An der Kontrolle arbeiten
Gute Aufsichtsräte sind gefragter denn je. Aber was muss der perfekte Aufsichtsrat können? In Graz startet am Donnerstag die erste Akademie zum Thema.

Foto © APAGroßprojekte wie der Bau des Skylink-Terminals am Wiener Flughafen müssen noch besser beaufsichtigt werden
Hermann Josef Abs ist wohl der Vater aller Aufsichtsräte. 26 Aufsichtsratsmandate hat der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank in seiner Hochzeit gleichzeitig belegt, später griff der deutsche Staat regulierend ein und beschränkte auf maximal zehn Mandate pro Kopf (selbiges gilt in Österreich). Weil die EU jetzt noch einen Schritt weitergehen könnte und nur noch drei Mandate zulassen will, könnten gute Aufsichtsräte bald selten sein.
Ausgerechnet in einer Zeit, in der sich immer mehr Unternehmen einer zusätzlichen, oftmals freiwilligen Kontrolle verschreiben wollen, wie Manuel Theisen erklärt. Der Deutsche ist Professor für Betriebswirtschaftslehre und Herausgeber der Zeitschrift "Der Aufsichtsrat". Obwohl laut Gesetz jede natürliche, voll geschäftsfähige Person ein Mandat belegen kann, ist nicht jedermann für das Amt geschaffen. "Ein guter Aufsichtsrat muss auf Augenhöhe mit dem Vorstand sein und unabhängig von Interessenkonflikten agieren", erklärt Theisen. Unternehmer muss er nicht zwangsläufig gewesen sein: "Es gibt auch andere, sehr kluge Köpfe." In Graz sollen die klugen Köpfe inhaltlich auf ein zukünftiges Aufsichtsratsmandat vorbereitet werden.
Initiiert vom Steuerberatungsunternehmen Gaedke & Partner startet am Donnerstag (Anmeldungen noch möglich) die erste steirische Aufsichtsratsakademie. Experten erklären dabei etwa, wie Aufsichtsräte haften oder wie sie die richtigen Geschäftsführer auswählen. Informationen, die heutzutage sehr wertvoll sein können.
Ein gängiger Spruch von 26-fach-Aufsichtsrat Hermann Josef Abs ist nämlich sicher nicht mehr gültig. "Was ist der Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Aufsichtsrat? Die Hundehütte ist für den Hund, der Aufsichtsrat ist für die Katz", beliebte der Bankier einst zu scherzen.














