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    Zuletzt aktualisiert: 23.02.2013 um 19:36 UhrKommentare

    Grüne Flasche mit Geschichte

    Die Schließung der Fruchtsaftfirma Pago in Klagenfurt ist auch das Ende einer imposanten Kärntner Familiengeschichte. Aber nur vorerst.

    Foto © KLZ/Traussnig

    Das Getränk ist aus Apfel-, Zitronensaft und Gerstenmalz. Johannes Pagitz vertreibt es unter der Marke "Ixso" in der Gastronomie, an Tankstellen und Sportstätten. Firmensitz: der Klagenfurter Waagplatz 7.

    Es ist eine legendäre Adresse, von wo aus der 34-Jährige den Kärntner Markt erobern will. Hier stand - nach den Anfängen am Alten Platz - die Ur-Fabrik der Fruchtsaftmarke Pago. Und Pagitz ist der Ururenkel des Gründers. Alles fließt.

    Die Idee kam Jakob Pagitz, einem Landwirtssohn vom Magdalensberg, anno 1888. Er wollte das "In"-Getränk Soda, das es in Wien bereits gab, in Kärnten produzieren - mit Klagenfurter Quellwasser. Sodann baute er eine Produktion auf, schaffte den Sprung ins Unternehmertum und sogar auf die Titelseite der Kärntner Sonn- und Feiertags-Zeitung: "Das Sodawasser perlt auch ohne einen Tropfen Alkohol wie Champagner" hieß es da voll Anerkennung. Auch der "Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs" war begeistert und befand, dass "in den Kaffeehäusern der Landeshauptstadt statt des üblichen Wassers nun ein Glas Sodawasser zum Kaffee gereicht werden sollte, um Touristen auf diese Spezialität hinzuweisen".

    In Sachen Vermarktung legte Pagitz seinen Zeitgenossen einiges vor: Der gelernte Wagner kreierte ein Logo, um die Flaschen unverwechselbar zu machen - ein Wagenrad.

    Pflücker in Waidmannsdorf

    Sein Sohn Jakob und dessen Sohn Jakob vergrößerten die "Manufaktur" sukzessive zur "Süßmosterei" für "flüssiges Obst" um. Zuerst kam der (erste haltbare) Apfelsaft, dann der Ribiselsaft. Weil es noch keine Lieferanten gab, baute das Unternehmen selbst Früchte und Beeren an. Es gab Flächen in Waidmannsdorf oder Klagenfurt-Marolla, für die immer wieder Pflücker angeheuert werden mussten. Ribiselpflücken bei Pagitz - alte Klagenfurter können sich daran noch erinnern.

    Nach dem Krieg erfand Jakob der Dritte die Wortmarke Pago - aus Pagitz und Obst. Winters nahm sich der Chef Zeit für exklusive Hobbys. Er absolvierte einige Erstbesteigungen in den Karawanken. Weil er Ski springen wollte, ließ er an der Sattnitz eine Sprungschanze bauen. Sie existiert heute noch.

    Jakob, Jakob, Jakob

    Als der dritte Jakob 1964 an Nierenversagen starb, übernahm Ehefrau Hilde die Firma und setzte mit Erfolg auf gute Werbung. Wegen seiner TV-Spots erhielt Pago in dieser Ära den Staatspreis. Der Slogan: "Pago schmeckt wie Pago". Und es gab schon 43 Sorten.

    Ihre Kinder Traude, Heidemarie und Heinz Jakob wuchsen quasi in der Firma auf. "Ich hab im Winter Orangen geschält, Heidelbeeren ausgeladen", erzählt der heute 70-jährige, auffallend jung gebliebene Heinz Pagitz, der am ehemaligen Firmensitz am Waagplatz wohnt. Die Flasche hütet der studierte Gärtechniker, ehemalige Unternehmensberater und Werbeprofi wie einen Schatz. Sie ist die einzige, die ihm geblieben ist.

    Heinz Jakob Pagitz war gemeinsam mit Schwester Heidi Nicolelli-Fulgenzi der Letzte derer von Pagitz, die bei Pago arbeiteten. 1979 war der Umzug auf die "grüne Wiese" unausweichlich. Eine enorme Investition für die Familie, die ausgerechnet mit einem schlechten Obstjahr zusammenfiel. "Wir hatten ein Liquiditätsproblem und holten daher die Brau AG als Partner - keine glückliche Ehe", berichtet Pagitz. Nach zwei Jahren lässt sich die Familie auszahlen. "Dass sich die Brau AG später selbst an den Heineken-Konzern verkaufte, konnten wir nicht ahnen."

    Jetzt, da der deutsche Eckes-Granini-Konzern die Klagenfurter Pago-Produktion zudreht, wird Heinz Jakob Pagitz sentimental: "Es tut mir weh, dass das verloren geht. Pago stand immer für Kärnten. Und 110 Familien stehen vor dem Nichts."

    Saftlos ist er aber nicht. Die von ihm mitgegründete Lebenswerte Partei Österreichs LPÖ stellt sich in einer Woche kärntenweit zur Wahl, weil "viele in Österreich darauf warten, dass sich hier etwas ändert".

    Dass der jüngste seiner drei Söhne, Johannes, sich ausgerechnet wieder mit "flüssigem Obst" befasst, unterstützt er. Die anderen sind Veterinärmediziner und Immobilienverwalter. Der älteste heißt Jakob.

    EVA GABRIEL

    FAKTEN

    Die grüne Flasche - ob aus Glas oder Plastik ist bis heute das markanteste Merkmal von Pago.

    Einen Markenstreit gab es mit der Tirol Milch, die ihr Fruchtmolkegetränk Latella auch in einer grünen Flasche bewerben wollte. Der Europäische Gerichtshof entschied: Allein die Pago-Bekanntheit in Österreich reicht für einen EU-weiten Markenschutz.

    Der neue Besitzer Eckes- Granini schließt die Produk-tion in Klagenfurt und will Pago künftig von Partner- firmen abfüllen lassen.

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