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Zuletzt aktualisiert: 19.10.2012 um 23:09 UhrKommentare

Bahnsanierung fährt auf der Sparschiene

Die neuesten Zahlen der ÖBB sind überraschend gut. Jubeln will Bahnchef Christian Kern aber nicht, weil er in den nächsten Wochen massiv in unrentable Güterverkehrsstrukturen schneiden wird.

Bahnchef Christian Kern

Foto © APABahnchef Christian Kern

Bahnsanierer Christian Kern stellt sich auf heftige Gegenwehr ein. "Alle werden überall intervenieren, aber wir dürfen auch jetzt nicht jeden Bahnhof erhalten." "Jetzt nicht" bedeute: "Eine schwarze Null macht noch keinen Sommer." Kern will über das positive Konzernergebnis von voraussichtlich 60 Millionen Euro vor Steuern nicht in "Jubelgebrüll" ausbrechen. Vom übergeordneten Ziel, 2015 die Kapitalkosten sprich Zinsen zu verdienen, sei das Unternehmen schließlich noch weit entfernt. Dafür ist ein Konzernergebnis von rund 200 Millionen Euro notwendig. Ursprünglich hatte Kern bei seinem Start als Bahnchef 2010 für 2013 eine "schwarze Null" angekündigt.

Strukturanpassung heißt das Schlagwort, unter dem die Bahn in Kürze reihenweise Standorte für die Güterverladung auflassen wird. Was in Selzthal schon seit Wochen klar ist und 50 Jobs kostet, zeichnet sich jetzt auch für die Kärntner Stationen Völkermarkt, Kühnsdorf und Bleiburg ab. Österreichweit soll es um mehr als hundert Stützpunkte gehen, wobei Kern am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien relativierte: "Bei vielen werden einmal pro Woche zwei Waggons abgefertigt." Schub bekommt die Trennung vom unrentablen Geschäft durch die schlechtere Konjunktur. Das Güteraufkommen bricht Kern zufolge derzeit ein, gegen Jahresende werde es "brutal".

Um wie viele Jobs es geht, gab Kern im Hinblick auf die ausstehenden Beschlüsse in der Aufsichtsratssitzung am 30. Oktober noch nicht preis. Spekuliert wird, dass es mindestens hundert ÖBBler trifft. Sollte die Bahn für das Stückgut-Geschäft nach längerer Suche doch endlich einen Partner finden, könnte das Stellen retten.

3000 Bahnjobs sind seit Kerns Antritt weggefallen, aktuell beschäftigen die ÖBB 40.300 Menschen. Allein heuer wurden bereits 600 Mitarbeiter gekündigt, im Schnitt gehen sie mit 50.000 Euro Abfertigung. Dazu kommt eine natürliche Fluktuation von etwa 1000 Mitarbeitern. Betriebsbedingte Pensionierungen gibt es bei der Bahn nicht mehr.

Ausgesprochen gut läuft der Personenverkehr, trotz Preiserhöhung im Juli und privater Westbahn-Konkurrenz. Hohe Benzinpreise treiben den ÖBB die Kunden zu. Kern rechnet 2013 mit einer Million mehr Fahrgästen. Mit dem aktuellen Preisniveau ist Kern derzeit "zufrieden".

Der Konkurrent Westbahn kündigt schwarze Zahlen für 2013, ein Jahr später als geplant, an.

CLAUDIA HAASE

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