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    Zuletzt aktualisiert: 17.11.2012 um 01:39 UhrKommentare

    Rifkin: "Sonne und Wind sind für jeden frei"

    Klima, Multis und Monopole am Ende. Bestseller-Autor Jeremy Rifkin spricht im Kleine Zeitung-Interview über den Feldzug eines Energie-Internets.

    Bestseller-Autor Jeremy Rifkin warnt vor dem Klimawandel: "Sechs Grad Erwärmung bedeuten das Ende der Zivilisation"

    Foto © KLZ/Helmuth WeichselbraunBestseller-Autor Jeremy Rifkin warnt vor dem Klimawandel: "Sechs Grad Erwärmung bedeuten das Ende der Zivilisation"

    Ihr Büro musste wegen Sandy dichtmachen. Heil bestanden?

    JEREMY RIFKIN: Wir hatten 96 Stunden Sturm. Meine 85 Jahre alte Schwiegermutter in Connecticut erwischte es schlimmer. Sie war acht Tage ohne Strom.

    Sie geben dem Klimawandel die Schuld an solchen Hurrikans.

    RIFKIN: 1984 habe ich in einem Buch erstmals den Klimawandel erwähnt und für 2035 Palmen und Schutzdämme in New York vorhergesagt. Ich irrte. Es kam 2012.

    Warum hört die Welt nicht genug auf Ihre frühen Alarmrufe?

    RIFKIN: In Europa thematisiert die öffentliche Meinung den Klimawandel. In meiner Heimat USA haben sie Angst davor darüber zu reden, weil man nicht über die Energieabhängigkeit von den Ölkonzernen sprechen möchte.

    Denen Sie aber den nahen Sonnenuntergang prophezeien.

    RIFKIN: 2007 hat man für das Ende des 21. Jahrhunderts drei Grad Klimaerwärmung vorhergesagt. Letzte Woche kam die Meeresforschungsbehörde Noah auf ein Szenario mit sechs Grad Erwärmung durch den CO2-Ausstoß. Das bedeutet das Ende der menschlichen Zivilisation, wie wir sie kennen. Erwärmung beschleunigt die Wasserzyklen. Das macht Hurrikans und Fluten eben noch heftiger.

    Als Antwort beschreiben Sie eine dritte industrielle Revolution, bei der wie im Internet auch die Energie dezentral von jedermann erzeugt und ausgetauscht wird. Das stottert aber noch sehr.

    RIFKIN: In Deutschland und Dänemark bewegt sich schon viel. Deutschland kommt heuer auf 20 Prozent grüne Energie und will bis 2020 auf 25 Prozent kommen.

    Gerade geht dort die Solarindustrie ein und Kanzlerin Angela Merkel ringt mit den Kosten der Energiewende, die sie nach dem Fukushima-Desaster ausrief.

    RIFKIN: Es war klar, dass die Energiekonzerne zurückschlagen. Aber was bleibt uns, wenn wir verharren: steigende Uran- und Ölpreise. Die Krise der Solarfirmen ist für eine junge Branche normal. Die grünen Energien müssen vom Internet und der IT-Branche lernen.

    Energie-Internet - wie geht das?

    RIFKIN: In Europa gibt es Regionen mit 70 Prozent erneuerbarer Energie. Das Problem ist die Vernetzung. Europa hat Sonne im Süden, Wind im Norden, aber alte, zentralistische Netze mit Leitungsverlusten. Man benötigt ein digitalisiertes, dezentrales Netz, das Millionen kleine Erzeuger und Nutzer auf kurzen Wegen nutzen können. In Europa gibt es 190 Millionen Gebäude. Mit Solar- oder Seitenwindanlagen kann jedes Haus zu einem kleinen Kraftwerk werden.

    Die auch Elektroautos speisen sollen. Fahren Sie ein E-Car?

    RIFKIN: Nein. Ich warte auf das Wasserstoffauto, das Daimler und andere Hersteller schon entwickeln. Aber dafür gibt es kaum Infrastruktur. Grüne Energie der Gebäude wird man einmal in Wasserstoff für Autos konvertieren. Bis 2015 kommen da neue Technologien serienreif zum Durchbruch.

    Energieriesen werden kaum ein Energie-Internet ohne Monopole wünschen. Es wird eher noch mehr Machtkonzentration geben - wie Google, Apple oder Microsoft.

    RIFKIN: Der Kampf im Internet um Open Source ist noch lange nicht zu Ende. Bei der Energie waren Erdöl und Uran nie frei. Sonne und Wind sind aber für jeden frei. In Europa gibt es bereits Millionen kleiner Stromerzeuger, sodass so viel Energie da ist, dass sich Gaskraftwerke nicht mehr rentieren. Es ist eine exponentielle Kurve nach oben wie bei Information. Je günstiger die Energie wird, umso freier wird sie in dezentralen Modellen. Das wird schwer zu monopolisieren sein und die alten, zentralen Netze werden zu teuer sein.

    Wie schätzen Sie Österreichs Perspektiven in der dezentral vernetzten grünen Energiewelt ein?

    RIFKIN: Ich kenne Graz gut, sehe aber für ganz Österreich große Chancen. Hier hat man eine Leidenschaft für Nachhaltigkeit. Wie Polen ist Österreich eine Brücke zu Osteuropa auch für die Energiesysteme der Zukunft.

    Beraten Sie Kanzler Faymann?

    RIFKIN: Nein, der hat mich bisher noch nicht angerufen.


    Zur Person

    Autor: Jeremy Rifkin wurde 1945 in Denver geboren. Er ist Soziologe, Ökonom und Regierungsberater. Rifkin gründete die Foundation on Economic Trends, welche die Auswirkungen des wissenschaftlichen und technologischen Wandels auf die Wirtschaft untersucht.

    Bücher: "Das Ende der Arbeit" (2003), "Der Europäische Traum" (2004), "Die dritte industrielle Revolution" (2011).

    Das Prinzip

    "Dritte industrielle Revolution": Um sie hervorzubringen, müssten sich, so Rifkin, Internet-Technologien und erneuerbare Energien vereinen. Er glaubt, dass sich bald Millionen Menschen ihre eigene grüne Energie zu Hause in einer Art Energie-Internet teilen werden - genauso, wie heute Information.

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