Erkaufte Erfolge sind nie von Dauer
Viele Sportvereine mussten zusperren oder den Spielbetrieb einschränken. Landeshauptmann und Sportreferent Gerhard Dörfler im Kleine Zeitung-Interview über "erkaufte Scheinerfolge".

Foto © KK/Privat, GEPA, Eggenberger
Vielen Kärntner Sportvereinen fehlt das Geld, um weiter in den höchsten Spielklassen in Österreich antreten zu können. Nicht wenige Klubs geben der falschen Förderpolitik der öffentlichen Hand die Schuld. Zum Teil berechtigt, da manche Sportarten hunderttausende Euro bekommen, andere sehr wenig. Landeshauptmann Gerhard Dörfler verteidigt die Subventionen, kritisiert die "erkauften Scheinerfolge, die nie von Dauer sind". Er verlangt von den Funktionären weniger Kleingeistigkeit und mehr Kostenwahrheit bei den Gagen. Sein Ziel ist eine österreichweite Sportstruktur.
Vereine sperren zu. Steckt der Kärntner Sport in einer veritablen Krise? Oder fehlt es nur an einer entsprechenden Förderung?
GERHARD DÖRFLER: Die Vereine, um die es da geht, sind vom Land nicht gefördert worden. Das Land ist auch nicht Konkursverwalter von fehlgeleiteten Vereinskassierern und -präsidenten. In den unteren Klassen werden Gagen gezahlt, die bei mir nur Kopfschütteln auslösen. Gagen, die nicht versteuert werden, keine Sozialversicherung bezahlt wird. Das Land ist dann nicht für die Konkursfälle des Sports zuständig.
Da sprechen wir von Fußballklubs aus unteren Klassen. Es gibt aber auch Oberhaus-Klubs, die den Spielbetrieb einstellen oder reduzieren mussten. Wie die Klagenfurter Basketballer, der TTC Lavamünd, die Feldkirchner Handball-Damen. Versagt da nicht die Förderung des Spitzensports oder eine Kontrolle von Subventionen?
DÖRFLER: Es ist nicht Aufgabe des Förderungsgebers, eine Kontrolle zu installieren. Ich habe immer wieder die Legionärsflut kritisiert. Aber manche sind da nicht heilbar. Kärnten ist im Sport erfolgreich, wo wir keine Legionäre haben. Sei es im Wintersport, mit den Skispringern, die Biathleten, die Segler Resch und Vadlau fahren zu Olympia, jetzt auch mit Lisa Zaiser eine Schwimmerin ...
... da darf man nicht Mannschaftssportarten mit Einzelsportlern vergleichen, oder?
DÖRFLER: Das ist klar, aber Mannschaftssport kann auf Dauer nicht funktionieren, wenn man den Weg zum Erfolg abkürzen will. Legionäre für einen Scheinerfolg zu kaufen, statt Geld in den Nachwuchs zu investieren, ist für mich eine Negativ-Spirale. Was hilft es, wenn Lavamünd nur mithilfe ungarischer Spieler die Bundesligazugehörigkeit bewerkstelligt. Es ist ein Systemfehler, dass manchen der schnelle Erfolg so wichtig ist und der Nachwuchs bleibt auf der Strecke. Und am Ende auch die Finanzen.
Weil auch die Kärntner Wirtschaft sich kein großes Sponsoring mehr leisten kann?
DÖRFLER: Ja, im Grund ist das richtig. Dem Sport ist das Mäzenatentum abhandengekommen. Trotzdem werden Gagen bezahlt, die ich mir nicht erklären kann. Jeder Verein hat aber eine Eigenverantwortung. Es kann nicht sein, dass der Präsident die Erfolge hat, der Steuerzahler die Misserfolge. Das ist untragbar.
Hat der Landeshauptmann von Kärnten dann eine Vision für die Zukunft des Sports in Kärnten.
