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Zuletzt aktualisiert: 18.07.2012 um 05:10 UhrKommentare

Badehaus: Prototyp eines ökologischen Wohlfühltempels

Am Millstätter See entsteht das erste Kärntner Badehaus. Die Vorgaben: ökologisch, ökonomisch und nachhaltig. Der Kärntner Traum von Saisonverlängerung wächst derzeit mitten in Millstatt. Von Elisabeth Tschernitz-Berger.

Christian Kresse, Josef Pleikner und Herwig Ronacher sind mit dem Baufortschritt zufrieden

Foto © RieblerChristian Kresse, Josef Pleikner und Herwig Ronacher sind mit dem Baufortschritt zufrieden

Eine hochrangige Delegation aus China reiste kürzlich nach Wien, um sich über nachhaltiges und energieeffizientes Bauen in Österreich zu informieren. Unter den Projekten, die den staunenden Chinesen präsentiert worden sind, war auch das Kärntner Badehaus. Badehäuser hat es schon im 15. Jahrhundert gegeben, wenn auch mit anderer Funktion als heute. Der Prototyp eines ökologischen Wohlfühltempels, der dem Kärntner Traum nach Saisonverlängerung näher rückt, wächst derzeit mitten in Millstatt aus schönstem, gemeindeeigenem Seegrund.

Viel Aussicht

Wie Ameisen klettern Arbeiter auf der Baustelle mit dem imposantesten Ausblick Österreichs, hin und her. Sie bringen die weiße Holzverschalung an - für den planenden Architekten Herwig Ronacher der Inbegriff von Kärntner Seenarchitektur. Der lang gezogene Bau neben dem Strandbad Millstatt hat einen entscheidenden Vorteil: Die großen Fensterfronten auf drei Etagen ziehen die vom blaugrünen See dominierte Landschaft direkt in die Wellnessbereiche.

Was hat das Kärntner Badehaus, was andere Schwimmbäder nicht haben? "Das Badehaus ist ökologisch und mit Kärntner Holz errichtet. Es hat die höchste Energieeffizienzstufe", erklärt Ronacher, der erst vor einem Monat einen Preis für das erste Schwimmbad in Passivbauweise ergattert hat. "Schwimmbäder sind die größten Energiefresser. Beim Freibecken sparen wir 50 Prozent der Energiekosten ein", erklärt der Architekt. Die Einsparung soll durch eine Kombination aus Solarthermie, Photovoltaik und Passivbauweise erreicht werden.

Straffe Kalkulation

Energieeffizienz ist die Grundlage für die straffe Wirtschaftlichkeitsrechnung, die Tourismusberater Manfred Kohl, für das 3,6 Millionen teure Badehaus erstellt hat. Die Kosten dafür werden zum großen Teil die Steuerzahler tragen. Aber während in Kärnten kein Hallen- oder Erlebnisbad ohne öffentliche Zuschüsse im Betrieb auskommt, ist Kohl überzeugt, dass das Kärntner Badehaus mit dem überschaubaren Fassungsvermögen von 150 Personen wirtschaftlich zu führen sei, bzw. mit einer schwarzen Null bilanzieren könne.

"Das Badehaus ist eine Wellnessabteilung für einen Ort", beschreibt Kohl die positiven Auswirkungen für eine Tourismusgemeinde. Badehäuser seien eine ideale Infrastruktur für kleine Betriebe, die sich keine eigene Wellnessanlage leisten können, sowie für Einheimische. Hotels und Pensionen haben bereits Interesse angemeldet, Kartenkontingente zu kaufen, die sie ihren Gästen weitergeben wollen. Manche wollen sich überhaupt finanziell beteiligen.

Der Chef der Kärnten Werbung, Christian Kresse, sieht im Badehaus eine Innovation, die einen Wiedererkennungswert haben soll. Er wünscht sich "Franchise"-Badehäuser an jedem Kärntner See. "Dadurch haben wir sympathische Alternativen an Regentagen und die Nebensaison." Die Seen würden damit perfekt inszeniert und wetterunabhängig. Selbst im Winter und bei Nebeltagen sollte man im dampfenden Infinity-Pool planschen können. Ob es dazu kommt, ist fraglich. Drei Projekte wurden von der Tourismusholding ausgeschrieben. Millstatt hat den Zuschlag bekommen, die beiden anderen wurden eingestellt, weil keine entsprechenden Vorschläge eingereicht worden sind.

Für Millstatt ist das Badehaus ein "Schnäppchen", trägt doch die Tourismusholding ein Drittel der Kosten von 3,6 Millionen Euro. Der Rest muss von der Gemeinde aufgebracht werden, wobei Bürgermeister Josef Pleikner private Investoren sucht. Das alte, baufällige Hallenbad in Millstatt kann abgetragen werden, wodurch sich die Fläche des Strandbades vergrößert und die Gemeinde sich jährliche Zuschüsse von 300.000 Euro spart.

ELISABETH TSCHERNITZ-BERGER

FAKTEN

Auf 1400 Quadratmetern werden sieben Therapieräume, mehrere Saunen, Dampfbäder, Außenterrassen, ein Restaurant mit Terrasse und elegante Ruheräume untergebracht, 150 Liegen für 150 Gäste.

Sieben Tage von 9 bis 21 geöffnet.

Tageskarte kostet rund 20 Euro, Preise gestaffelt.

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Foto © Riebler

Bild vergrößernDie Gemeinde Millstatt hatte noch freien Seegrund, daher gab es den Zuschlag für das BadehausFoto © Riebler

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Bild vergrößernViel Holz, viel Glas und sehr viel Aussicht auf den Millstätter See bietet das Badehaus, das im Oktober eröffnet wird Foto © Riebler

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Bild vergrößernAlle Wege führen von der Wellnessanlage zum Freischwimmbecken Foto © Riebler

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