Getreideknappheit: Situation am Markt "sehr nervös"
Hochwasser, Dürre, Hagel: Die Getreideernte fällt heuer beinahe weltweit schlechter aus. Sie Situation am Markt ist "sehr nervös". Teuerungen sind die Folge.

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"Die weltweit gut gefüllten Getreidelager dürften heuer wegen der weitreichenden Minderernten spürbar ausgeräumt werden", sagte der Präsident der Börse für landwirtschaftliche Produkte in Wien, Josef Dietrich, beim APA-Lokalaugenschein auf der Warenbörse am Mittwoch. Jede Woche an diesem Tag gibt es dort die "Notierungssitzung" - wie der Name sagt, werden darin die Tonnenpreise vom Premiumweizen bis zum Sonnenblumenschrot ermittelt. "Die Situation ist heuer insgesamt sehr nervös, auch wenn die Ernte in nördlicheren Regionen der Welt noch nicht abgeschlossen ist", so Dietrich.
Weizenpreis deutlich über Vorjahresniveau
Premiumweizen, der in erster Linie von Österreich nach Italien exportiert wird, verteuerte sich am (gestrigen) Mittwoch im Vergleich zum Mittwoch davor von 257 bis 265 Euro pro Tonne auf 260 bis 265 Euro pro Tonne; vor einem Jahr wurden rund 230 Euro bezahlt. Qualitätsweizen, der am 1. August nicht notiert worden war, kostete am 8. August zwischen 253 und 255 Euro pro Tonne - vor einem Jahr lag dieser bei rund 225 Euro. Mehl wird sich also verteuern. Keine Notierung gibt es laut Dietrich, "wenn in der vergangenen Woche keine nennenswerten Mengen eines Getreides gehandelt wurden".
Der Weizenpreis liegt pro Tonne also um etwa 30 bis 50 Euro über Vorjahresniveau. Mehl - das gilt als sicher - wird sich wohl spätestens im September verteuern. In Österreich gab es laut AMA (Agrarmarkt Austria) die schlechteste Ernte seit mehr als 40 Jahren. Ohne Mais wurden 2,3 Mio. Tonnen eingebracht. "Das alleine treibt den Preis aber nicht", erklärte Dietrich. "Da es aber auch in Nachbarländern bis Rumänien und der Schwarzmeerregion schwache Ernten gibt, steigt der Preis."
Aber egal wie gut die Ernte in Österreich auch ausfalle, der Getreidepreis müsse sich auch hierzulande an die weltweiten Gegebenheiten anpassen: "Wäre ein Getreide hier durch eine Top-Ernte wesentlich billiger, wären wir sofort ausverkauft", so der Börsepräsident.
Preissprünge bald Normalität?
Für die Zukunft erwartete Dietrich "öfters ähnliche Preissprünge wie vom Vorjahr auf heuer, mit denen wir werden leben müsse". Er erwarte mittelfristig Weizen-Tonnenpreisen - es gibt zahlreiche verschiedene Qualitäten - zwischen 200 und 300 Euro. Der bisherige Spitzenpreis für Premiumweizen seit dem EU-Beitritt lag im Februar 2011 bei rund 300 Euro.
Wie sich die geplante Einführung des Biosprits E10 auf Getreidepreise auswirken würde, wollte der Präsident - im Brotberuf Mühlengeschäftsführer in Schwechat (Vonwiller/Fini's Feinstes) und Verarbeiter von rund einem Viertel der jährlich vermahlenen 780.000 Tonnen Getreide in Österreich - nicht kommentieren. Der Bedarf der heimischen Müller könne jedenfalls "mit geringen Importen auch heuer von Österreich, trotz Missernte im Osten des Landes, gedeckt werden".
Die Getreidebörse ermittelt in der wöchentlichen Sitzung des Preisermittlungsausschusses die Getreidepreise der vergangenen Woche. Diese sogenannte "Notierungssitzung" findet unter der Leitung von Josef Bruck oder einem seiner Stellvertreter und in Anwesenheit eines Börsenkommissärs, entsandt von der Bundesregierung, statt.
Am (gestrigen) Mittwoch waren rund 25 Getreidehändler und Müller an Ort und Stelle. "Die Börse sieht sich aber auch als Dienstleister für die Branche, nicht nur als Ort für die Notierungssitzung. Es finden viele Gespräche zu Angebot und Nachfrage statt, wir pflegen die Handelsbräuche und haben ein Schiedsgericht bei etwaigen Streitigkeiten", so Dietrich. Gekauft und verkauft werde unter der Woche außerhalb der Börse - persönlich, telefonisch oder elektronisch über das Internet. Das war noch nicht so, als die Börse 1869 in ihrem Prunkbau in der Wiener Taborstraße (2. Bezirk) eröffnet und direkt dort von Montag bis Samstag gehandelt wurde.
Features
Was ist eine Notierung?
Eine (Kurs-)Notierung (auch amtliche Notiz) beschreibt die offizielle, niedergeschriebene (dokumentierte) und öffentliche (amtliche) Feststellung eines Preises (oft verbunden mit dem Börsenkurs eines Wertpapieres) an einem geregelten Markt.
Quelle: Wikipedia














