"Unternehmer sind keine Bittsteller mehr"
Der Chef der Kärnten Werbung, Christian Kresse im Kleine Zeitung-Interview. Er hofft, dass Unternehmer ihre Geschicke künftig selbst in die Hand nehmen werden.

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Ihr Tipp: Wie geht die Urabstimmung über das neue Tourismusgesetz am Sonntag aus?
CHRISTIAN KRESSE: In tourismusintensiven Gemeinden werden sich Unternehmer für private Verbände entscheiden. Es ist logisch, dass jene, die von der Branche leben und 21 Millionen Tourismusabgabe erwirtschaften, auch über ihr Geld bestimmen.
Viele Bürgermeister fürchten jetzt, dass sie viel Geld verlieren werden und raten den Unternehmern dagegen zu stimmen.
KRESSE: Leider wird die Sache jetzt politisch. Die Bürgermeister verlieren ihre Verteilungshoheit. Die Angst, Geld aus den touristischen Töpfen zu verlieren zeigt ja, dass bisher auch andere Dinge damit finanziert worden sind.
Abgänge der Hallenbäder, Kantinen für den Fußballklub, Straßenasphaltierungen?
KRESSE: Wahrscheinlich hier und dort.
Was haben Unternehmer vom neuen Gesetz?
KRESSE: Sie sind künftig keine Bittsteller mehr. Außerdem gibt es in den Verbänden dann die totale Transparenz, was mit dem Geld passiert.
Was hat die Kärnten Werbung davon?
KRESSE: Wir bekommen hundert Prozent der Fremdenverkehrsabgabe, die dem Land zusteht, garantiert. Das sind statt bisher neun Millionen etwas über zehn. Sonst profitieren wir nicht. Das Tourismusgeld bleibt bis zum letzten Cent bei den Verbänden.
Wurde das Kärntner Gesetz von Salzburg, wo sie lange Tourismus-chef waren, abgeschrieben?
KRESSE: Es wurde weiterentwickelt. Es ist eine klare Aufgabenteilung zwischen Kärnten Werbung, Regionen und Ortsverbänden festgeschrieben, damit es keine teuren Doppelgleisigkeiten mehr gibt. Es zwingt Regionen, sich der Produktentwicklung zu widmen, was bisher nicht so war.
Unternehmer haben Angst, dass der Tourismus die Gemeinden künftig nichts mehr angeht . . .
KRESSE: Wir haben von 19 auf zwölf Millionen Nächtigungen abgebaut. Wenn wir den Turn-around schaffen wollen, brauchen wir die Partnerschaft zwischen Unternehmern und Gemeinden. Übrigens wird in jedem Verband ein Gemeindevertreter sitzen.
Es geht auch die Angst um, dass die Ortstaxe verdoppelt wird.
KRESSE: Es gibt keine automatische Erhöhung der Abgaben. Eine Erhöhung über 50 Prozent muss mit Zweidrittelmehrheit der Unternehmer beschlossen werden und ist projektbezogen.
Werden sich genügend finden, die Verantwortung in den Verbänden tragen?
KRESSE: Die Kärntner Unternehmer fürchten die Verantwortung. Ihre ureigenen Aufgaben wurden ihnen bisher von der Politik aus der Hand genommen.
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Bild vergrößernChristian Kresse ließ seine Erfahrungen von Salzburg ins neue Gesetz einfließen Foto © KLZ/Traussnig
Christian Kresse ließ seine Erfahrungen von Salzburg ins neue Gesetz einfließen Grafik © KLZ/Traussnig