DÖRFLER: Die Vision müsste heißen: Kräfte bündeln. Wo habe ich Infrastruktur? Wo habe ich funktionierende Vereine mit einer soliden Basis? Wo gibt es Nachwuchsarbeit? Dann muss entschieden werden, wer macht was. Es kann nicht in jeder Gemeinde ein Angebot für alle Sportarten geben. Beispiel Handball: Da kämpfen zwei Klubs - HCK und SC Ferlach - um die Kärntner Vormachtstellung. Wunderbar, aber den Anschluss an die nationale Spitze haben beide verloren. Es muss Strukturen geben, um den Anschluss zu halten.
Wer soll strukturieren? Der Landeshauptmann, der einem Verein, einer Spielgemeinschaft dann das doppelte Fördergeld gibt?
DÖRFLER: Nein, das kann ich nicht, ich bin kein Sportkommunist, der einem Klub sagt, das darfst du, und das nicht. Ein Verein ist ein autonomes Gefüge, das oft nur von einem Einzelkämpfer am Leben erhalten wird. Der angesprochene Weg muss vom Sport selbst kommen. Der aber den Sportegoismus jedes Vereinsobmanns ablegen muss.
Schön, aber jemand muss die Linie vorgeben.
DÖRFLER: Da reden wir von einer nationalen Sport-Architektur, die für alle Bundesländer Gültigkeit hat. Wo setzen wir Prioritäten. In Österreich, klar der Wintersport. Da steht ein großer Wirtschaftsfaktor im Hintergrund mit all seiner Wertschöpfung. Infrastruktur für den Schisport kommt nicht nur einer Weltcup-Abfahrt zugute. Einen Skilift nützt jeder. Im Sommer gilt das für den Radsport - mit den gesellschaftlichen, touristischen, gesundheitlichen Aspekten. Auch wenn er, vom Doping gebeutelt, derzeit dahindümpelt. Aber die Österreich-Rundfahrt muss wieder eine Ikone sein. Und dann kommt der Mannschaftssport. Wo wollen wir vorne sein. Fußball, klar. Der Österreicher ist aber kein geborener Basketballer. Also Volleyball oder Handball, Eishockey. Der sportliche Gemischtwarenladen wird aus der Sicht der Förderungspolitik geschlossen werden müssen. Wie gesagt: Klare Prioritäten setzen.
Das heißt, es muss ein Gesundschrumpfen geben, wir verzichten einfach auf Sportarten?
DÖRFLER: Ich würde das nicht als Schrumpfen bezeichnen. Ein Investment kann es aber nur geben, wo man nach reiflichen Überlegungen zu Erfolg kommen kann. Und dafür wird es eine österreichweite Sport-Architektur geben müssen. Die die Dachverbände, die Fachverbände, die BSO schafft. Und dann reden wir von großen Visionen ...
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"Untergang" der Piraten. Viele Jahre gehörten die Wörthersee Piraten zu den Fixpunkten in der österreichischen Basketball-Bundesliga. 2011 mussten die Klagenfurter, aus finanziellen Gründen, kapitulieren. Da der Verband eine Teilnahme an der 2. Liga verweigerte, spielten sie zuletzt in der Landesliga.
Zum Glück aufgefangen. Ganz knapp vor dem Aus standen vor wenigen Wochen die Handball-Bundesliga-Damen. Wegen fehlender finanzieller Mittel musste Präsident Peter Witasek den Verein schließen. Nach einigen Tagen Stillstand sprang der Partnerklub HC Kärnten ein und hält das Team am Leben.
Nur noch in der Unterliga. SV Lavamünd hatte in der 1. Tischtennis-Bundesliga immer das kleinste Budget. Heuer konnte Klubchef Josef Matschitsch sen. selbst das nicht mehr aufbringen. Es blieb nur der Ausstieg aus der höchs-ten Spielklasse. Vor wenigen Tagen musste der Klub auch für die 2. Bundesliga w. o. geben, spielt nur noch Unterliga.
Mehrere Aussteiger. Am schlimmsten erwischte es die Fußballvereine im Land. Nach der abgelaufenen Saison meldeten gleich sechs Vereine ihre Kampfmannschaften beim Kärntner Fußballverband ab. So viele Stilllegungen gab es bisher noch nie. Experten fürchten, dass es im nächsten Jahr noch mehr werden.














