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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2012 um 19:09 UhrKommentare

Experte warnt vor Biomasse

Laut IHS-Kärnten-Chef Markus Bliem sei Biomasse nur am Land sinnvoll: In Klagenfurt wären Emissionen hoch, Rohstoff müsste importiert werden.

Bis 2015 braucht das Klagenfurter Fernheizwerk Ersatz. Die Meinungen darüber, was die beste Lösung wäre, gehen auseinander

Foto © KLZ/ZechnerBis 2015 braucht das Klagenfurter Fernheizwerk Ersatz. Die Meinungen darüber, was die beste Lösung wäre, gehen auseinander

Die Zeit drängt: Das Klagenfurter Fernheizwerk ist in die Jahre gekommen und braucht ab 2015 Ersatz. Als eine Möglichkeit, um die Stadt mit Wärme zu versorgen, werden Biomassekraftwerke genannt.

Doch der Geschäftsführer des Instituts für Höhere Studien Kärnten, Markus Bliem, warnt davor, gewisse Nachteile der Biomasse außer Acht zu lassen. "Seit Jahren wird dieses Thema sehr polarisierend diskutiert. Es heißt: Biomasse ist gut, Erdgas schlecht. Dabei stehen bei jeder der beiden Varianten gewisse Vorteile gewissen Nachteilen gegenüber", so Bliem, der internationale Studien vorlegt. Im Rahmen der Forschungsreihe ExternE (External Costs of Energy) wurden beispielsweise auch Nebenkosten und Auswirkungen mit einbezogen: Konkret wurde untersucht, wie sich die mit Transport, Verarbeitung oder Trocknung des Rohstoffs verbundenen Schadstoffe auf Mensch und Natur auswirken.

Und da schneiden Biomassekraftwerke - vor allem mit Waldhackgut betriebene - nicht besonders gut ab. "Das Holz muss mit Maschinen, die mit Treibstoff betrieben werden, aus dem Wald geholt werden. Es wird mit Maschinen bearbeitet, zum Teil getrocknet und zum Kraftwerk transportiert", sagt Bliem. In Klagenfurt würde das bedeuten, dass man jährlich tausende Lkw-Anlieferungen durchführen müsste - was mit Lärm- und Schadstoffemissionen verbunden wäre.

In der Umgebung von Klagenfurt gebe es zudem nicht genug Rohstoff, wodurch man Biomasse importieren müsse und sich somit Transportwege und Schadstoffbelastung erhöhen würden, so Bliem: "Und dadurch würde der positivste Effekt, nämlich dass man die heimischen Bauern unterstützt, wegfallen." Zudem müsse man damit rechnen, dass sich durch den neuen Großabnehmer der Biomassepreis erhöhen würde, was wiederum bestehende Anlagen im ländlichen Raum gefährden würde.

Was den Schadstoffausstoß betrifft, stellen Studien der Biomasse ebenfalls kein besonders gutes Zeugnis aus. Sowohl Kohlenmonoxid, Stickoxide als auch andere Schadstoffe werden in weitaus höheren Mengen ausgestoßen als bei einem Gasdampfkraftwerk.

Der IHS-Kärnten-Geschäftsführer hofft daher, dass bei der Ausarbeitung der Kriterien für die neue Klagenfurter Wärmeversorgung diese Aspekte berücksichtigt werden: "Ich bin kein Gegner der Biomasse, ganz im Gegenteil. Kleine Anlagen im ländlichen Raum sind sinnvoll, wenn der Rohstoff nicht weiter als 30 bis 40 Kilometer transportiert werden muss. Aber Anlagen mit mehreren Dutzend Megawatt Leistung machen keinen Sinn."

KARIN HAUTZENBERGER

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Markus Bliem, Chef des Instituts für Höhere Studien Kärnten Foto © Eggenberger

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