Bis zu 100.000 Passagiere vom Flug-Streik betroffen
Die Lufthansa-Flugbegleiter haben ihren ersten deutschlandweiten Streik begonnen. Rund 100.000 Passagiere dürften betroffen sein. Nach Freitag sind vorerst keine weiteren Streiks geplant.

Foto © APAFür die gestrandeten Passagiere gibt es Notschlafplätze
Die Flugbegleiter bei der AUA-Mutter Lufthansa haben ihren ersten deutschlandweiten Streik begonnen. "Die Stimmung ist bei den Mitarbeitern gut. Wir sind zuversichtlich", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft UFO Freitag früh. Rund 100.000 Passagiere dürften Schätzungen zufolge betroffen sein. Die Lufthansa hat rund die Hälfte der 1.800 Verbindungen auf dem Flugplan gestrichen, darunter 36 von und nach Österreich. Mit Abstand am heftigsten betroffen ist Wien, wo 32 Flüge (je 16 Starts und Landungen) nicht stattfinden werden. In Graz und Linz fällt je ein "Flugpaar", also Ankunft aus Frankfurt und dazugehöriger Rückflug aus, geht aus der Homepage der Lufthansa hervor. Von Wien aus sind neben Frankfurt auch Flüge nach München, Hamburg und Düsseldorf betroffen. Die AUA wird extra neun größere Flugzeuge einsetzen, um möglichst viele Passagiere an ihre Destinationen zu bringen. Die Konkurrenten der Airline und die Bahn stellen sich zum Ferienende in Süddeutschland auf einen großen Ansturm ein.
Größter Ausfall der Geschichte
Mit dem Ausstand richtet die UFO den bisher größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa an. Die ersten Auswirkungen auf den deutschen Flughäfen werden erst in der Früh zu spüren sein. Der erste gestrichene Abflug von einem deutschen Airport ist nach Angaben der Lufthansa die Verbindung Frankfurt-Berlin um 6:00 Uhr. Bereits am Donnerstag waren Abflüge aus dem Ausland abgesagt worden.
Zum Streik aufgerufen sind rund 18.000 Beschäftigte an den Lufthansa-Standorten Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg und Stuttgart. Normalerweise befördert Lufthansa an einem Freitag rund 170.000 Menschen. Die Flüge, die nicht gestrichen wurden, sind vor allem Verbindungen nicht bestreikter Tochtergesellschaften wie Germanwings. Nur wenige Überseeziele sollen am Freitag von Frankfurt und München aus angeflogen werden.
Die Deutsche Bahn rechnet mit mehreren tausend zusätzlichen Fahrgästen. Das Unternehmen will alle zur Verfügung stehenden Züge auf die Schiene bringen. Die Flughäfen rechnen dagegen mit wenig Andrang an den Terminals.
UFO-Gewerkschaftschef Baublies sieht Annäherung
Der Chef der Kabinengewerkschaft UFO, Nicoley Baublies, sieht zu Beginn des flächendeckenden Streiks am Freitag eine Annäherung zwischen Gewerkschaft und der AUA-Mutter Lufthansa. "Wir erwarten uns jetzt tatsächlich auch, nachdem wir den ersten Kontakt ja auch hergestellt haben, dass die Lufthansa sich deutlich bewegt inhaltlich", sagte Baublies Freitag früh der Nachrichtenagentur dpa.
Die Gewerkschaft erwarte, dass die Lufthansa in den kommenden Tagen die Gespräche intensivieren werde. Auch innerhalb der Gewerkschaft seien nun Absprachen zu treffen. "Wir müssen gucken: Was bedeutet das jetzt für uns?" Von Vertretern des Managements und aus der mittleren Verwaltung der Lufthansa gebe es zudem eindeutige Anzeichen einer Annäherung. So wie die Lufthansa mit ihrem Sparprogramm Score in den vergangenen Monaten "ihre Seele verloren" habe, geht es nach Ansicht Baublies nicht weiter. "Das muss auch das Top-Management verstanden haben," sagte er.
Keine weiteren Streiks vorerst
"Es sind jetzt keine weiteren Streiks aktuell geplant", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies am Freitag in Frankfurt. "In den nächsten zwei Tagen kommt es auf Gespräche an." Ein Ufo-Sprecher sagte, man wolle der deutschen AUA-Mutter Lufthansa nun eine "Denkpause" geben. Es habe "erste zarte" Kontakte gegeben. Der Streik am Freitag werde aber "durchgezogen".














