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Zuletzt aktualisiert: 25.04.2007 um 23:49 Uhr

Siemens-Chef Kleinfeld nimmt seinen Hut

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat dem Druck nachgegeben und wird seinen Vertrag im Herbst nicht verlängern. Börse reagiert enttäuscht.

Foto © APA

In der 160-jährigen Firmengeschichte von Siemens hat es sowas noch nicht gegeben: dass ein Vorstandsvorsitzender nach nur gut zwei Jahren im Amt seinen Sessel räumt. Doch der Druck des Aufsichtsrates auf Siemens-Chef Klaus Kleinfeld (49) war rund um die Bestechungsaffären im Konzern offenbar doch zu stark.

Rückzug. Nur eine Woche nach Aufsichtsratsboss Heinrich von Pierer kündigte auch dessen Ziehsohn Kleinfeld seinen Rückzug von der Siemens-Spitze an. Er wolle eine allfällige Vertragsverlängerung - gegen die sich einige Aufsichtsräte ausgesprochen hatten - im Herbst nicht wahrnehmen, teilte Kleinfeld gestern in einem Schreiben an seine Mitarbeiter mit: "Ich erachte die Unklarheit über die Führung sowie über meine Person für belastend und untragbar für das Unternehmen", begründete der Konzernboss seinen Schritt, mit dem er einer möglichen Ausbootung zuvorgekommen ist.

"Nichts vorzuwerfen" Rund um die Schmiergeldzahlungen u. a. an Betriebsräte habe er sich jedoch nichts vorzuwerfen, betonte Kleinfeld. Das hob auch der neue Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gestern hervor, wonach es laut Untersuchungen "keinerlei Anhaltspunkte für ein persönliches Fehlverhalten oder eine Mitwisserschaft Kleinfelds im Zusammenhang mit den Affären" gebe. Dennoch befürchteten Präsidiumsmitglieder, dass sich auch der Chef im Korruptionsgestrüpp verfangen könnte. Einige waren der Meinung, dass ein sauberer Neustart bei Siemens nur mit neuer Führung möglich sei. Als möglicher Nachfolger gilt Linde-Chef Wolfgang Reitzle.

Börse. An der Börse wurde der Rückzug Kleinfelds jedenfalls mit Enttäuschung wahrgenommen. In Frankfurt schloss die Siemens-Aktie schwach, in New York sackte das Papier gleich einmal fünf Prozent ab. Im Vorfeld hatten sich einige Börsianer ausdrücklich für eine Vertragsverlängerung Kleinfelds ausgesprochen.

Zum Abschluss gute Zahlen. Vor seinem Rückzug präsentierte der Siemens-Chef, der den Konzern in seiner kurzen Amtszeit strategisch umgekrempelt hatte, noch glänzende Zahlen: Im zweiten Quartal stieg der Siemens-Gewinn um 36 Prozent auf 1,259 Milliarden Euro.


Fakten

Siemens wird seit Monaten von einem Schmiergeldskandal erschüttert. Über mehrere Konten weltweit - unter anderem auch in Österreich - sollen 420 Mio. Euro Bestechungsgelder verteilt worden sein. Kleinfeld hatte in der Schmiergeldaffäre bisher eine weiße Weste.

Reaktionen

Die Börse reagierte negativ. Die Siemens-Aktie, die vor der Bekanntgabe des Kleinfeld-Rückzugs noch deutlich im Plus gelegen hatte, stürzte binnen weniger Minuten um rund drei Euro auf 88,20 Euro ab.

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