Pacher konkurriert mit unabhängiger Gruppe
Wirtschaftskammerpräsident Franz Pacher will an die Spitze des neuen Villacher Tourismusverbandes. Von Elena Moser und Elisabeth Tschernitz-Berger.

Foto © Kleine Zeitung/Markus TraussnigFranz Pacher will an die Spitze des neuen Villacher Tourismusverbandes
Das Signal ist fatal: In Villach stellt sich eine Liste des Wirtschaftsbundes, mit Wirtschaftskammerpräsident Franz Pacher an der Spitze, am 21. Oktober zur Wahl für den privaten Tourismusverband. Damit wird die politische Gruppierung gegen eine unabhängige antreten, die sich um die Touristiker Martin Domenig und Manfred Kohl geschart hat.
Mit dem neuen Tourismusgesetz wollte man genau das vermeiden: dass politische Kräfte weiterhin das Sagen im Tourismus haben. Möglichst junge, engagierte Unternehmer sollten künftig entscheiden. Jetzt ist es ausgerechnet der Präsident der Wirtschaftskammer und Obmann des ÖVP-Wirtschaftsbundes, der die Geschicke des Tourismus lenken will. Pacher ist zwar Gastronom und nennt ein Kaffeehaus sein eigen, maßgeblich tätig ist er jedoch in politischer Funktion. Pacher sieht das freilich anders und wettert über scharfe Kritiker, die seine Kandidatur nicht gutheißen. Zum Beispiel der Drobollacher Hotelier Gerhard Stroitz oder die Villacher Hotelierin Claudia Boyneburg-Spendier. Villach sei ein Sonderfall. In keiner anderen Gemeinde werde so ein Krieg gegen die Wirtschaftskammer geführt, glaubt Pacher. "Die Irritation kann ich nicht nachvollziehen, die Wirtschaftskammer hat schließlich die Entwicklung des neuen Tourismusgesetzes entscheidend vorangetrieben." Auf seiner Liste: Holiday-Inn-Geschäftsführer Rene Sulzberger und Warmbaderhof-Chefin Susanna Mayerhofer.
Pacher hat im Vorfeld der Urabstimmung für eine Entpolitisierung des Tourismus plädiert. Sollte die "schwarze Liste" siegreich sein, bildet sie quasi eine Opposition zur Stadt - das Schlimmste, was passieren kann. Schon im Vorfeld gibt Bürgermeister Helmut Manzenreiter eine Kostprobe für künftige Ränkespiele: "Die Liste ist kontraproduktiv, gefährdet das fruchtbare Klima. Die Kammer reißt den Tourismus an sich."
Die unabhängige Liste will sich nicht abschrecken lassen und stellt sich furchtlos der Wahl. "Das Beispiel Kitzbühel zeigt, dass sich nur die Besten für den Tourismus engagieren sollen", sagt Kohl. "Mir geht es um einen guten Mix aus Visionären und klugen Köpfen", bekräftigt Domenig. Wie man das Gesetz nach Gutdünken biegen kann, zeigt das Beispiel St. Veit, dort wollen alle Bürgermeister der Region einen Tourismus-Verband bilden. Auch nicht im Sinne des Gesetzes.














