Steirer wollen "europäisches Obstzentrum" werden
48 Millionen Euro will Frutura in der Oststeiermark investieren und ein Glashausprojekt umsetzen - 200 Arbeitsplätze sollen so geschaffen werden. Bei einigen Anrainern regt sich aber Kritik.

Foto © APAObst und Gemüse sollen Arbeitsplätze schaffen
Es wurde eine Flasche Wein aufgemacht, vielleicht auch nicht. Jedenfalls erzählt die eine Seite von einer "mündlichen Einigung", die von der anderen Seite dementiert wird. Was am 6. April bei Gesprächen in Villach wirklich passiert ist, werden auch künftig nur die Beteiligten wissen. Fakt aber ist, dass dieses Treffen zwischen Vertretern des steirischen Obstvermarkters Frutura und der Familie Rogner, Betreiber der Therme in Bad Blumau, weitreichende Auswirkungen für eine gesamte Region hatte. Am folgenden Tag kaufte Frutura 20 Hektar Grund in der oststeirischen Gemeinde Bad Blumau - der Startschuss einer Rieseninvestition.
Streit um das warme Wasser
Die Hundertwasser Therme in Bad Blumau gilt als touristisches Vorzeigeprojekt. Betrieben wird sie von Robert Rogner junior - dieser hat Zugriff auf die unterirdische Thermalquelle.
Im September 2011 gibt es erste Gespräche zwischen Rogner und der Frutura bezüglich des Glashaus-Projektes. Damals kann keine Einigung erzielt werden.
Am 18. Jänner kommt es wieder zu einem Treffen in Blumau. Mit den Worten "Bitte bringen Sie mir das Projekt!" (Rogner senior zu Frutura-Geschäftsführer Hohensinner) soll das Treffen geschlossen haben.
Am 6. April 2012 kommt es in Villach zur mündlichen Einigung, es wird Wein getrunken. Die Frutura kauft daraufhin in der Gemeinde Blumau sofort über 20 Hektar Boden. Robert Rogner dementiert die Einigung.
Am 12. April soll der Vertrag unterzeichnet werden. Er beinhaltet aber "Forderungen, die niemals besprochen wurden" (Hohensinner). Darunter, so der Geschäftsführer, "500.000-Euro-Pönalen bei kleinsten Vertragsverletzungen unsererseits".
14. Mai 2012: Das gemeinsame Projekt ist gescheitert. Rogner ist heute strikter Gegner.
Die Vorgeschichte: Österreichs größter Obstvermarkter (jährlicher Umsatz knapp 200 Millionen Euro) und dessen als "Obst-Rebell" bekannter, unorthodoxer Geschäftsführer Manfred Hohensinner wollen einen Glashaus-Komplex errichten und dort das ganze Jahr über Tomaten, Gurken und Paprika anbauen. Österreich importiert mittlerweile etwa die Hälfte des benötigten Obsts und Gemüses - Hohensinner und Co. wollen dem entgegenwirken und in Bad Blumau mittels des Einsatzes der unterirdischen Thermalquellen zur Beheizung zudem umweltfreundlich arbeiten.
Darüber sprach man auch mit Robert Rogner junior, der zu Beginn des Projekts (siehe Chronologie rechts) noch begeistert war. Später drehte sich das Blatt, heute steht das Produkt für Rogner "nicht mehr für nachhaltigen Tourismus" und würde so "nicht in die Region passen". Auch Anrainer zeigen sich im Gespräch mit der Kleinen Zeitung kritisch. Ein Leser äußerte Bedenken, dass Fruturas Projekt mitten in einem "Wohlfühl- und Radfahrgebiet" entstehen soll. Zudem befürchtet er stärkere Verkehrs- und Lichtbelastung: "Ein beschaulicher Ort wird in einen Industriestandort umgewandelt."
Arbeiter aus der Region
Frutura glaubt trotzdem an das "grundehrliche Projekt" und will sich nach dem Zerwürfnis mit Rogner, der auch um den Wasserstand seiner Therme fürchtet, einen eigenen Zugang zur Thermalquelle bohren. Zudem plant man ein frei zugängliches Schaugewächshaus. Das "europäische Obstzentrum", so Hohensinner, soll entstehen und auch für Touristiker attraktiv sein.
Realisiert werden soll die Anlage jetzt im Süden von Bierbaum, einer Katastralgemeinde von Bad Blumau. Zwei Kilometer von der neu geplanten Schnellstraße S7 entfernt, auf 26,8 Hektar, will man den Glashauskomplex errichten. Investieren will die Frutura die Rekordsumme von 48 Millionen Euro. 200 bis 250 fixe Arbeitsplätze könnten neu geschaffen werden. Hohensinner: "Die Menschen aus der Region haben für uns Vorrang."
In Zusammenhang mit dem Glashausprojekt soll auch eine Apfel-, Obst- und Gemüseakademie eingerichtet werden. Es sollen einerseits Schulungen angeboten werden - zum anderen aber auch ein praktischer Teil integriert werden, in welchem das Glashaus in Bad Blumau miteinbezogen werden soll. Auch die Familie Rogner hatte am Akademie-Projekt Interesse bekundet - eine Zusammenarbeit war quasi abgesichert. Jetzt werden die Karten freilich völlig neu gemischt.















