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Zuletzt aktualisiert: 22.08.2012 um 22:17 UhrKommentare

Ski-WM: "Keiner nimmt Notiz"

Event-Profi Herwig Straka vermisst die "Balance" im heimischen Sport-Sponsoring. Und er erklärt, was es auf der Sommerredoute der Wirtschaft zu feiern gibt.

Foto © GEPA

Sie veranstalten am 31. August die Sommerredoute der steirischen Wirtschaft. Was gibt es für die Wirtschaft in Zeiten wie diesen eigentlich zu feiern?

HERWIG STRAKA: Es geht eher darum, sich zu treffen, zusammenzusetzen, zu reden - vielleicht ist ja auch das ein möglicher Weg aus der Krise und Sinn und Zweck derartiger Veranstaltungen, um sich aus dem Tief herausdrehen und sich gegenseitig unterstützen zu können. Also ein Signal: "Jetzt geht's los!"

Die Vorgängerveranstaltung war vom ÖVP-Wirtschaftsbund organisiert. Ist der Stallgeruch der Parteipolitik derzeit hinderlich oder förderlich?

STRAKA: Dieses Mal sind wir der Veranstalter - das ist neu. Wir haben von Anfang an gesagt, wir wollen es nicht als Parteiveranstaltung positionieren, sondern es breiter anlegen.

Worin liegt der Reiz, eine Sommerredoute in Graz zu veranstalten, wenn man große Golf- und Tennisturniere organisiert?

STRAKA: Es ist eine Verbundenheit mit dieser Stadt. Unser Firmenhauptsitz ist hier. Wir hatten ja über eine gewisse Zeit versucht, Tennis auf den Grazer Reininghaus-Gründen am Leben zu erhalten. Das ist zumindest derzeit nicht möglich, weil es noch keinen wirklichen Eigentümer gibt, der weiß, wie es dort weiter geht. Deshalb haben wir uns nach einem neuen Projekt umgesehen.

Wird es in Graz jemals wieder ein Tennisturnier geben?

STRAKA: Ich bin nach wie vor mit der ATP und allen Spielern in bestem Kontakt. Das heißt, es ist eigentlich eine Kleinigkeit, das aus organisatorischer Sicht wieder zusammenzustellen.

Die Steiermark fiebert der Ski-WM im Februar 2013 in Schladming entgegen. Allerdings hat global gesehen der Skirennsport wenig Bedeutung. Wird da bei uns etwas überschätzt?

STRAKA: Wenn ich einen Radius von 500 Kilometer um Schladming ziehe, wird keiner mehr von dieser Ski-WM Notiz nehmen - außer ein paar Spezialisten in Skandinavien und Nordamerika.

Was bringt so ein Event dann?

STRAKA: Es heißt nicht, dass die WM als Event nicht wichtig und tauglich ist, um den Tourismus anzukurbeln. So rechtfertigen sich wahrscheinlich auch hohe Investitionen in die Infrastruktur. Im Bereich Sponsoring sehe ich es aber sehr kritisch.

Warum?

STRAKA: Ski und Fußball sind bei uns im Vergleich zu Golf und Tennis um Längen voraus. Eine Balance im Sinn der weltweiten Wertigkeit der Sportarten ist da in Österreich nicht gegeben. Das ist völlig aus dem Lot. Wir sind mit unserem zur European Tour zählende Golfturnier in Atzenbrugg weltweit, besonders in Amerika, im Fernsehen. Und das nicht in irgendeinem Mickey-Maus-Kanal, sondern im wirklichen Golf-Chanel, der von Millionen von Leuten gesehen wird. Im Vergleich: Das Kitzbüheler Hahnenkammrennen kannst du in den USA im TV suchen - du findest es nicht.

Wie sehr brauchen Eventveranstalter - im besten Fall lokale - Helden als Zuschauermagneten?

STRAKA: Wenn es einen gibt, ist es natürlich gut. Wir haben beim ATP-Turnier in Stuttgart zuletzt um ein Drittel weniger Zuschauer gehabt, weil es aktuell keinen deutschen Tennisspieler gibt, der an große Namen von früher - Becker, Stich - herankommt.

Nimmt der Starkult zu?

STRAKA: Ja, im Sport, aber auch allgemein in der Gesellschaft. Die Schere zwischen Top und Flop ist offener denn je. Die Mitte geht verloren. Es gibt zum einen die Mega-events, und parallel nehmen die Orts-, Straßen- und Zeltfeste wieder zu, wo man in seiner gewohnten Umgebung feiert.

Zwischen Champions League und Stammtisch-Cup wird es also die österreichische Fußballbundesliga nie so richtig schaffen?

STRAKA: Das kann man durchaus so sagen. Wobei die Fußballliga deswegen doch ein bisschen funktioniert, weil es keine Veranstaltung im engeren Sinn ist, sondern es mehr ums Fan-Sein geht.

Auch die Politik inszeniert ihre Events. Warum funktioniert das dort meistens nicht?

STRAKA: Es gehört auch Glaubwürdigkeit dazu. Wenn es die nicht gibt, wirkt es genau in die Gegenrichtung.

INTERVIEW: KLAUS HÖFLER

Zur Person

Herwig Straka (46) ist Gründer und Geschäftsführer der Event- und Sportmanagementagentur e-motion. Betreut werden u. a. Thomas Muster und Thomas Vanek, veranstaltet die ATP-Tennisturniere in Stuttgart und Wien sowie die Austrian Golf Open.

Sommerredoute

Sommerball: Am 31. August findet im und um das Grazer Schauspielhaus erstmals die "Sommerredoute der steirischen Wirtschaft" statt. Start ist um 19.30 Uhr am Freiheitsplatz. Tickets und Informationen unter www. sommerredoute.at

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