Sechsmal härter als normaler Stahl
Autos müssen immer leichter werden. Doch nicht Karbon oder Aluminium, sondern Stahl gilt als neuer Leichtwerkstoff. Seit 2002 forscht die Voestalpine schon am neuen Superstahl "phs- ultraform", und profitiert.

Foto © AP/Multhaup
Nächste Woche will der Stahlkonzern Voestalpine seine ehrgeizigen Pläne im Automobilbau offenlegen: Über 100 Millionen Euro werden bis 2014 in neue Stahlwerke in China, Südafrika, den USA sowie Rumänien und Deutschland investiert. Als Zulieferer folgt man geografisch ganz eng den deutschen Premium-Autobauern von Mercedes, BMW und Porsche, aber auch der Kia-Hyundai-Gruppe und dem US-Hersteller Ford.
Die neue Nähe zum Auto hat einen technologischen Grund. Denn ausgerechnet der "alte" Werkstoff Stahl ersetzt zunehmend wieder Aluminium und Karbon, wenn es um Leichtbau und Gewichtsreduktion im Auto- und Anlagenbau geht. Die Hightech-Pressstähle der Voestalpine sind derart belastbar, dass man extrem dünne Bauteile fertigen kann. Und damit wird Stahl plötzlich als Leichtbau-Werkstoff interessant.
300 Patente angemeldet
Seit 2002 forscht die Voestalpine schon am neuen Superstahl "phs- ultraform", seit heuer kann man als weltweit einziger Hersteller auch komplexe pressgehärtete Bauteile aus diesem Spezialwerkstoff anbieten. Mit einer Festigkeit von 1800 Megapascal ist er sechsmal härter als normaler Stahl. Die Erfindung ist durch 300 Patente gesichert, Großaufträge der Autobranche waren der Lohn. Wobei es in den letzten vier Jahren allerdings einen heftigen Rechtsstreit mit dem weltgrößten Stahlhersteller Arcelor Mittal gab. Das enorme Marktpotenzial für Leichtbauteile hat jüngst eine McKinsey-Studie erhoben.
Demnach wächst dieser Markt weltweit bis 2030 von heute 70 Milliarden auf mehr als 300 Milliarden Euro. Karbonfaser-Verbundstoffe werden zwar stark zulegen, der wichtigste Leichtbau-Werkstoff bleibt aber Stahl. Hochfester Stahl werde den Marktanteil im Automobilbau von 15 auf 40 Prozent steigern, sagt McKinsey-Expertin Ruth Heuss.
Herbert Eibensteiner, Metal-Forming-Chef und Vorstandsmitglied der Voestalpine, verweist auf die Vielzahl der sicherheitsrelevanten Bauteile aus hochfestem Stahl. So arbeitet man derzeit an einer Autotür, die nur Außen- und Innenblech hat, aber ohne Querträger auskommt. Ähnliches gilt im Anlagenbau: Rotorblätter für Windkraftwerke, ein zunehmender Markt, werden neuerdings aus Stahl statt Karbon gefertigt.
Von Karbon (Kilopreis: 42 Euro) werden jährlich 70.000 Tonnen produziert, von Stahl (Kilopreis: 50 Cent) 1,5 Milliarden Tonnen. Im Autobau rechnen sich je nach Fahrzeugklasse unterschiedliche Bauweisen: Mit Hochfest-Stahl kostet ein Kilo Gewichtsabnahme drei Euro, mit Karbon 5 bis 14 Euro.












