.














