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Zuletzt aktualisiert: 14.08.2012 um 18:49 UhrKommentare

Dürre lässt die Preise sprießen

Die schlimmste Trockenheit seit 50 Jahren wird sich bald auf unsere Nahrungsmittelpreise auswirken. Neben Brot wird spätestens im Herbst auch Fleisch teurer - Tendenz weiter steigend. Die UNO warnt sogar vor einer globalen Krise.

Verkehrte Welt: Ernte runter, Preise rauf

Foto © APAVerkehrte Welt: Ernte runter, Preise rauf

Es ist eine weitere unerfreuliche Nachricht für Konsumenten. Nicht nur Brot wird bald teurer werden, am Dienstag kündigten auch die Fleischer an, dass sie ihre Preise "neu kalkulieren", also anheben müssen.

Beides hat mit der schlimmsten Dürre in den USA seit 50 Jahren zu tun. Das Problem, bedingt durch den globalen Klimawandel, ist gewaltig. Seit Wochen plagen Temperaturen von 40 Grad die Kornkammer der Vereinigten Staaten. Fast zwei Drittel des US-Festlandes sind Dürregebiet, in mehr als 30 Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen. Viehzüchter haben damit begonnen, ihre Herden zu schlachten. US-Präsident Barack Obama sicherte zu, um 170 Millionen Dollar aus dem Staatshaushalt Fleisch und Fisch von den Märkten zu kaufen.

20 Prozent teurer

Die USA sind der weltgrößte Getreideexporteur. Neue Ernteprognosen lassen weiter explodierende Getreidepreise befürchten. Weizen wurde seit Juni bereits um 50, Mais um 45 und Soja um 30 Prozent teurer. Dafür sind auch Ernteausfälle in Europa - in Österreich wurde laut Agrarmarkt Austria die magerste Ernte seit 40 Jahren eingefahren - mitverantwortlich.

Hierzulande müssen Bäcker (wie berichtet) bald mit einem um 20 Prozent höheren Mehlpreis rechnen, dadurch wird auch Brot teurer, aber nicht im selben Ausmaß. Durch die Dürre und die knappen Rohstoffe steigen auch die Kosten für die Tiermast, erklärt die österreichische Fleischerinnung. Das wirkt sich unmittelbar auf den Fleischpreis aus. In den letzten zwei Wochen kletterte etwa der Basispreis für Schweinehälften um elf Prozent. "Das Preisniveau für Schweinefleisch lag in der ersten Jahreshälfte bereits deutlich über dem Vorjahr und die Tendenz zeigt weiter nach oben. Diese Kostenbelastung kann von den Schlachthöfen und Fleischern nicht abgefedert werden", sagt Innungsmeister Rudolf Menzl. Mit 1. Juli wurde außerdem eine Lohn- und Gehaltserhöhung um 3,3 Prozent wirksam, die in den Preisen noch berücksichtigt werden müsse.

Weitreichende Folgen

Die Folgen der Dürre reichen aber weiter. Die UNO warnt vor einer neuerlichen globalen Preiskrise bei Lebensmitteln. "Es wäre die dritte in fünf Jahren", gibt Ralf Südhoff, Leiter des Welternährungsprogrammes (WFP) im deutschsprachigen Raum, zu bedenken. Die Rekordpreise für Getreide haben demnach direkte Auswirkungen auf 80 Prozent der Menschheit. Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G 20) haben für Ende August eine Telefonkonferenz angesetzt.

In Österreich rechnet Wifo-Experte Josef Baumgartner frühestens ab Mitte Herbst mit ersten Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln. "Die Größenordnung ist jetzt noch schwer abzuschätzen. Ich vermute aber, dass sie unter dem Niveau von 2008 mit durchschnittlich 6,7 Prozent bleibt, denn damals hat auch ein starker Preisanstieg bei Treibstoffen mitgewirkt und die Nahrungsmittelproduktion ist in den westlichen Industriestaaten sehr energieintensiv." Mittelfristig könnte sich die Dürre in den USA auch auf Textilpreise auswirken, da die USA zu den größten Baumwollproduzenten zählen.

DAMIR FRAS, WASHINGTON; HANNES GAISCH

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