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Zuletzt aktualisiert: 05.09.2012 um 21:29 UhrKommentare

Leiharbeiter auf dem Prüfstand

Das am Dienstag beschlossene neue Leiharbeitergesetz verbessert zwar die Stellung der Zeitarbeiter innerhalb von Unternehmen, erhöht aber die Kosten für die Arbeitgeber. Diese überlegen jetzt Alternativen.

Foto © Fotolia / MH

Sie arbeiten meist für kurze Zeit am Bau oder in Industriebetrieben und besitzen oft nur einen Pflichtschulabschluss. Wenn das Wirtschaftsbarometer nach unten fällt und die Firmen weniger Aufträge an Land ziehen, sind die Leiharbeiter fast immer die Ersten, die ihre Anstellungen verlieren. Personalvermittlungs-Firmen haben diese "Stehzeiten" ihrer Arbeiter früher oft finanziert. Heute folgt nach dem Aus in der Firma meist der direkte Weg zum Arbeitsmarktservice (AMS).

Mittels einer am Dienstag beschlossenen Gesetzesnovelle könnte die Stellung der Zeitarbeiter innerhalb von Unternehmen aber verbessert werden. So sollen die rund 75.000 österreichischen Leiharbeiter etwa volle Zugänge zu betrieblichen Wohlfahrtseinrichtungen (Gemeinschaftsverpflegung, Kinderbetreuung) erhalten. Ab 2014 soll ein Sozialfonds mit einmaligen, schnellen Unterstützungen garantieren, dass Arbeitslosigkeit abgemildert wird - zudem muss dem Leiharbeiter das Ende seines Arbeitseinsatzes zumindest 14 Tage im Vorhinein bekannt gegeben werden.

Voest: 10 Prozent Leiharbeit

In Unternehmen herrscht Skepsis ob der Gesetzesnovelle. Man werde wohl auch "andere Modelle der Beschäftigung durchrechnen", meint etwa Gunther Glawar vom Umwelttechnik-Unternehmen. Komptech. Glawar führt als mögliche Alternativen Gleitzeitregelungen, eine stärkere Ausnutzung der Durchrechnungszeiträume, mehr Überstunden oder einen Umstieg beim Schichtbetrieb an.

Beim Stahlkoloss Voestalpine sieht man die Neuregelung ebenfalls problematisch. Leiharbeiter machen etwa zehn Prozent der Gesamtbelegschaft aus. Sie helfen, Produktionsspitzen abzufedern und "Auslastungshochs zu bewältigen", erklärt Konzernchef Wolfgang Eder. Das neue Gesetz macht Leiharbeiter für das Unternehmen teurer. Leiden könnte darunter die Wettbewerbsfähigkeit.

Beim Anlagenbauer Binder + Co meint Vorstand Karl Grabner, die Neuregelung sei "an sich keine schlechte Entwicklung", sie nehme den Unternehmen aber einen gewissen "Freiheitsgrad" weg. Auf lange Sicht werde man die Frage stellen müssen, ob sich die Beschäftigung von Leiharbeitern noch lohne: "Billig sind sie nicht."

Am Arbeitsmarkt registriert man bei Leiharbeitern stark gestiegene Arbeitslosen-Zahlen. Karl-Heinz Snobe, Chef des steirischen AMS: "Eine gut ausgebildete Fachkraft, wie etwa ein Schlosser, ist leicht vermittelbar. Viel häufiger aber haben wir es bei arbeitslosen Leiharbeitern mit gering Qualifizierten zu tun. Diese fallen der 'Hire and Fire'-Mentalität der Firmen zum Opfer."

HELLFRIED SEMLER, MARKUS ZOTTLER

Fakten

Von den rechtlichen Verbesserungen im Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG) sind in Österreich Zahlen aus dem Jahr 2011 zufolge 74.783 Leiharbeiter betroffen - großteils Männer (57.919). Mit dem im Ministerrat verabschiedeten Gesetzesentwurf wird die EU-Leiharbeitsrichtlinie in nationales Recht umgesetzt.

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